Imagekampagne des Bezirks: Marzahn-Hellersdorf erobert das Zentrum

Als Randbezirk muss man immer etwas mehr auf den Putz hauen, um die Menschen an den Stadtrand zu locken. Das sagt Christian Gräff (CDU), der Stadtrat für Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf. Und er hat jetzt einen Coup gelandet. Denn sein Randbezirk ist quasi in der Mitte Berlins angekommen – genauer gesagt, in den Potsdamer Platz Arkaden. Dort präsentiert er sich bis zum 25. Mai in der Einkaufsmall, um für sich zu werben und vielleicht demnächst mehr internationales Publikum für einen Besuch des östlichen Berliner Stadtrands zu begeistern. Es ist das erste Mal in Berlin, dass ein Bezirk sich in dieser Art mit vielen Informationen und Mitmachaktionen in der City zeigt.

Stigma Großsiedlung

Denn trotz aller Imagekampagnen, Modernisierungen und Neugestaltungen wird mit Marzahn-Hellersdorf immer noch der graue DDR-Plattenbaubezirk verbunden – ein Stigma, das nur schwer aus den Köpfen herauszubekommen ist. Und schon seit Jahren nicht stimmt.

Die Häuser in der Großsiedlung mit rund 170.000 Bewohnern sind längst saniert. Und weitere 80.000 Menschen leben in Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf: „Es ist das größte zusammenhängende Ein- und Zwei-Familien-Hausgebiet in Deutschland“, sagt Melanie Bähr, Geschäftsführerin von Berlin Partner. Marzahn-Hellersdorf verfüge schon jetzt über 18.500 Unternehmen und sei ein Bezirk im Wandel. Im positiven Sinne, versteht sich.

Und das zeigt der Bezirk auf den Infotafeln in den Arkaden und auf der Bühne: Die Gesundheitswirtschaft ist vertreten mit dem renommierten Unfallkrankenhaus Berlin, auch die DB Systel GmbH stellt sich vor, die das deutschlandweit größte Rechenzentrum der Deutschen Bahn betreibt. Der Hochseilgarten Bergwerk hat sogar einen Mini-Kletterparcours aufgebaut.

Seit etwa drei Jahren läuft die Imagekampagne, sagt Gräff. 500.000 Euro haben Europäische Union und der Bund dafür gegeben. Die Potsdamer Platz Arkaden haben die Flächen kostenfrei bereitgestellt.

Der Bezirk legt bei seiner Image-Schau nicht nur Wert darauf, sich als attraktives Wohngebiet mit viel Grün wie dem Wuhletal darzustellen, sondern auch als dynamischen Wirtschaftsstandort. Unternehmen wie Coca-Cola, Knorr-Bremse, Inventux sowie die BSR sind etwa im Industrie- und Gewerbegebiet Eastside ansässig. Laut Gräff punktet Marzahn dort außer mit einem scheinbar endlosen Flächenangebot auch mit günstigeren Grundstückspreisen im Vergleich zu Adlershof und dem BER.

Für weitere 17 Grundstücke wird schon über einen Verkauf verhandelt. Zudem eröffnet im Frühjahr 2015 der CleanTech Business Park, ein Industriepark vorrangig für Firmen rings um erneuerbare Energien.

Touristen ansprechen

Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Visit Berlin, findet, dass Marzahn-Hellersdorf „schwer im Kommen ist“. Hauptattraktion seien natürlich die Gärten der Welt und künftig die Internationale Gartenausstellung 2017. „Von den 13 Milliarden Euro Wertschöpfung, die der Tourismus in Berlin bringt, sollen künftig auch die Bezirke am Stadtrand partizipieren.“

Damit sich die Touristen die Füße nicht nur am Checkpoint Charlie platt stehen, arbeite man mit den Bezirken zusammen, so dass sie ihre geheimen Schätze bergen können und in der Kampagne Kiez erleben darstellen, so Kieker.

Ansprechen will man damit Touristen, die ein zweites, drittes Mal nach Berlin kommen. In Marzahn-Hellersdorf kann man laut Kieker außer dem Thema Trabantenstadt sehr gut zeigen, wie sich Berlin rings um die alten Ortskerne entwickelt hat. In Köpenick gibt es die Altstadt und das Thema Wasser. In Spandau die Zitadelle, in Steglitz-Zehlendorf die Seenlandschaft, Villen und Shopping. „Und in Pankow zum Beispiel wollen die Leute sehen, wo Castro im Schloss übernachtet und wo Ulbricht im Majakowskiring gewohnt hat“, sagt Kieker. „Touristen suchen authentische Orte.“