Im Schlosspark Babelsberg wurden die neuen Wasserspiele eröffnet

Potsdam - Es herrscht wirklich Kaiserwetter in Potsdam. Der Himmel über dem Park Babelsberg ist am Dienstagvormittag strahlend blau, die Sonne scheint und wird nur von ein paar kleinen dicken Wölkchen bedeckt. Das passt durchaus zum Termin, denn mit einem Fest wird am Schloss die Wiederinbetriebnahme der alten Wasserspiele im Park gefeiert. Die wurden größtenteils 1918 abgeschaltet – nach dem Sturz des Kaisers.

40 Meter hohe Fontäne

Oben, von der frisch sanierten und bepflanzten Schlossterrasse, geht der Blick über den Park, den einst der geniale Landschaftsarchitekt Fürst Pückler schuf. Der Blick fällt nicht nur auf die Glienicker Brücke, die im Kalten Krieg Ost und West trennte und verband, er fällt auch auf einen Geysir in der Havel, dessen Fontäne beachtlich 40 Meter hoch schießt. So wie einst, als die Herrscher auch darum wetteiferten, wessen Fontäne die höchste ist.

„Was für ein Tag für Babelsberg“, sagt Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. „Eine der größten europäischen Schloss- und Parkanlagen des 19. Jahrhunderts ist wieder da.“

Die im englischen Tudorstil errichtete Sommerresidenz von Wilhelm I. strahlt. Die gelben Ziegel, vor einigen Jahren noch schmuddelig und blass, wurden mit Laser gereinigt. „Das kostet pro Quadratmeter etwa 200 Euro“, erzählt Max Daiber, der Architektur-Projektleiter bei der Stiftung. Die Fassade und die Fenster des Schlosses wurden für 9,7 Millionen Euro saniert. Dann folgte die Sanierung der Schlossterrassen, von Teilen der Parkanlage und die Instandsetzung des alten, zehn Kilometer langen Brauchwassernetzes – Kosten: 5,9 Millionen Euro. Dies sei nur möglich gewesen, durch das Sonderinvestitionsprogramm des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg, sagt Dorgerloh.

Diese drei stellen für dringende Sanierungen von 2008 bis 2017 insgesamt 155 Millionen Euro bereit. „Das Programm ist ein voller Erfolg“, sagt Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin der Bundesregierung. Derzeit werde über ein zweites Sanierungspaket verhandelt, das dieses Mal etwa 200 Millionen Euro umfassen und auf 15 Jahre angelegt sein soll. Der Bund übernimmt die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte teilen sich Brandenburg und Berlin. Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt sagt: „Unser Anteil steht. Der Landtag muss dem nun noch abschließend zustimmen.“

Der Babelsberger Park ist der wohl interessanteste in Potsdam. Sanssouci und der Neue Garten sind größer und prachtvoller, aber die in Babelsberg von Pückler gestaltete Landschaft mit seinen Hügeln und Wasserfällen ist schon einmalig.

Außerdem fällt hier auch immer der Blick auf die jüngere Geschichte, die der deutsch-deutschen Teilung. Denn im Park verlief bis 1989 der Grenzzaun zum Westen. Hier starben neun DDR-Bürger beim Versuch, in den Westen zu gelangen. Noch heute ist vom Schloss aus genau zu erkennen, dass dieses Land einst geteilt war: Jene Hälfte der Glienicker Brücke, die einst zur DDR gehörte, ist noch immer in einem helleren Grün gestrichen als der West-Berliner Teil der Brücke.

Flussbett freigelegt

Was bei der Sanierung der Wasserspiele geschaffen wurde, zeigt sich unweit des Schlosses. Dort, wo vor einigen Jahren nur eine Wiese war, schießt nun eine kleine Fontäne etwa einen halben Meter aus der Erde. Das Wasser wird auf der Wiese zu einem Bach, der sich den Hügel herunterschlängelt. Dann kommt eine recht steile Kante: der „Wilhelms-Wasserfall“ – immerhin sieben Meter hoch. Pückler ließ die Natursteine einst so verlegen, dass sie wie ein echtes Flussbett aussahen. Das war völlig verschüttet und wurde wieder freigelegt.

Insgesamt gibt es im Park ein Dutzend solcher Wasserspiele, die bereits saniert sind. Aber weitere fünf Seen, Becken, Bäche und Wasserfälle sollen bald folgen.