Die steigende Nachfrage nach neuen Immobilien in Berlin beschert der Hauptstadtregion immer neue Rekorde. Mit Stand vom 1. Juli dieses Jahres waren in Berlin und Potsdam Bauprojekte im Wert von 22,4 Milliarden Euro entweder geplant, gerade in Bau oder vor kurzem abgeschlossen worden. Das entspricht einer Steigerung um rund vier Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr, geht aus einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Bulwiengesa und der Projektentwicklungstochter des Baukonzerns Hochtief hervor, die am Dienstag präsentiert wurde.

Der Studie liegen Projekte zugrunde, die in der Zeit von 2010 bis 2017 realisiert werden sollen. Eingerechnet wurden dabei Projektentwicklungen mit einer Nutz- oder Wohnfläche von mehr als 1000 Quadratmetern. Mit einem Anteil von 21,1 Milliarden Euro entfällt der Großteil der Investitionen auf Berlin. Motor der Entwicklung ist der Wohnungsneubau, wie Bulwiengesa-Vorstandsmitglied Andreas Schulten sagte. Von den in Bau befindlichen Flächen waren in Berlin 73 Prozent Wohnungen, in Potsdam sogar 95 Prozent. Geplant sind darüber hinaus in der Region Wohnungsprojekte mit einem Volumen von 1,6 Millionen Quadratmetern – das entspricht in etwa einer Fläche von 224 Fußballfeldern. Auf Rang zwei der Projektentwicklungen folgt der Bau von Büros, dahinter rangieren Ladenflächen und Hotels.

„Der Wohnungsmarkt in Berlin und Potsdam wird in erster Linie von lokal agierenden Projektentwicklern gestaltet, die angesichts der gestiegenen Nachfrage immer größere Projekte realisieren“, sagte Gordon Gorski, Niederlassungsleiter der Hochtief-Projektentwicklung in Berlin-Brandenburg. Andreas Schulten sagte, er erwarte, dass sich der Anteil der fertiggestellten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern von aktuell 2 000 Wohnungen jährlich auf annähernd 5000 im Jahr 2016 erhöht.

Das Angebot trifft der Studie zufolge auf eine stetig hohe Nachfrage, was steigende Miet- und Kaufpreise erzeugt. Die Spitzenmiete in Berlin, das ist der Durchschnittswert des obersten Preissegments, sei kontinuierlich gestiegen. Ende 2012 habe sie bei 15,30 Euro je Quadratmeter gelegen. Die Spitzenwerte für Eigentumswohnungen beliefen sich 2012 in Berlin auf 5500 Euro je Quadratmeter, was ebenfalls ein neuer Höchststand ist. Im Durchschnitt kostete eine neue Eigentumswohnung 3 500 Euro pro Quadratmeter.

Gorski sagte, im Vergleich zu anderen Metropolen seien die Preise in Berlin moderat, selbst wenn die Einkommen als Maßstab herangezogen werden. So müssten Käufer in Berlin im Schnitt 8,3 Jahresgehälter für den Erwerb von Wohneigentum ausgeben, in München seien es 11,1 und in Frankfurt am Main 9,7 Jahresgehälter. Wegen der hohen Baukosten seien Neubauwohnungen nur zu Mieten von zehn bis zwölf Euro je Quadratmeter zu errichten. Gäbe es die Grundstücke geschenkt, fielen immer noch Mieten von acht bis neun Euro je Quadratmeter an.

Der Berliner Mieterverein (BMV) beobachtet die Entwicklung mit Sorge. BMV-Geschäftsführer Reiner Wild sagte, es fehlten in Berlin vor allem preisgünstige Wohnungen. Pro Jahr müssten 2 000 Wohnungen errichtet werden, die im Schnitt 5,50 Euro Miete je Quadratmeter kosten. Das entspricht in etwa dem Berliner Durchschnitt, der laut Mietspiegel bei 5,54 Euro je Quadratmeter (kalt) liegt. Dass es auch bezahlbare Wohnungen in guter Lage gibt, zeigt Hochtief beim Projekt Cedelia in Steglitz-Zehlendorf. Dort sind 280 Wohnungen geplant. Die Hälfte soll für unter zehn Euro je Quadratmeter vermietet werden.