Berlin - In Berlin sind im vergangenen Jahr 16.337 Wohnungen fertiggestellt worden – 14 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das hat das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Montag mitgeteilt. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen liegt damit auf dem Niveau von 2018. In reinen Neubauten entstanden 14.719 Wohnungen, weitere 1618 Wohnungen kamen durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden hinzu, zum Beispiel durch den Ausbau von Dachgeschossen.

Die Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg meldeten mit 1979 Wohnungen beziehungsweise 2106 Wohnungen die meisten Fertigstellungen. Die wenigsten neuen Wohnungen entstanden mit 688 in Spandau und mit 608 in Neukölln. Der Rückgang der Fertigstellungszahlen kommt überraschend. Denn Ende 2019 befanden sich 65.830 Wohnungen im sogenannten Bauüberhang. Das heißt, diese Wohnungen sind in Berlin bereits genehmigt, aber noch nicht fertiggestellt. Zwei Drittel der Wohnungen, also rund 44.000 Unterkünfte, waren zum damaligen Zeitpunkt bereits in Bau. Nur für ein Drittel hatten die Arbeiten noch nicht begonnen. In Fachkreisen war damit gerechnet worden, dass im Jahr 2020 mehr als 20.000 Wohnungen fertig werden könnten.

Prüfung der Ursachen angekündigt

„Wir werden sehr genau prüfen, welche Ursachen dem aktuellen Rückgang zugrunde liegen“, sagte Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke). „Die Fertigstellungszahlen 2020 basieren in der Regel auf Baugenehmigungen aus den Jahren 2017 und 2018 – wer also meint, den Mietendeckel als Verursacher zu identifizieren, den muss ich leider enttäuschen.“ Offenbar kämen also „Sondereffekte“ zum Tragen. „Auf der einen Seite die überlastete Bauwirtschaft und die gestiegenen Baukosten, im letzten Jahren dann verstärkt coronabedingte Einschränkungen, Probleme bei der Lieferung von Baumaterial oder bei der Baustelleneinrichtung.“

Berlin benötigt nach bisherigen Angaben etwa 20.000 Wohnungen pro Jahr. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beziffert den Bedarf allerdings inzwischen auf durchschnittlich 16.500 Wohnungen jährlich – bezogen auf den Zeitraum von 2019 bis 2030, in dem rund 200.000 neue Wohnungen gebraucht werden. Die Baugenehmigungszahlen liegen seit 2015 über der Marke von 20.000 Wohnungen jährlich, zuletzt jedoch nur noch knapp. 

Immerhin: Im vergangenen Jahr haben die sechs landeseigenen Unternehmen mit rund 5800 fertiggestellten Wohnungen rund ein Drittel des gesamten Neubaus erstellt. Das ist wichtig, weil die landeseigenen Unternehmen einen Teil der Neubauten als Sozialwohnungen und den anderen Teil im Schnitt zu einer Kaltmiete von zuletzt unter zehn Euro je Quadratmeter anbieten.