In Berliner Baumwipfeln: Warum das Beobachten von Eichhörnchen froh macht

Eichhörnchen sind flink und emsig. Und glücklicherweise in der Stadt unterwegs. Unsere Autorin kennt viele Gründe dafür, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Ein Eichhörnchen frisst in einem Tempelhofer Garten eine Haselnuss.
Ein Eichhörnchen frisst in einem Tempelhofer Garten eine Haselnuss.dpa/Bernd von Jutrczenka

Bei diesem Anblick hat irgendwer das hübsche Wort „flink“ erfunden: Der Gedanke geht mir durch den Kopf, als ich wieder mal das Eichhörnchen beobachte, das täglich den Baum gegenüber des Wohnzimmerfensters hinauf- und hinabturnt. Ist es überhaupt immer dasselbe?

Aus der Distanz, die zwischen dem Tier und mir liegt, kann ich das nicht sicher beurteilen. Doch es sieht sich immer ähnlich: Es ist eher klein, sehr zierlich, und trägt von Kopf bis Pfote ein Fell in sattem Rostrot. Auf seinem Weg vom Boden zum Wipfel und zurück macht es fast immer einen Abstecher auf einen bestimmten Ast. Es verharrt kurz, bewegt den Kopf ein paar Mal nach links und rechts, als würde es mit Nachdruck etwas verneinen, und läuft auf diese einzigartige Eichhörnchenart Richtung Stamm zurück: schnell, doch nicht hastig. Flink eben.

Ich könnte ihm, wie allen Eichhörnchen, vormittagelang zusehen. Weil mich diese stille Tätigkeit ganz friedlich macht. Meine Gedanken wandern dann durch die Stadt, in die Parks, in andere Baumwipfel und über Wiesen und Waldböden und Balkongeländer. Überall dorthin, wo Eichhörnchen ihren emsigen Geschäften nachgehen. Und freu mich, dass es sie gibt in den Städten. Dass ich eines, klein, zierlich und rostbraun, jeden Tag beobachten darf.

Eine Freundin, sie lebt in Dortmund, beschäftigt sich viel intensiver mit Eichhörnchen. Jeden Morgen fährt sie zu einer bestimmten Stelle im Park, um sie zu besuchen, zu füttern und einfach mit ihnen zusammen zu sein.

Vor kurzem durfte ich sie begleiten bei ihrem „Hobby“, wie sie ihre Tätigkeit nennt. Ich wurde nicht nur Zeugin einer nie zuvor gesehenen Eichhörnchenversammlung, sondern erlebte einen Menschen im Glück. In diesem ganz stillen, einfachen Glück, das nur aufscheint, wenn man mit dem Wesentlichen konfrontiert wird. Warum die Stunden sie so bereichern, erklärte mir die Freundin, ohne dass ich sie fragen musste. Sie sprach unter anderem von der Uneitelkeit der Tiere und der Solidarität, mit der sie sich für den Winter vorbereiten. Von der Zuverlässigkeit, mit der sie kommen, wenn sie dort ist. Und sie sagte: „Sie sind geräuschlos, flink und fleißig und große Akrobaten im Baum.“

Da ist es wieder, das Wort „flink“. Und wenn ich jetzt dem Hörnchen auf der anderen Straßenseite zusehe, denke ich nicht nur an all die anderen in Berlin, sondern auch an die in Dortmund und überall. Und glaube, dass sie sehr viele Menschen glücklich machen.