Polizisten im Einsatz beim Fußballspiel: Der Beruf macht krank.
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BerlinAls am vergangenen Donnerstag der US-Außenminister zu Besuch in Berlin war, hatte die Polizei mit dessen Schutz viel zu tun. Für den Diplomaten gilt die höchste Sicherheitsstufe. Doch anstatt sich um Mike Pompeo kümmern zu können, wurden Bereitschaftspolizisten für den Abend abkommandiert, um Wache zu stehen vor den Botschaften der USA, Großbritanniens und Brasiliens. So steht es in einer internen Anweisung, die der Berliner Zeitung vorliegt. 

Die Berliner Zeitung hatte am Donnerstag exklusiv über eine Gesundheitsstudie der Freien Universität berichtet, wonach viele Beamte unter Burnout oder Depressionen leiden. Die interne Weisung wirft ein Schlaglicht darauf, wie es um den Gesundheitszustand von Polizisten und Feuerwehrleuten bestellt ist. Immer mehr Mitarbeiter lassen sich krank schreiben.

Der Objektschutz vor Botschaften und anderen gefährdeten Einrichtungen ist eigentlich Sache des Zentralen Objektschutzes (ZOS) der Polizei. Die Mitarbeiter sind keine Vollzugsbeamten sondern Angestellte, die nicht die vollen Rechte haben wie Beamte. Doch wie bei den Vollzugsbeamten ist auch bei den etwa 1 500 Objektschützern der Krankenstand hoch. Er liegt bei etwa 15 Prozent. „Aufgrund zusätzlicher Objektschutzmaßnahmen an den Botschaften Kamerun und Brasilien, den Wohnsitzen zweier Schutzpersonen und dem an diesem Tage vorliegenden Kräftefehlstandes durch erkrankte Mitarbeiter des ZOS muss der ZOS Unterstützungskräfte anfordern“, heißt es in der internen Anweisung.

Höchster Krankenstand im Vergleich zu anderen

„Spätestens jetzt sollte jedem Politiker in unserer Stadt klar sein, dass der Personalkörper des Zentralen Objektschutzes nicht ausreicht, um alle hauptstadtbedingten Aufgaben wahrnehmen zu können“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro, auf Anfrage. Es könne nicht sein, dass Polizeibeamte als Lückenfüller vor eine Botschaft gestellt würden.

In allen Sicherheitsbehörden Berlins ist der Krankenstand hoch. Bei den Vollzugsbediensteten, Objektschützern und anderen Angestellten der Polizei lag die Zahl der Krankheitstage je Beschäftigten im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 49,5 Tagen. Das war ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zu 2016, obwohl mehrere Hundert junge Nachwuchspolizisten eingestellt wurden. Dies geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Senatsfinanzverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

Nach Angaben der Verwaltung lag bei der die Zahl der Krankheitstage sogar bei 60,6 - zwölf Prozentpunkte im Vergleich zu 2016. Das sind mit Abstand die höchsten Zahlen im Vergleich zu anderen Berliner Landesbehörden. So waren bei der Staats- und der Amtsanwaltschaft Beschäftigte im Schnitt 35 Tage krank gemeldet.

FDP-Abgeordneter: Senat gefährdet Sicherheit der Bürger

SPD-Innensenator Andreas Geisel gelinge es nicht, den Krankenstand zu senken. Stattdessen steige er immer weiter, sagte der FDP-Abgeordnete Luthe. „Es ist menschlich und personalwirtschaftlich ein Trauerspiel, wie der Senat mit der Leistungskraft der Polizei umgeht und so die Sicherheit der Bürger gefährdet.“

Dass sich viele Polizisten krank fühlten, wurde in der Gesundheitsstudie der FU unter anderem auf die Arbeitsbelastung, die krank machenden Dienstpläne und Defizite beim Gesundheitsmanagement zurückgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung würden derzeit geprüft, informierte Polizeipräsidentin Barbara Slowik ihre Mitarbeiter. Ziel sei es, aus den Handlungsempfehlungen Maßnahmen im Gesundheitsmanagement und in der Personalentwicklung zu entwickeln.