Berlin - Wer sich im vergangenen Jahr eine Eigentumswohnung oder ein Eigenheim in Berlin gekauft hat, musste dafür deutlich mehr bezahlen als im Jahr zuvor. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen im Schnitt von rund 150.000 auf 165.000 Euro, Eigenheime verteuerten sich von 310.000 auf 335.000 Euro. Das geht aus den vorläufigen Zahlen des Gutachterausschusses für Grundstückswerte zu den Verkäufen auf dem Berliner Immobilienmarkt im Jahr 2013 hervor.

Der Gutachterausschuss ist ein Gremium mit rund 50 Experten, das über alle Immobilienverkäufe informiert wird. Die jetzt veröffentlichten Angaben basieren auf den Daten der notariell beurkundeten Immobilienverkäufe mit Stand vom 28. Januar 2014. Da einige Verkäufe erst später gemeldet werden, ist mit den endgültigen Zahlen etwa in der Jahresmitte zu rechnen.

Fest steht aber schon jetzt, dass im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Häusern, Wohnungen und Grundstücken einer der höchsten Umsätze seit der Wiedervereinigung erzielt wurde. Nach den jetzt vorgelegten Zahlen wechselten im Jahr 2013 Immobilien im Wert von knapp 13,9 Milliarden Euro den Besitzer. Zum Vergleich: 2012 waren Immobilien-Transaktionen im Wert von 12,4 Milliarden Euro abgeschlossen worden. Nur in den Jahren 2006 und 2007 lagen die Umsätze mit jeweils mehr als 14 Milliarden Euro noch höher.

Gut möglich, dass die Umsatzmarke von 14 Milliarden für das abgelaufene Jahr noch überschritten wird. Denn wegen der Erhöhung der Grunderwerbssteuer von fünf auf sechs Prozent zum 1. Januar 2014 haben laut Gutachterausschuss „viele Kaufinteressenten noch kurz vor Jahresende ihre Kaufverträge abgeschlossen“. Diese Verträge hätten zum Stichtag noch nicht vollständig vorgelegen, darunter insbesondere solche für Eigentumswohnungen.

Im vergangenen Jahr wurden rund 32.000 Immobilien-Kaufverträge abgeschlossen. Das ist ein Spitzenwert im langjährigen Vergleich. „Die Flucht in die Sachwerte, in das sogenannte Betongold, hält weiter an“, erklärte der Gutachterausschuss dazu. Mit 19 380 Verträgen entfiel der größte Teil des Geschäfts auf den Verkauf von Eigentumswohnungen. Die Zahl liegt damit noch leicht unter dem Vorjahreswert, wird sich aber durch die später eingereichten Verträge noch erhöhen.

Die Zahl der verkauften Ein- und Zweifamilienhäuser stieg um fünf Prozent. Verstärkt im Fokus der Investoren stehen laut Gutachterausschuss wieder reine Mietshäuser. Die Anzahl der verkauften Objekte legte im vergangenen Jahr um elf Prozent zu. Der Geldumsatz bei Transaktionen von reinen Mietshäusern stieg sogar um 39 Prozent auf fast zwei Milliarden Euro. Die Übertragung ganzer Immobilienportfolios hat laut Gutachterausschuss „wieder zugenommen“. Bei Wohn- und Geschäftshäusern erhöhte sich die Zahl der Verkäufe um zwei Prozent.

Der Berliner Mieterverein äußerte sich am Mittwoch besorgt. „Der Preisanstieg hat deutliche Folgen auch für die Wohnungsmieten“, sagte Geschäftsführer Reiner Wild. „Wir befürchten vor allem bei den Angebotsmieten einen weiteren Anstieg, was den Wohnungsmarkt weiter beeinträchtigt würde“. Der Mieterverein fordere „eine rasche und wirksame Einführung der Mietpreisbremse“, so Wild. Außerdem müssten Mietpreisüberhöhungen geahndet werden.

Verkauft wurden in Berlin im vergangenen Jahr auch mehrere Top-Immobilien: Das Lindencorso Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße wurde für rund 150 Millionen Euro von einem deutschen Spezialfonds erworben, außerdem wechselten das Forum Steglitz und das Schlossstraßen Center sowie die Hallen am Borsigturm den Besitzer. Der Treptower wurde auch verkauft.

Das Land Berlin verdient an den Immobilienverkäufen gut mit. Im vergangenen Jahr kamen durch die Grunderwerbssteuer rund 735 Millionen Euro in die Kasse, wie der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung, Jens Metzger, mitteilte. Die Erhöhung der Steuer soll noch mehr Geld in die Landeskasse spülen. Im Doppelhaushalt 2014/2015 sind für das Jahr 2014 Einnahmen in Höhe von 800 Millionen Euro angesetzt.