Berlin - Zum Schluss waren zwei Interessenten übrig, und der Gewinner konnte sich über einen Schnäppchenkauf freuen. Bei der Zwangsversteigerung im Amtsgericht Lichtenberg ging es am Freitag um das ehemalige Gebäude der Knorr-Bremse AG in Friedrichshain. Der fast hundert Jahre alte, langgestreckte, rot geklinkerte Gebäudekomplex plus ein Neubau von 1995 an der Neuen Bahnhofstraße gingen schließlich für 15 Millionen Euro an die Holding von Nicolas Berggruen. Das Berliner Immobilienunternehmen blieb damit gut sieben Millionen Euro unter dem Verkehrswert.

Der denkmalgeschützte, zu über 60 Prozent leerstehende Klinkerbau in Friedrichshain ist der jüngste Besitz von Nicolas Berggruen und seiner Holding in Berlin. Mit weit mehr als 100 Immobilien ist das Unternehmen, das seit 2005 am Markt aktiv ist, einer der größten Hausbesitzer der Stadt. Außer in Marzahn-Hellersdorf und Spandau ist Berggruen in allen Bezirken vertreten, die meisten Häuser hat er in Friedrichshain-Kreuzberg. Der US-amerikanische Milliardär ohne festen Wohnsitz hat insgesamt rund 300 Millionen Euro ausgegeben. Zuletzt erwarb er ein Immobilien-Paket mit über tausend Wohnungen. Zu seiner Sammlung zählen auch denkmalgeschützte Gewerbehöfe und sogenannte Spezialimmobilien. „Charakterbauten“ nennt Firmensprecherin Ute Kiehn diese Häuser.

Als Karstadt-Retter bekannt geworden

Ein Charakterbau, häufig denkmalgeschützt und mit Geschichte, ist auch der Speicher an der Oberbaumbrücke in Friedrichshain. Im Jahr 1907 als Getreidespeicher errichtet, ist das Haus an der Mühlenstraße, direkt an der East Side Gallery, heute ein Party-Ort. Im Juni hat Berggruen das Gebäude einem Hamburger Privatmann abgekauft. „Dort finden nicht nur Partys statt, es gibt auch 2000 Quadratmeter Bürofläche, von denen 1200 Quadratmeter leer stehen“, sagt Ute Kiehn. Für gut eine Million Euro soll der Speicher aufgepeppt und die Büros mit Kreativen gefüllt werden.

Berggruen war in den vergangenen Jahren vor allem als Retter der insolventen Kaufhauskette Karstadt aufgetreten. Im Jahr 2010 als Heilsbringer gefeiert, hat das Retter-Image inzwischen Risse bekommen: Von September an soll bei Karstadt mit dem Abbau von 2000 Arbeitsplätzen begonnen werden.

Auch bei den Berliner Immobilien läuft nicht alles rund. Das Café Moskau, der traditionelle Party-Ort mit DDR-Historie an der Karl-Marx-Allee in Mitte, stand nach aufwendiger Sanierung häufig leer. „Seit diesem Frühjahr gibt es dort einen neuen Pächter, jetzt läuft das Geschäft gut“, so Ute Kiehn. Es fänden Hochzeiten statt und Firmenevents, zuletzt habe die Modemesse sogar Expansionswünsche geäußert. Dass das Unternehmen vor allem Gefallen an Gebäudedenkmalen findet, ist in Kreuzberg zu beobachten.

An der Köpenicker Straße hat die Holding zwei alte Speicher saniert, heute sind dort das Wohnmagazin „Exil“ und das Sage-Restaurant untergebracht. Die „Lichtfabrik“ an der Kohlfurter Straße ist ebenso gut vermietet, neben dem Künstlerhaus Bethanien arbeiten dort ein Verlag, Architekten und weitere Kreative.

Auch das Gebäudedenkmal in Friedrichshain soll saniert werden, Investitionen von 12 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Erste Gespräche mit Interessenten laufen, heißt es.