Berlin - Hier war die Herrenschuh-Abteilung.“ Brigitte S. (61) deutet mit ihren Armen einen Halbkreis an. Dort, wo inzwischen Flachbild-Fernseher, Couch und Esstisch stehen, wurden noch bis Frühjahr 2007 Männerschuhe verkauft. Und ein paar Meter weiter, wo jetzt die Nachbarin lebt, gab es Damenschuhe. Brigitte S., selbstständige Buchhalterin, wohnt in einer in Berlin bisher einmaligen Umgebung: Sie ist in ein Kaufhaus gezogen am Anton-Saefkow-Platz in Lichtenberg.

In dem früheren Konsument-Warenhaus (später Horten, danach bis zur Schließung im April 2007 Kaufhof) haben die aus Dernbach im Westerwald stammenden Investoren Lutz Lakomski und Arndt Ulrich im Erdgeschoss Läden und darüber auf drei Etagen rund 90 Wohnungen gebaut. Insgesamt 15 Millionen Euro ließen sie sich den Umbau kosten, inklusive der Neuerrichtung eines Rewe-Marktes, der im Frühjahr fertig wird, und der Anlage neuer Parkplätze.

In zehn Minuten am Alex

„StarLoft“ heißt das Projekt, jede Wohnung hat eine Raumhöhe von mehr als vier Metern. Entwickelt hat es der Berliner Immobilienspezialist Thomas Du Chesne, der unter anderem im Kreuzberger Viktoria-Quartier tätig war. Ursprünglich hatten die Investoren auch in den oberen drei Etagen eine Handelsnutzung geplant, Saturn oder Media-Markt. „Ich konnte sie vom Wohnen überzeugen“, sagt Du Chesne.

Weil das Wohnen in der Berliner Innenstadt immer teurer werde, sei Lichtenberg für viele eine gute Alternative – „da entwickelt sich ein Trend“. Die Investoren Lakomski und Ulrich haben inzwischen auch in Alt-Hohenschönhausen eine ehemalige Zuckerwarenfabrik zur Wohnanlage umgebaut – und sie planen in den nächsten Jahren weitere tausend Wohnungen im Bezirk.

Ein guter Grund dafür ist sicher auch die Tatsache, dass ihre Kaufhaus-Wohnungen weggingen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Im Oktober wurden die Wohnungen fertiggestellt, sie waren sofort vollständig vermietet. Der Andrang war so groß, dass sich die Investoren die Mieter aussuchen konnten. „Dabei waren wir anfangs sogar etwas skeptisch bei dem Projekt“, sagt der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD).