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In Berlin sind im vergangenen Jahr so viele Immobilien-Transaktionen abgeschlossen worden wie noch nie zuvor seit der Wiedervereinigung. In insgesamt 32.672 Fällen wechselten Grundstücke, Häuser und Eigentumswohnungen die Besitzer. Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht 2011/2012 hervor, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte jetzt veröffentlicht hat.

„Wer die Möglichkeit hat, kauft eine Immobilie, um sein Geld sicher anzulegen“, sagt Thomas Sandner, Geschäftsstellenleiter des Ausschusses, der bei der Stadtentwicklungsverwaltung angesiedelt ist. Das Gremium wertet für seinen Bericht die abgeschlossenen Kaufverträge für Immobilien aus und ermittelt auf Basis der Kaufpreise die sogenannten Bodenrichtwerte – sie geben den Wert eines Grundstücks je nach Lage an. Daran können sich Kaufinteressenten orientieren, um den Wert einer Immobilie abzuschätzen.

Distanz zur Nachbarschaft

Bei den Verkäufen im vergangenen Jahr wechselten in Berlin Immobilien im Wert von rund 11,12 Milliarden Euro den Besitzer. Das entspricht einem Umsatzplus von 28 Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Besonders beliebt bei Anlegern sind Eigentumswohnungen. Deren Preise sind leicht gestiegen: Kostete eine Eigentumswohnung in Berlin 2010 noch 1653 Euro pro Quadratmeter, mussten Käufer 2011 bereits 1757 Euro zahlen.

Wer ein Eigenheim erwirbt, will meist Distanz zur Nachbarschaft halten. Bei mehr als jedem zweiten Eigenheim, das im vergangenen Jahr verkauft wurde, handelte es sich um ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus. Im Schnitt kosteten diese Häuser im vergangenen Jahr 291.000 Euro. Im Jahr 2010 lag der Preis noch bei 284.000 Euro.

Der durchschnittliche Preis für Doppelhaushälften zog ebenfalls an: Kosteten sie im Jahr 2010 im Schnitt noch 246.000 Euro, so waren es im vergangenen Jahr schon 261.000 Euro. Reihenhäuser verteuerten sich um 12.000 auf 243.000 Euro.

Preissprung am Flughafen

Beim Bauland verzeichnete der Gutachterausschuss im vergangenen Jahr einen moderaten Preisanstieg. Im Ortsteil Grunewald, südlich der Hagenstraße, stieg der Bodenrichtwert von 740 Euro je Quadratmeter zum 1. Januar 2012 auf 780 Euro. Westlich des stillgelegten Flughafens Tempelhof, im Wohngebiet an der Manfred-von-Richthofen-Straße, war dagegen ein kräftiger Preissprung zu verzeichnen: Hier zog der Bodenrichtwert von 300 auf 380 Euro an – das entspricht einem Plus von 27 Prozent. Im Südosten ist das Preisniveau im Wesentlichen stabil geblieben.

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Besonders gefragt waren allerdings Baugrundstücke in den Ortsteilen Adlershof, Altglienicke, Köpenick und Johannisthal. Hier stiegen die Preise laut Gutachterausschuss um 15 bis 40 Prozent. Im Nordosten und Nordwesten der Stadt blieben die Bodenrichtwerte ebenfalls weitgehend stabil. Nur in einigen Ortslagen wie in Hermsdorf, Tegel und Französisch-Buchholz stieg der Bodenrichtwert um fünf bis zehn Prozent.

Eine interessante Entwicklung gibt es in der City: Während der Bodenrichtwert am Potsdamer Platz von 6 800 Euro auf 7500 Euro je Quadratmeter stieg, sank er am Hauptbahnhof von 5000 auf 4000 Euro. Der Grund: Die Erwartungen an den Standort haben sich nicht erfüllt. Es gibt zu viele Billighotels.