Berlin - Die Lage ist kaum zu übertreffen – direkt am Wasser und doch städtisch. Vor den Rohbauten, die jetzt auf der Humboldtinsel in Reinickendorf entstehen, glitzert das Wasser des Tegeler Hafens in der Sonne, Schwäne schwimmen vorbei. Von den Terrassen direkt an der Uferkante aus sieht man die nahe Humboldt-Bibliothek und die Sechserbrücke, eines der Wahrzeichen des Bezirks. Und wenn wie geplant im Frühjahr 2017 die ersten Bewohner in die Luxus-Residenzen einziehen, können sie bequem die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Sie müssen nur über eine Brücke gehen und laufen zu Fuß zur U-Bahnstation Alt-Tegel.

Floating Houses am Wasser

Derzeit wird die Idylle noch vom Baulärm und den vielen Lastwagen gestört, die auf die langgestreckte, schmale Insel zwischen Hafen und Tegeler Fließ rollen. Denn die Arbeiten laufen auf Hochdruck. In sechs bis acht Wochen, sagt Hermann Hahn, Generalbevollmächtigter der Martrade Immobilien GmbH, soll für die insgesamt 78 Wohneinheiten Richtfest gefeiert werden.

Zu dem Bauvorhaben gehören aber nicht nur hochpreisige Stadtvillen und Doppelhäuser mit eigenem Bootssteg. Auch vier sogenannte Floating Houses – schwimmende Häuser – sollen hier entstehen. „Bisher gibt es in Berlin nichts Vergleichbares“, sagt Marius Helmuth-Paland vom Reinickendorfer Stadtplanungsamt. Floating Houses seien nicht etwa Hausboote. Vielmehr würden die Häuser auf schwimmenden Stahlbeton-Pontons errichtet. Sie sind mit der Insel verbunden, und bewegen sich ganz sacht mit dem Wasser auf und ab. Jedes Floating House hat 220 Quadratmeter Wohnfläche und etwa 100 Quadratmeter Terrassenfläche. Der Preis liegt zwischen 1 und 1,2 Millionen Euro pro Haus, sagt Hahn.

Anfangs wollte die Martrade Immobilien GmbH sogar zwölf schwimmende Häuser vor der Humboldtinsel errichten. Doch der Senat habe während der mehrjährigen Planungsphase entschieden, dass auf Berliner Gewässern generell keine schwimmenden Häuser entstehen sollen, sagt Helmuth-Paland. Schließlich einigte man sich für Tegel auf vier Floating Houses. Noch ist von ihnen nichts zu sehen. Nur eine Lücke an der Uferkante weist darauf hin, dass hier noch etwas geplant ist. Dafür wachsen die anderen Bauten in die Höhe: Stadtvillen mit Drei-Zimmer-Wohnungen, Doppelhäuser mit Maisonette-Wohnungen und Studio-Apartments, Doppelhaushälften mit Bootssteg. Der Preis pro Quadratmeter liegt bei 3400 bis 5000 Euro. Rund 80 Prozent der Wohnungen seien vergeben, sagt Hahn. Von den Käufern stamme die Mehrheit aus dem Berliner Raum, etwa 30 Prozent aus dem Bundesgebiet und zehn Prozent aus dem Ausland.

Zwischen 40 und 45 Millionen Euro investiert die Martrade Immobilien GmbH insgesamt in das Projekt. Es ist das erste Berliner Wohnungsbauvorhaben der weltweit tätigen Firma mit Hauptsitz in Düsseldorf. Und es gab dabei knifflige Probleme zu lösen, etwa beim Bau der 5000 Quadratmeter großen Tiefgarage. Als dafür Erde ausgehoben wurde, lief die Grube voller Wasser. „Wir hatten hier zeitweise das größte Schwimmbad Berlins“, sagt Hahn. Betoniert wurde unter Wasser, die Taucher waren im Dauereinsatz. Die Fertigstellung des Projekts verzögerte sich um rund ein Jahr.

Künstliche Insel

Im Bezirksamt begrüßt man, dass die Humboldtinsel bebaut wird. Sie wurde vor gut einem Jahrhundert künstlich angelegt, die Niederbarnimer Eisenbahn nutzte sie zur Erschließung des Hafens. Später lag das Areal brach, dann kam eine Kleingartensiedlung auf die Insel. Doch diese sei nie auf Dauer angelegt gewesen, sagt Stadtplaner Helmuth-Paland. Die Floating Houses würden ein echter Hingucker, glaubt Baustadtrat Martin Lambert (CDU). Dass in die neuen Häuser Menschen einziehen werden, „die am Monatsende noch ein paar Euro in der Tasche haben “, sei gut für die Umgebung. Die Geschäfte der nahen Einkaufsstraßen würden von den neuen Nachbarn profitieren.