Mitte: Begehrte Wohnlage mit Blick auf den Fernsehturm.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

BerlinDie Kaufpreise für Wohneigentum in Berlin sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres weiter gestiegen. Weil es insbesondere im unteren und mittleren Preissegment an Angeboten mangelt, orientieren sich Käufer stärker an den Stadtrand und ins Umland. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Immobilienpreisservice des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) für Berlin-Brandenburg hervor. Das aktuelle Zahlenwerk basiert laut IVD ausschließlich auf tatsächlich erzielten Kaufpreisen für Wohn- und Gewerbeimmobilien in der Metropolregion Berlin-Brandenburg.

Der Preisanstieg beim Verkauf von Bestandsimmobilien in sogenannten Standardlagen hat sich laut IVD mit 11,3 Prozent geringfügig abgeschwächt (2018: 12,8 Prozent). Im Schwerpunkt müssen nun 2950 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlt werden. In sogenannten Vorzugslagen hat sich die Preisdynamik mit rund neun Prozent etwas über dem Vorjahresniveau eingependelt (2018: 8,0 Prozent). Der Quadratmeter Wohnfläche dort kostet hier aktuell 3650 Euro.

Unter der Standardwohnlage versteht der IVD die überwiegende Lage im jeweiligen Bezirk. Die Vorzugslage ist die jeweils bessere Lage. Als Schwerpunktpreise werden beim IVD die hauptsächlich verlangten Preise bezeichnet.

Marzahn-Hellersdorf günstig

Die höchsten Preise für Wohnflächen werden nach dem Marktbericht in den sogenannten Vorzugslagen von Mitte (5000 Euro pro Quadratmeter) und Charlottenburg (4600 Euro pro Quadratmeter) aufgerufen. Die niedrigsten Schwerpunktpreise finden sich in den Standardlagen in Marzahn-Hellersdorf (2500 Euro pro Quadratmeter), in Neukölln und Spandau (jeweils 2600 Euro pro Quadratmeter).

In neu errichteten Immobilien sind die Preise sowohl in der Standard- als auch in der Vorzugslage um rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau gestiegen. Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet im Schwerpunkt 4600 Euro pro Quadratmeter beziehungsweise 5400 Euro pro Quadratmeter. Die Preise für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser (ohne Neubau und Erstbezug) sind mit elf Prozent in Standardlagen und zehn Prozent in Vorzugslagen kräftig gestiegen (2018: 6 Prozent beziehungsweise 11 Prozent).

Für ein freistehendes Einfamilienhaus mit durchschnittlich 140 Quadratmetern Wohnfläche und 700 Quadratmeter Grundstücksfläche müssen Käufer laut IVD in Vorzugslagen im Durchschnitt 550.000 Euro und in Standardlagen 400.000 Euro investieren. Die höchsten Schwerpunktpreise finden sich in Steglitz-Zehlendorf mit 700.000 Euro. Die geringsten Kosten entstehen in den peripheren Standardlagen von Pankow mit 360.000 Euro. Allerdings sind die Preise dort mit 12,5 Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen.

Mieten

Mieten in Berlin: Die Angebotsmieten für freie Wohnungen sind laut dem Internetportal Immowelt in den ersten neun Monaten dieses Jahres um drei Prozent gestiegen – auf 11,30 Euro je Quadratmeter (kalt).

Mietanstieg im Vergleich: Die Mieten sind damit in diesem Jahr weniger stark gestiegen als im Vergleichszeitraum 2018. Da zogen die Angebotsmieten noch um zehn Prozent an – auf 11 Euro je Quadratmeter.

Mieten im Umland: Das hohe Mietniveau in Berlin wirkt sich auf das Umland aus. In Potsdam sind die Angebotsmieten in den ersten neun Monaten 2019 um 13 Prozent auf 10,50 Euro je Quadratmeter gestiegen.

Baugrundstücke stark verteuert

Baugrundstücke haben sich besonders verteuert. Die Schwerpunktpreise sind in den Standardlagen um rund 20 Prozent auf 470 Euro pro Quadratmeter gestiegen (2018: 11 Prozent), in den Vorzugslagen zogen die Preise um rund 14 Prozent auf 800 Euro pro Quadratmeter (2018: 17 Prozent) an.

Während Flächen im Innenstadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zu den teuersten gehören, sind sie in Treptow-Köpenick am günstigsten. Allerdings haben sich die Schwerpunktpreise dort um 40 Prozent beziehungsweise 100 Euro pro Quadratmeter erhöht und betragen jetzt 350 Euro pro Quadratmeter.

„Freie Baugrundstücke sind in der Hauptstadt kaum noch verfügbar“, sagt Katja Giller, Vorsitzende des Wertermittlungsausschusses des IVD Berlin-Brandenburg. Die Käufer würden zunehmend in die Randlagen ausweichen, was dort zu teils außergewöhnlich kräftigen Preiserhöhungen führe. Nur noch in wenigen Lagen sei Bauland unter 350 Euro pro Quadratmeter verfügbar.

Im Segment der Wohn- und Geschäftshäuser wurden laut IVD in allen Bezirken neue Preisspitzen erreicht. Die größten Preissteigerungen seien mit rund 9 Prozent auf 2200 Euro pro Quadratmeter in Reinickendorf zu beobachten. Am teuersten seien weiter die Vorzugslagen von Mitte mit einem Schwerpunkt von 3500 Euro pro Quadratmeter.