Auf den Außenwänden ein Alpenpanorama, vor der Tür Holztische mit Austria-Miniaturwelten und überall ein paar rot-weiß-rote Streifen: Fertig ist der Imbiss mit dem etwas sperrigen Namen Mutzenbacher Esskultur am Berg. Es ist nach Angaben der Inhaber „Berlins erster österreichischer Würstlstand“. Mindestens so wichtig ist der Standort: Am U-Bahnhof Eberswalder Straße, gegenüber von Konnopke’s. Ein Interview mit Betreiber Marcel Schnabel über belebende Konkurrenz, österreichischen Trash, Berliner Chic und die „Eitrige“.

Herr Schnabel, Sie haben vor ein paar Wochen Ihren Würstlstand in direkter Nachbarschaft zur Institution Konnopke’s eröffnet. Sind Sie größenwahnsinnig oder lebensmüde?

Weder, noch. Aber es stimmt schon: Und wir sind genau 30 Meter Luftlinie von Konnopke’s entfernt, und wir brechen ganz bewusst einen Streit vom Zaun. Wir stellen die Currywurst in Frage. Wir sagen den Leuten: Kommt her und testet!

Testet was?

Unsere original österreichischen Imbiss-Spezialitäten. Vor allem natürlich Wurst. Die Bosna (der Österreicher sagt Booosna, mit ganz langem O, die Red.) zum Beispiel. Das ist sowas wie die österreichische Currywurst. Die hat mal ein ungarischer Bulgare oder so in Österreich eingeführt. Das sind gegrillte Schweinswürste in einem langen Brötchen, scharf gewürzt – gerne auch mit Curry –, sehr lecker. Oder zum Beispiel „Die Eitrige“…

Wie bitte?

Das ist eine Käsekrainer, eine Brühwurst mit Käsestückchen, die in der Hitze zerlaufen. So kommt der Name zustande. Gibt’s an jedem Wiener Würstlstand, also auch bei uns. Außerdem natürlich Leberkaassemmeln, Spinatknöderl und solche Sachen. Außerdem haben wir einen veganen Alpenburger. Schließlich steht der Stand in Prenzlauer Berg.

Herr Schnabel, Sie rattern hier die österreichischen Speisen runter, dabei klingt Ihr Akzent berlinisch. Wissen Sie überhaupt, was Sie da tun?

Ja, das weiß ich wohl. Aber es stimmt: Ich bin Berliner, Ost-Berliner, von Beruf Eventmanager. Fürs Kulinarische ist mein Geschäftspartner zuständig, Franz Josef Steiner aus Kitzbühel. Der ist DJ auf Ibiza gewesen und hat immer schon gekocht. Später ist er dann Profi geworden, hat mit Leuten wie Witzigmann und Kleeberg gearbeitet. Wir sind also der Ossi und der Ösi.

Klingt wie ein eingespieltes Team.

Sind wir ja auch. Wir haben vor zwei Jahren an der Libauer Straße im Bezirk den ersten gemeinsamen Laden eröffnet. Das sollte eigentlich auch ein Imbiss werden. Aber wir waren zu gut. Die Leute sind zu lange sitzen geblieben. Also haben wir ein Restaurant daraus gemacht. Es heißt Mutzenbacher, ist aber auch als Schnitzelpuff bekannt.

Mutzenbacher? Schnitzelpuff?? Mit dem Erotikthema spielen Sie ja weiterhin. Überall klebt hier eine nur mit einem Hütchen bekleidete Scherenschnitt-Dame vor einem rot-weiß-roten Hintergrund.

Das ist unser Logo. Das ganze ist ein Spiel mit österreichischen Klischees, auch das Alpenpanorama an den Wänden oder die Miniaturwelten in den Tischen vor der Tür. In der Themenzeile des Restaurants steht „Tradition, Trash, Trompeten“. Das gilt auch für den Imbiss. Trompeten bedeutet zum Beispiel, dass Franz Josefs Vater mit seiner Band „Die 3 lustigen Vier“ aus Kitzbühel ab und an vorbeikommt und spielt. Wir wollen, dass immer mal was los ist. Bei uns gibt’s ja auch Champagner. Die Flasche Veuve Cliquot kostet 180 Euro, zum Vorglühen. Mal gucken, freitags und samstags wollen wir bis nachts um 3 offen haben.

Nun geht es in der Gastronomie aber ja nicht nur um Event. Gut muss es schon auch sein.

Ja wir achten ja auch auf die Auswahl der Produkte. Gut müssen sie sein, und original österreichisch. So haben wir einen österreichischen Bäcker in Berlin gefunden, der uns Brot und Brötchen liefert. Auch der Metzger ist natürlich Österreicher. Das muss alles topp sein, ist aber nicht zu teuer. Die Speisen kosten zwischen 2,30 Euro für die Leberkaassemmel und 4,30 Euro für den veganen Alpenburger.

Das Interview führte Elmar Schütze.