Berlin - Hans-Peter J. aus Weißensee hat sich ein Ende März ein nagelneues Elektrofahrrad gekauft. 2100 Euro hat er dafür im Geschäft bezahlt. Zu Pfingsten wollte er, zusammen mit Freunden, an der Mosel entlang fahren. Zu Ostern sollte dafür an der Oder geübt werden. Daraus wird aber nichts. Sein Fahrrad wurde gestohlen. Aus dem Keller.

J. hat Anzeige erstattet. Die Polizei gibt ihm wenig Hoffnung, es wieder zu bekommen. Hans-Peter J. hofft nun, dass wenigstens seine Versicherung zahlt. Sie hat sich jedoch noch nicht bei ihm gemeldet.

Drei Minuten für ein Schloss

Der 50-Jährige gehört zu den Opfern von Kleinkriminellen, die schnell Geld brauchen und deshalb Spontaneinbrüche begehen, oder zu den Opfern von straff organisierten Banden, die seit Jahren auf Bestellung von „Kunden“ Räder stehlen. In diesen Wochen ist der Bedarf riesengroß, wissen Polizisten.

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist kontinuierlich gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden 30.758 Fälle von der Polizei registriert. Das sind 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Noch nie war die Zahl der Fälle so hoch wie im vergangenen Jahr. Auch 2015 rechnet die Polizei nicht mit einem Rückgang. Die Aufklärungsquote blieb mit vier Prozent gleich.

Fahrradausflüge gehören mittlerweile zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten in ganz Europa. Und nirgendwo anders als in Deutschland gibt es auf dem Kontinent so eine große Auswahl an Rädern. Und mit den teuren sogenannten E-Bikes sind auch europaweit neue Begehrlichkeiten gewachsen.

Es sei mehr oder weniger Zufall, Fahrraddiebe zu fassen, sagen Ermittler. So war es auch am Gründonnerstag, als erfahrene Bundespolizisten auf der Autobahn 12 kurz vor Frankfurt (Oder) einen Transporter stoppten, auf den 17 hochwertige Räder verstaut waren. Eines davon war laut Codierung 2013 gestohlen worden. Zwei weitere Räder waren in Bremen sowie in Quedlinburg im Harz als gestohlen gemeldet. Vier Polen saßen im Transporter, die vermutlich die Räder auf Bestellung stahlen. Gewerbe wie Fahrradvermietungen werden auch im Nachbarland immer beliebter.

Solche Delikte seien vor allem zu verhindern, indem das Rad vom Besitzer codiert und damit bei der Polizei registriert oder mit Hilfe eines sicheren Schlosses gesichert wird, sagen Ermittler. „Diebe haben keine Zeit. Brauchen sie für das Knacken eines Schlosses mehr als drei Minuten, dann wenden sie sich ab und suchen sich ein neues Rad, das sich schneller stehlen lässt“, sagt ein Fahnder. Er rät dazu, sich in Fachläden über geeignete Schlösser zu informieren. Fahrradverkäufer etwa schwören auf Bügelschlösser. Diese böten den besten Schutz, sagen Händler. Ihre massiven Stahlrohre sind mit Sägen und Bolzenschneider nicht in drei Minuten zu überwinden. Und nur in seltenen Fällen tragen die Diebe Akkuschleifer mit sich herum.

Die Polizei setzt weiter auf Prävention und auf Veranstaltungen, bei denen Räder codiert werden. Die Registrierung ist kostenlos. Lediglich der Einkaufsbeleg sowie der Personalausweis müssen vorgezeigt werden. Die Termine sind auf den Internetseiten der Polizei veröffentlicht. Seit langem ist bekannt, dass viele Fahrräder an Bahnhöfen abhanden kommen. Nach einer Statistik der Innenverwaltung, die im vergangenen Jahr veröffentlich wurde, stehen die S-Bahnhöfe Adlershof sowie Treptower Park ganz oben. An den Bahnhöfen Sonnenallee, Neukölln, Wartenberg und Westkreuz kommen dagegen kaum Räder weg.