Alles bereit für die ersten Fluggäste: Monitore und Kunst am Bau im BER.
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinDer Luftverkehr nimmt wieder zu. Doch unterm Strich wird die Bilanz für die Berliner Flughäfen 2020 im Zeichen der Corona-Pandemie äußerst mager ausfallen. Erwartet wird, dass sich die Passagierzahlen in diesem Jahr lediglich auf 10,3 Millionen summieren werden. Das geht aus einem Schreiben hervor, das die Berliner Flughafen-Gesellschaft der Obersten Luftfahrt- und Luftsicherheitsbehörde von Berlin gesandt hat. Ursprüngliche Prognosen waren von einem Aufkommen von 38,5 Millionen ausgegangen. Im vergangenen Jahr hatten rund 35,6 Millionen Menschen die Berliner Flughäfen genutzt.

Im April, Mai und Juni lagen die Fluggastzahlen um mehr als 98 Prozent unter dem Stand des vergangenen Jahres, heißt es in dem Schreiben. Inzwischen erholt sich die Branche wieder, was sich auch in Berlin zeigt. Doch weiterhin liege die Nachfrage deutlich unter dem Vorjahresstand.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup geht davon aus, dass sich die Erholung noch lange hinziehen wird. Wenn der Flughafen BER im Herbst 2020 ans Netz geht, werden die Fluggastzahlen 30 bis 40 Prozent des früheren Bestands erreicht haben, hofft der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Wir hoffen, dass die Fluggastzahlen 2021 zwei Drittel des früheren Niveaus erreichen“, sagte er am Freitag nach der Sitzung des Aufsichtsrats. 2023 könnte der Stand von 2019 erreicht werden.

Ein limitierender Faktor waren zuletzt die Regelungen, die für die Sicherheitskontrollen angeordnet worden waren, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu senken. So dauerte die Kontrolle eines Passagiers im Schnitt fünf Minuten, was die Kapazität der Sicherheitslinien auf ein Drittel senkte. Weil einige Regelungen seitdem gelockert wurden, sind inzwischen zwei Drittel der Durchlassfähigkeit wieder erreicht worden, hieß es. Erwartet wird, dass unter Beibehaltung der jetzigen Vorkehrungen an den BER-Terminals T1 und T2 stündlich insgesamt rund 4200 Passagiere kontrolliert werden können.

Die Flaute im Flugverkehr wirkt sich auf weitere Unternehmen der Branche aus. Am Freitag berichtete „Business Insider“, dass der Bodenverkehrsdienstleister Wisag plane, in Berlin rund 800 von 1500 Stellen zu streichen. „Die Beschäftigten sind bisher vom Arbeitgeber nicht informiert worden“, kritisierte die Gewerkschaft Verdi. Sie forderte das Unternehmen auf, unverzüglich über seine Pläne aufzuklären. Lütke Daldrup sagte am Freitag, er hoffe, dass der Stellenabbau sozialverträglich abgewickelt werde. Die Wisag ist neben der Aeroground und der Swissport einer von drei Bodenverkehrsdienstleistern in Berlin.

Nur wenige Häuser im Umkreis haben Schallschutz

Ende Juni hieß es bei der FBB, dass die Funktionstests und Funktionsprüfungen am BER zu 99,7 Prozent abgeschlossen seien. Am Freitag teilte der Flughafenchef mit, dass das Terminal T1 nun fertig sei. Lediglich Schönheitsreparaturen und Dokumentationen stünden noch an. „Trotz der Corona-Pandemie ist der Eröffnungstermin für die Inbetriebnahme des BER am 31. Oktober 2020 gesichert. Wir haben in den vergangenen Wochen weitere wichtige Meilensteine erreicht. Der Probebetrieb läuft erfolgreich, die technische Infrastruktur ist stabil“, sagte der Flughafenchef. Von den 109 Mietflächen seien knapp 30 inzwischen fertig. Er gehe davon aus, dass bei der Eröffnung mehr als hundert Mietflächen in Betrieb sein werden.

Lütke Daldrup äußerte sich auch zu einer Anfrage von BBB TV, die sich auf den Stand des Schallschutzes der Flughafenanwohner bezog. Danach seien bislang erst für 223 von 5276 Wohneinheiten im Umfeld des BER Schallschutzmaßnahmen umgesetzt worden.

Der Flughafenchef wies auf die Regelungen hin. Falls die erwarteten Vorkehrungen 30 Prozent des Grundstückswertes übersteigen, zahle die Flughafengesellschaft Geld aus. Was die Eigentümer mit der Entschädigung anfangen, ob und wann sie das Geld für Schallschutz ausgeben, liege in deren Verantwortung, so Lütke Daldrup. Eine Zweckbindung gebe es nicht.

Die zweite Gruppe bilden die Eigentümer, denen die FBB Geld für Schallschutzmaßnahmen bewilligt hat. Doch auch in diesem Fall trage nicht die Flughafengesellschaft die Verantwortung dafür, wann es ausgegeben wird. „Mehr als 300 Millionen Euro haben wir bislang ausgereicht“, so Lütke Daldrup. Er rief dazu auf, die Baumaßnahmen nun auch durchzuführen. In knapp 110 Tagen soll am BER der Flugbetrieb beginnen.