Im Schlaf nach Schweden: Neuer Nachtzug von Berlin nach Stockholm

Die Renaissance dieses Verkehrsmittels setzt sich fort. Im Frühjahr startet eine weitere Direktverbindung zwischen der deutschen und der schwedischen Hauptstadt.

Ein Nachtzug des schwedischen Unternehmens SJ.
Ein Nachtzug des schwedischen Unternehmens SJ.Statens Järnvägar

Klimafreundlich von Berlin durch Europa reisen: Dafür gibt es bald ein zusätzliches Angebot. Das schwedische Bahnunternehmen Statens Järnvägar, kurz SJ, wird den Nachtzug Stockholm–Hamburg von diesem Frühjahr an in die deutsche Hauptstadt verlängern. „Ab dem 31. März 2023 wird der SJ EuroNight die Strecke nach Berlin erweitern“, gab das Unternehmen vor kurzem bekannt. Mit der neuen Direktverbindung bekommen die Fernreisenden zwischen Berlin und Schweden eine weitere Alternative zum Flugzeug geboten. Die bahnaffinen Kunden haben damit eine Auswahl: Denn ein anderes Unternehmen, Snälltåget, betreibt auf dieser Route schon einen Nachtzug. Snälltåget äußerte sich allerdings kritisch zu der Subventionierung des Mitbewerbers.

Vor wenigen Tagen hatte sich SJ noch zurückhaltend gezeigt. Er könne zwar bestätigen, dass es geplant sei, den Zuglauf über Hamburg hinaus nach Berlin zu verlängern, sagte ein Sprecher der Berliner Zeitung. „Wichtig ist aber, dass wir noch keine endgültige Entscheidung getroffen haben“, betonte er. Preise und andere Einzelheiten wollte das Unternehmen noch nicht mitteilen. Es bestätigte jedoch, dass die Züge aus jeweils zwei Schlafwagen, zwei Liegewagen und einem Sitzwagen bestehen werden. Und er teilte mit: „Unser Plan ist es, täglich zu fahren – wenn wir mit unserem Plan fortfahren.“

Am Mittwoch wurde in einer Pressemitteilung, in der ein von SJ beauftragtes PR-Unternehmen zu einer Veranstaltung im Bahnhof Hamburg-Altona einlud, die Erweiterung nach Berlin offiziell bestätigt. In den Internetfahrplänen des schwedischen Betreibers und der Deutschen Bahn (DB) sind bereits erste Daten zu lesen.

Hin zum Hauptbahnhof, zurück ab Gesundbrunnen

Danach soll die erste Fahrt auf der neuen Verbindung am 31. März um 17.34 Uhr in Stockholm Central beginnen. Geplant ist, dass der EN 345 den Berliner Hauptbahnhof um 9 Uhr erreicht. Dort soll die Premierentour des EN 346 am 1. April um 17.57 Uhr starten, mit einer Ankunft um 9.55 Uhr in Stockholm. Danach sieht der Fahrplan allerdings vor, dass die Rückfahrt nach Schweden von einem anderen Bahnhof in der Hauptstadt startet: um 18.37 Uhr in Gesundbrunnen.

Das hat damit zu tun, dass die Stadtbahn, an der sich der Hauptbahnhof befindet, überlastet ist. Umgekehrt war es aber nicht möglich, den Zug auch am Gesundbrunnen ankommen zu lassen. „Der gewünschte Slot steht leider nicht zur Verfügung“, sagte ein Planer. Allerdings bemühen sich die Verantwortlichen, für das Fahrplanjahr 2024 in Berlin eine einheitliche Lösung hinzubekommen, um es den Fahrgästen möglichst einfach zu machen. Der private Anbieter RDC betreibt den Nachtzug im Auftrag der Schweden.

Auf einem Umweg von Hamburg nach Berlin

Probleme mit der Verfügbarkeit von Trassen führen auch dazu, dass der Nachtzug zwischen Hamburg und Berlin eine ungewöhnliche Route nimmt. Zunächst geht es nach Wittenberge, dann aber biegt der Zug nach Stendal ab und fährt auf diesem Umweg nach Berlin. So kommt es, dass er ab Hamburg länger als die direkten Fernzüge unterwegs ist. Auch die nächtlichen Sperrungen der Rendsburger Hochbrücke, die am Wochenende eine wichtige Strecke in Schleswig-Holstein unterbrechen, wirken sich auf den Fahrplan des Nachtzugs aus. An den betroffenen Tagen trifft der EN erst um 12 Uhr in Berlin ein.

Zwischen Stockholm und Hamburg ist der SJ-Nachtzug bereits seit Anfang September 2022 unterwegs – zunächst mit weniger Wagen als geplant, weil Genehmigungsfragen mit den dänischen Behörden zu klären waren. Der offizielle Start wird erst am 20. Februar 2023 in Hamburg-Altona gefeiert. Auf dem Bahnhof wollen Per Thöresson, Schwedens Botschafter in Deutschland, und Anjes Tjarks (Grüne), Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende, gegen 20.45 Uhr ein Band durchschneiden.

Auftraggeber der Nachtzugverbindung ist das schwedische Trafikverket, das staatliche Zentralamt für Verkehrsinfrastruktur. Schweden unterstützt den Ausbau des Zugangebots durch staatliche Förderungen, auch um das Land bis 2045 in die Klimaneutralität zu führen. SJ hatte zunächst gezögert, dann aber an der Ausschreibung der neuen Verbindung teilgenommen. Dem Vernehmen nach nahm der private Mitbewerber Snälltåget, der bereits während der Saison zwischen Stockholm, Hamburg und Berlin über Nacht unterwegs ist, nicht an diesem Verfahren teil.

Snälltåget bestätigte der Berliner Zeitung, dass das Unternehmen seinen Nachtzug zwischen Stockholm und Berlin auch in diesem Jahr wieder anbieten wird. „Ja, wir starten am 31. März von Berlin und fahren bis zum 5. November an sechs Tagen in der Woche“, teilte Sprecher Marco Andersson in Malmö mit. Danach werde es einzelne Fahrten um Weihnachten und Neujahr geben – zum Beispiel, damit Schweden deutsche Weihnachtsmärkte besuchen können. „Wir würden gerne an allen Tagen in der Woche fahren, aber das Problem sind Gleisarbeiten auf der Rendsburger Hochbrücke in den Nächten zu Sonntag zwischen 23 und 7 Uhr, was die Reisezeiten verlängert.“ 

Im Sommer oft wochenlang im Voraus ausgebucht

Wie berichtet war dieser Nachtzug, der auch in die dänische Hauptstadtregion und nach Malmö gute Verbindungen herstellt, wie andere Verbindungen dieser Art bislang gut ausgelastet. Die Zahl der Fahrgäste ist im vergangenen Jahr gestiegen, so Andersson. „In der Hochsaison im Sommer ist unser Zug wochenlang im Voraus ausgebucht.“

Willkommen an Bord. Ein Blick in ein Liegewagenabteil im Nachtzug Snälltaget Berlin–Stockholm.
Willkommen an Bord. Ein Blick in ein Liegewagenabteil im Nachtzug Snälltaget Berlin–Stockholm.Snälltaget

Im Sommer sei so viel Nachfrage zu erwarten, dass zwei Nachtzugverbindungen zwischen Schweden und Deutschland nebeneinander existieren können, schätzt man bei Snälltåget ein. „Doch im Frühjahr und Herbst wird es zu viel Kapazität geben.“ Beim neuen Mitbewerber SJ sieht man das anders. „Es gibt ein großes Interesse an Reisen zwischen Schweden und Deutschland“, so das Unternehmen.

Snälltåget habe nichts gegen Wettbewerb, entgegnete Marco Andersson. Doch in diesem Fall sei er nicht fair. SJ werde vom schwedischen und dänischen Staat subventioniert, Snälltåget kann nur auf Ticketeinnahmen zurückgreifen. Die Debatte um den Nachtzug habe einige wichtige Themen ans Licht gebracht. Die Frage lautet: „Sollten Steuergelder verwendet werden, um mit kommerziellen Unternehmen zu konkurrieren? Nein, natürlich nicht. Das kommt einer staatlichen Beihilfe des Staates für das eigene Unternehmen sehr nahe.“


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