Berlin - Die landeseigenen Wohnungsunternehmen sollen nach Plänen der Berliner Immobilien Holding (BIH) rund 21 000 Wohnungen aus den Risikofonds der früheren Bankgesellschaft kaufen. Das ist Teil eines Plans für eine geschäftliche Neuorientierung der BIH, wie die Senatsverwaltung für Finanzen am Montag bestätigte. Wie viel Geld die Wohnungsunternehmen für die BIH-Wohnungen zahlen müssen, sei noch nicht geklärt, sagte der Sprecher der Finanzbehörde.

Die Berliner Immobilien Holding besitzt den Großteil der Anteile an den 29 Immobilienfonds, durch die die frühere Bankgesellschaft 2001 in wirtschaftliche Schieflage geraten war. Bei den Immobilien handelt es sich um Geschäfts-, Büro- und Wohnhäuser in Berlin und im übrigen Bundesgebiet. Für sie waren Mietgarantien gegeben worden, die nicht einzuhalten waren. Das Land Berlin musste in der Folge eine Risikoabschirmung in Höhe von 21,3 Milliarden Euro für die Fondsgeschäfte übernehmen. Gekostet hat das Land Berlin der Bankenskandal bisher mehr als vier Milliarden Euro. Ein Teil des Betrages floss in den Rückkauf von Fondsanteilen durch das Land Berlin. Denn die Hauptstadt versucht, alle Anteile aufzukaufen, um allein über den Umgang mit den Immobilien entscheiden zu können.

Die rund 21 000 Wohnungen der BIH, darunter 7 000 möblierte Apartments, liegen in allen Bezirken der Stadt. Die meisten gibt es mit 5 835 in Marzahn-Hellersdorf, die wenigsten mit 194 in Friedrichshain-Kreuzberg. Welchen Wert die Wohnungen haben, war am Montag nicht zu erfahren. Unbelastet dürften sie sicher mehrere hundert Millionen Euro kosten. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagte am Montag, dass ein Ankauf der BIH-Wohnungen vom Preis und vom Zustand der Wohnungen abhängig ist. „Ich bin dagegen, den Gesellschaften einfach etwas aufzudrücken“, stellte Müller klar. „Wir müssen es von der Vermietbarkeit abhängig machen.“ Die landeseigenen Gesellschaften, die derzeit rund 275 000 Wohnungen besitzen, sind noch immer mit rund sieben Milliarden Euro Schulden belastet. Ziel der Koalition von SPD und CDU ist es, die Zahl der Wohnungen im Landesbesitz in dieser Legislaturperiode von 270 000 auf 300 000 zu erhöhen. Rund 5 000 Wohnungen haben die Unternehmen bereits zu Jahresbeginn erworben.

Der Sprecher der sechs landeseigenen Unternehmen, Gesobau-Chef Jörg Franzen, sagte am Montag, die städtischen Gesellschaften nähmen den Auftrag, Wohnungen zu kaufen ernst. Dazu könne der Erwerb der BIH-Wohnungen gehören, wenn dieser wirtschaftlich sei. (ulp.)