Voll im Trend: ein Radfahrer auf der Straße des 17. Juni am Brandenburger Tor. 
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BerlinDer Autoverkehr hat in Berlin weiter an Bedeutung verloren, während der Radverkehrsanteil  deutlich gestiegen ist. Das geht aus den Ergebnissen einer groß angelegten Befragung hervor, die der Senat am Freitag veröffentlicht hat. An der Erhebung im Auftrag der Technischen Universität Dresden, die von Februar 2018 bis Januar 2019 in ganz Deutschland stattfand, hatten sich auch mehr als 40.000 Berliner beteiligt, die zufällig ausgewählt wurden. „Mobilität in Städten“ heißt die Studie des Verkehrsverhaltens, die Fachleute für repräsentativ halten.

Danach hat die Berliner Wohnbevölkerung  2018/19 rund 26 Prozent der Wege mit dem Auto zurückgelegt. Bei der vorangegangenen Haushaltsbefragung, die fünf Jahre zuvor stattgefunden hat, betrug der Anteil des motorisierten Individualverkehrs noch 30 Prozent. Auch bei der Zahl der Kilometer, die zurückgelegt wurden, hat das Auto in Berlin verloren. Der Anteil an der Verkehrsleistung sank von 45 auf 41 Prozent.  

Dagegen ist das Fahrrad als Verkehrsmittel in Berlin wichtiger geworden. 2018/19 wurden rund 18 Prozent aller Wege in Berlin mit Pedalkraft zurückgelegt, ergab die jüngste Befragung. Fünf Jahre zuvor waren es 13 Prozent. Der Anteil an der Verkehrsleistung nahm von acht auf zwölf Prozent zu. Das bedeutet, dass mit Fahrrädern auch mehr Kilometer in Berlin zurückgelegt werden.

Nahverkehr bei Kilometern jetzt auf Platz 1

Bei den beiden anderen Mobilitätsarten gab es dagegen keine nennenswerten Veränderungen. Zu Fuß wurden 2018/19 rund 30 Prozent der Wege in Berlin bewältigt, genauso viel wie fünf Jahre zuvor. Das entsprach fünf Prozent der zurückgelegten Kilometer – auch bei der Verkehrsleistung ist ein Gleichstand festzustellen.

Für 27 Prozent aller Ortsveränderungen haben die Berliner Teilnehmer der jüngsten Befragung Bahnen und Busse genutzt. Diese Zahl blieb unverändert, wie auch der Anteil des Nahverkehrs an den zurückgelegten Kilometern: 42 Prozent. Weil das Auto an Bedeutung eingebüßt hat, rutschten BVG und S-Bahn in der Statistik der Verkehrsleistung aber von Platz 2 auf Platz 1. Das heißt: Gemessen an der Kilometerleistung hat der Nah- den Autoverkehr überflügelt.

Für die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ist die Sache klar. „Die Mobilitätswende hat in Berlin längst begonnen, und sie gewinnt an Fahrt“, sagt ein Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Zum Zeitpunkt der Befragung wurden rund 74 Prozent aller Wege und 59 Prozent aller Kilometer mit umweltfreundlichen Mobilitätsarten zurückgelegt – Experten fassen sie unter der Bezeichnung Umweltverbund zusammen. 2013 waren es 70 Prozent der Wege und 55 Prozent der Verkehrsleistung.

Immer mehr Haushalte in Berlin ohne eigenes Auto

Die Studie, die zu einem System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) gehört, enthält noch viele andere interessante Daten. So stieg der Anteil der Haushalte in Berlin, die über kein eigenes Auto verfügen, im Vergleich zur vorangegangenen Befragung 39,8 auf 43,3 Prozent. Bei der durchschnittlichen Zahl der Fahrräder pro Haushalt in Berlin gab es immerhin einen Zuwachs von rund 1,5 auf 1,6.

Wer wissen will, wie sich das Verkehrsverhalten in seinem Berliner Bezirk darstellt, findet in der Studie "Mobilität in Städten" ebenfalls Auskunft. Ein paar Beispiele: Während in Marzahn-Hellersdorf 8,3 Prozent und in Spandau neun Prozent der Wege mit dem Fahrrad bewältigt wurden, beträgt dieser Anteil in Mitte 21,5 Prozent und Friedrichshain-Kreuzberg 27,7 Prozent. In Pankow waren es 21,6.

Anders stellt sich die Lage dar, wenn man den Anteil der Autofahrten an allen zurückgelegten Wegen betrachtet (Fahrer oder Mitfahrer im Haushalts-Pkw oder in fremden Autos, Carsharing ausgenommen). In Spandau summierte sich dieser Wert auf 40,8, in Marzahn-Hellersdorf auf 36,7 Prozent, und in Treptow-Köpenick belief er sich immerhin noch auf 30,6 Prozent. Dagegen waren es im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg 12,5 Prozent und in Mitte 11,6 Prozent.