Jetzt steigen selbst die Preise für Parkplätze in ungeahnte Höhen. Rund 100.000 Euro kostete in Berlin im vergangenen Jahr der teuerste Tiefgaragenplatz. Eigentumswohnungen verteuern sich ebenfalls immer mehr. Der höchste Kaufpreis wurde 2016 mit zirka 12,8 Millionen Euro für eine Eigentumswohnung in der Nähe des Brandenburger Tors gezahlt – umgerechnet rund 30.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Immobilienmarktbericht Berlin 2016/2017 hervor, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte erarbeitet hat. Der Bericht basiert auf den notariell beurkundeten Verkäufen von rund 32.700 Immobilien im vergangenen Jahr in Berlin. Er ist damit die zuverlässigste Quelle über die Preisentwicklung.

Immobilien im Wert von 16,4 Milliarden Euro

Der Gutachterausschuss ist ein Experten-Gremium, dem öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sowie Immobilien- und Bankkaufleute angehören. Aufgabe des Gremiums ist es, für Transparenz auf dem Immobilienmarkt zu sorgen.

Insgesamt wechselten im vergangenen Jahr Immobilien für 16,4 Milliarden Euro in Berlin den Besitzer. Das entspricht zwar einem Umsatzrückgang von neun Prozent gegenüber dem Jahr 2015, doch sind die 16,4 Milliarden dennoch der zweithöchste Betrag, der seit 1990 für Immobilien in der Hauptstadt in einem Jahr locker gemacht wurde. Die Zahl der Verkäufe ging zwar ebenfalls zurück, doch zogen die Preise in nahezu allen Teilmärkten an – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage größer als das Angebot ist.

Bauland immer teurer

Die Preise für Eigentumswohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen im Jahr 2016 um 12 Prozent. Wer ein Mietwohnhaus erwarb, musste dafür rund 20 Prozent mehr bezahlen. Besonders stark verteuerte sich Bauland. Die Bodenrichtwerte, die als Orientierung bei der Wertermittlung dienen, stiegen für Grundstücke zum Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern um durchschnittlich 20 Prozent.

Die Bodenrichtwerte für Flächen zum Bau klassischer Mehrfamilienhäuser erhöhten sich in der Innenstadt zum Teil um deutlich mehr als 60 Prozent. Die steigenden Grundstückspreise führen dazu, dass sich der Wohnungsneubau immer teurer wird. Zurückgegangen ist die Zahl der Mietwohnungen, die in Eigentumswohnungen umgewandelt wurden. Sie sank von 17.331 auf 13.225 Wohnungen.

Die höchsten Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser wurden mit 7 074 Euro je Quadratmeter Wohnfläche im Ortsteil Grunewald sowie mit rund 7,8 Millionen Euro für ein Villengrundstück im Ortsteil Wannsee erzielt. Im Schnitt wurden Ein- und Zweifamilienhäuser für 2521 Euro je Quadratmeter Geschossfläche verkauft, Eigentumswohnungen für 3204 Euro je Quadratmeter.

Steigende Mieten befürchtet

Der Berliner Mieterverein (BMV) schlägt angesichts dieser Entwicklung Alarm. „Besorgniserregend ist vor allem der Preisanstieg von 20 Prozent beim Handel mit Mietwohnhäusern und die Anpassung der Bodenrichtwerte in den verdichteten innerstädtischen Lagen um bis zu 60 Prozent in nur einem Jahr“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. Der Preis für unbebaute Grundstücke, auf denen Geschosswohnungsbau möglich ist, habe mit mehr als 2000 Euro pro Quadratmeter im Schnitt eine Höhe erreicht, „die nur noch hochwertige Eigentumswohnanlagen realisierbar“ mache.

Die erhöhten Kaufpreise für Mietwohnhäuser ließen ebenfalls nichts Gutes erwarten. Immobilienkäufer würden auf eine deutliche Steigerung der Mieten setzen, um ihre erhöhten Kaufpreise zu refinanzieren. „Das wird zu einer weiteren Wohnkostenbelastung der Mieter führen“, so Wild. Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel erklärte: „Diese Entwicklung macht deutlich: Wir müssen politisch ins Marktgeschehen eingreifen, damit die Berlinerinnen und Berliner auch künftig noch bezahlbare Wohnungen finden.“ Die Verordnung, nach der die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen genehmigungspflichtig ist, zeige bereits Wirkung.

Die Opposition sieht dies anders. FDP-Bauexperte Stefan Förster sagte, der Bericht mache deutlich, dass es zu wenig Wohnungen gebe. „Da helfen nicht Mietpreisbremse und Milieuschutzgebiete, sondern Neubau für alle Einkommensklassen.“ Der Senat sollte mit der privaten Wirtschaft zusammenarbeiten, ohne die die Neubauziele nicht zu schaffen seien.