Im Tiergartentunnel ist nur Tempo 50 erlaubt. Doch viele Kraftfahrer halten sich nicht an das Limit. Darum nimmt die Polizei dort Anfang des neuen Jahres eine Überwachungsanlage in Betrieb – wie angekündigt.
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BerlinIm Britzer Autobahntunnel gibt es sie schon seit rund neun Jahren. Dort blitzen die Geräte eifrig Autos, die deutlich schneller als Tempo 80 fahren. Nicht mehr lange, dann möchte die Berliner Polizei auch im Autobahntunnel unter dem Flughafen Tegel und im Tiergartentunnel schwarze Blitzer scharfschalten. Sie heißen so, weil sie Temposünder mithilfe von Infrarotstrahlen feststellen, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Erst wenn der Brief der Bußgeldstelle eintrifft, merken die Fahrer, dass sie geblitzt wurden.

„Wir gehen davon aus, dass wir die neuen Geräte  im Februar oder März 2020 in Betrieb nehmen“, sagte Frank Schattling, Leiter des Fachstabs Verkehr im Polizeipräsidium, der Berliner Zeitung auf Anfrage.

Schwarze Blitzer: Probebetrieb im Tegel-Tunnel

In dem Tunnel, der die A111 unter dem Flughafen Tegel hindurchführt, hat der Probebetrieb bereits begonnen. „Mit positiver Wirkung“, berichtete Schattling. Fahrer sehen die schwarzen Kästen  und bremsen, wenn sie zu schnell sind. In der fast einen Kilometer langen Tunnelröhre stadtauswärts wird eine enge Kurve überwacht, in der nur 40 Kilometer in der Stunde erlaubt sind.

Auch in dem Tunnel, der unter dem Tiergarten und dem Spreebogen verläuft, wird immer wieder zu schnell gefahren, berichtet die Polizei. Nicht selten erleben die Mitarbeiter der Berliner Tunnelleitzentrale auf ihren Bildschirmen mit, wie sich Fahrer illegale Rennen liefern – obwohl im Tunnel Tempo 50 gilt.

Die neue Blitzertechnik befindet sich in der Tunnelröhre in Richtung Süden, hieß es. Die Polizisten legen Wert auf die Feststellung, dass die Anlage sowohl die Front- als auch die Heckpartie ins Visier nimmt. Damit erfasst sie auch Motorräder, die meist nur hinten ein Kennzeichen haben. Auch diese Fahrzeuge sind in dem mehr als zwei Kilometer langen Tunnel oft zu schnell unterwegs. So starb im März 2018 ein 27 Jahre alter Motorradfahrer, nachdem er gegen eine Tür in der Wand geprallt war.   

Gerichte verfügen Abschaltung

Durch die beiden Anlagen im Flughafen- und im Tiergartentunnel wird die Zahl der stationären Blitzer in Berlin auf 33 wachsen. Die neuen Blitzer gehören zu den Geräten, die nur Fahrzeuge erfassen, die zu schnell unterwegs sind. Andere Blitzer halten Autos im Bild fest, deren Fahrer rotes Ampellicht ignorieren. Mehr als die Hälfte der Blitzer in Berlin kann beides.

Allerdings sind von den  jetzigen stationären Überwachungsanlagen  nicht alle in Betrieb. Dem Vernehmen nach erfüllten vor kurzem nur 22 Blitzer ihre Aufgaben, neun standen nicht zur Verfügung.

Außer Betrieb ist zum Beispiel weiterhin die Blitzersäule An der Wuhlheide/ Rudolf-Rühl-Allee im Bezirk Treptow-Köpenick, die es seit 2018 gibt. Die dort installierten stationären Anlagen fallen  immer wieder Beschädigungen zum Opfer.

Blitzer werden immer wieder beschädigt

„Vandalismus ist ein großes Problem“, hieß es bei der Polizei. Schon mehrmals wurden die schwarzen Glasscheiben zerschlagen, hinter denen sich die Blitzertechnik verbirgt. Einmal wurden Union-Aufkleber hinterlassen – das Fußballstadion Alte Försterei ist in der Nähe. Nun will die Polizei Konsequenzen ziehen und den Blitzerstandort aufgeben. „Die Säule wird umgesetzt“, kündigte Schattling an.

Auch der Blitzer, der am Halleschen Ufer in Höhe der Einmündung der Schöneberger Straße für Ordnung sorgen soll, wird dem Vernehmen nach immer wieder zur Zielscheibe von Vandalen.

Es gibt noch weitere Gründe, warum stationäre Blitzer abgeschaltet werden. So sind einige Geräte außer Betrieb, weil nebenan  Tiefbauarbeiten stattfinden. Andere Anlagen dürfen nicht mehr genutzt werden,  weil Gerichte dies verbieten. Für einige Rotlichtblitzer, die zum Teil schon recht betagt sind, hat das Landesamt für Mess- und Eichwesen die Abschaltung verfügt. In der Vergangenheit trugen auch Fahrbahnschäden dazu bei, dass Anlagen ausgestellt werden mussten.

Weniger Tempo-Unfälle in Berlin

Die rot-rot-grüne Koalition hat sich die Zivilisierung des Straßenverkehrs auf die Fahnen geschrieben. Verbände und Bürgerinitiativen fordern mehr Überwachung und Kontrollen, um das Rasen zu verhindern. „Nicht angepasste Geschwindigkeit“ gilt als dritthäufigste Hauptunfallursache in Berlin – wenngleich die Zahl der Zusammenstöße, die in diesem Zusammenhang registriert wurden, von 2798 im Jahr 2016 auf 2330 im vergangenen Jahr gesunken ist.

In den vergangenen zwölf Monaten kamen in Berlin zehn stationäre Blitzer dazu. Allerdings dauerte es nicht selten Monate, bis die Geräte  in Betrieb gehen konnten. „Bis sie ans Stromnetz angeschlossen werden konnten, verging meist einige Zeit“, sagte Frank Schattling. Inzwischen sind aber fast alle Anlagen am Netz.

Außer den stationären Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung verfügt die Berliner Polizei noch über insgesamt fast 90 mobile und halbstationäre Geräte. Frank Schattling und seine Kollegen wissen, dass sie sich mit Tempokontrollen nicht beliebt machen. Doch die Gemeinschaft habe sich nun mal auf Regeln verständigt, wie der Verkehr auf den Straßen ablaufen soll. „Diese Regeln müssen durchgesetzt werden“, so der Chef des Verkehrs-Stabs im Polizeipräsidium. „Jeden Tag aufs Neue.“