Berlin - Es vergeht kaum ein Morgen, an dem es nicht passiert. Fast täglich müssen Einfahrten zur Stadtautobahn gesperrt werden, weil zu viele Autos unterwegs sind. Das ist auch der Grund, warum die Autobahntunnel in Britz und unter dem Flughafen Tegel immer häufiger vorübergehend zugemacht werden. Zahlen des Senats zeigen, dass die Stadtautobahn öfter als früher an ihre Grenzen kommt. „Die Kapazität reicht nicht mehr“, sagt Klaus-Ulrich Hähle vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC).

„Einfahrt Antonienstraße wegen zu hoher Verkehrsbelastung gesperrt“ – das ist eine Meldung, die zu einem Berliner Alltagsmorgen gehört wie Kaffee und Toast. In der Tat führt die Zufahrt zur Anschlussstelle Eichborndamm in Reinickendorf die Statistik an: Kein Teil der Stadtautobahn muss so oft gesperrt werden, weil der Verkehr zu stark ist

Von Rekord zu Rekord

Im vergangenen Jahr gab es erneut einen Rekord: 455 Mal gingen die Ampeln auf Rot, und die Autofahrer mussten Umwege fahren. Während der ersten sechs Monate dieses Jahres war das 191 Mal der Fall – ebenfalls im Schnitt ein Mal pro Tag.

Noch stärker nahm die Zahl der Sperrungen an der Einfahrt Siemensdamm in Charlottenburg zu. Wurde sie 2012 noch 266 Mal dicht gemacht, wurden im vergangenen Jahr 355 Sperrungen gemeldet. Tendenz weiter steigend: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es 193 Unterbrechungen, so der Senat.

Dass die Einfahrt Antonienstraße so oft gesperrt wird, hat Sicherheitsgründe. Sie führt in den Tunnel unter dem Flughafen Tegel – und nach schweren Unglücken in den Alpen wird besonders darauf geachtet, dass der Verkehr nicht stockt. Stau im Tunnel ist gefährlich, bei Feuer sind die Fluchtmöglichkeiten begrenzt. Darum wird das Geschehen mit Kameras überwacht. Wird es zu voll, schaltet die Regelungszentrale die Ampeln Rot.

Immer öfter drängen so viele Autos stadteinwärts, dass auch der Tegeler Flughafentunnel zeitweise geschlossen werden muss. Musste der zweitlängste Autobahntunnel Berlins 2011 nur 96 Mal wegen hoher Belastung dicht gemacht werden, war dies im vergangenen Jahr 181 Mal der Fall, und im ersten Halbjahr dieses Jahres 105 Mal.

Mit dem BER wirds noch schlimmer

Auch der Neuköllner Tunnel, intern Tunnel Ortsteil Britz genannt, wird zunehmend oft gesperrt. 2011 führte starker Verkehr zu 18 Unterbrechungen. Im vergangenen Jahr gab es dagegen 42 und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 33 Sperrungen, teilte der Senat mit.

„Sicherheit im Tunnel geht vor“, sagt Klaus-Ulrich Hähle vom ADAC. Er sieht keine Chance, die bestehenden Autobahnen leistungsfähiger zu machen – die Bebauung ließe das nicht zu. Umso wichtiger ist es für den ADAC, dass neue Teilstücke gebaut werden. So müsse der Ring (A 100) geschlossen werden, damit sich der Verkehr besser verteilt. Doch dafür müsse sich der Senat von seiner Auffassung, dass der Autoverkehr abnimmt, verabschieden.

„Der Verkehr nimmt zu, und das wird so weitergehen“, sagt Hähle. Die Wirtschaft wächst, der Flughafen BER wird dem Neuköllner Tunnel noch mehr Andrang bescheren.

Senat sieht keine Probleme

„Die Zahlen zu den Sperrungen lassen nicht den Schluss zu, dass der Verkehr ansteigt“, entgegnet Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Staus können andere Gründe haben – außer den Tunnelregularien auch Baustellen. Zähldaten der Bundesanstalt für Straßenwesen bestätigen, dass der Verkehr auf vielen Abschnitten der Stadtautobahn 2013 erneut gesunken ist.

Es gibt aber auch andere Zahlen. So nimmt der Autobesitz in Berlin wieder zu, wie ein Bericht des Senats zeigt. Entfielen 2009 noch 324 Pkw auf tausend Einwohner, so sind es jetzt bereits 342. Die Statistik ergibt also kein einheitliches Bild. Den Autofahrern, die im Stau stehen, würde es ohnehin nicht helfen.