Die Erde erwärmt sich, die Insekten schwinden und Bakterien werden zu Superkillern. Aus der Welt der Wissenschaft gibt es oft alarmierende Nachrichten. Über gute Erkenntnisse freut man sich daher umso mehr. Aktuell etwa über die Beobachtungen von Erdvermessern aus München. Sie haben herausgefunden, dass die Alpen nach Norden rücken. Jedes Jahr im Schnitt einen halben Millimeter.

Das bedeutet: In ungefähr 1,2 Milliarden Jahren haben wir den idyllischen, östlich von Salzburg gelegenen Wolfgangsee vor den Toren Berlins. Und die majestätischen Berge der Region dazu. Sie werden sogar noch beeindruckender, denn die Alpen driften nicht nur, sondern heben sich auch jährlich um 1,8 Millimeter. 

Zusätzliche Freizeitmöglichkeiten wären enorm

Jahrelang haben Forscher um Florian Seitz vom Deutschen Geodätischen Forschungsinstitut der Technischen Universität München Daten von mehr als 300 GPS-Antennen in den deutschen, österreichischen, slowenischen, italienischen, französischen und schweizer Alpen gesammelt. Die Positionen der Messstationen ermittelten sie auf Bruchteile eines Millimeters genau und erstellten ein Computermodell des Alpenraums.

Dabei zeigte sich, dass es regionale Besonderheiten gibt. So wandern Teile der Alpen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1,3 Millimetern pro Jahr. Auch das Gebiet um den Wolfgangsee bewege sich überdurchschnittlich schnell, sagt Seitz – nämlich 1 Millimeter pro Jahr. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, muss Berlin nur halb so lange warten und der Wolfgangsee käme schon in 600 Millionen Jahren an.

Die Vorzüge dieser Entwicklung liegen auf der Hand: Im Süden lockt das Hochgebirge, im Norden ist es nach wie vor nicht weit bis zur Ostsee. Die zusätzlichen Freizeitmöglichkeiten wären enorm. 

Bayern wird platt gewalzt

Natürlich birgt die Sache auch Probleme. So wäre zu klären, wie sich Bayern und Österreicher in der Preußenmetropole integrieren lassen. Und etwas Mitgefühl ist angebracht für diejenigen Gebiete, die zwischen der jetzigen Alpen-Nordgrenze und der Spree liegen. Denn sie wandern nicht den Bergen voraus, sondern werden wohl irgendwie platt gewalzt. „Die Ebene nördlich der Alpen wird kleiner“, erläutert Seitz. Tut uns echt leid für Eure Heimat, liebe Münchener, Nürnberger und Bayreuther. Ihr solltet wohl rechtzeitig Asyl in Berlin beantragen.

Allzu schadenfroh sollten wir in hiesigen Breiten jedoch nicht sein. Schließlich wälzen sich die Alpen weiter und machen irgendwann wohl auch Berlin platt. Aber das ist noch viel länger hin. „Genieße den Augenblick“ ist also das beste Motto in den kommenden Millionen Jahren. Eine Immobilie in Skandinavien ist natürlich auch eine gute Idee. 

Zum großen Bergglück fehlt nun nur noch die gute Nachricht aus der Wissenschaft, dass das Geheimnis der Unsterblichkeit gelöst ist. Sollte zu machen sein. Wanderschuhe und Skiausrüstung gut aufheben!