Lange wurde über das Projekt diskutiert, jetzt soll es bald starten: Auf der Brachfläche des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf im Ortsteil Friedenau ist ein neues Stadtviertel geplant. Es soll jedoch überraschend sehr viel mehr Wohnungen erhalten als vorgesehen. Während es lange Zeit hieß, dass rund 940 Wohnungen auf der 60.000 Quadratmeter großen Fläche entstehen, sind nun rund 1500 Wohnungen geplant.

Das teilten die zu einem Joint-Venture zusammengeschlossenen Bauherren, die OFB-Projektentwicklung und die BÖAG Projekt AG, jetzt mit. Die OFB-Projektentwicklung ist ein Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen. Bei der BÖAG handelt es sich um ein Hamburger Familienunternehmen, das in vierter Generation geführt wird.

„Friedenauer Höhe“ haben sie ihr Wohnquartier getauft, weil die Baufläche etwas erhöht liegt. Während sich die meisten der beliebten Friedenauer Altbauten an ruhigen Wohnstraßen befinden, ist das neue Viertel direkt neben dem S-Bahnring und der Stadtautobahn geplant. Die Herausforderung beim Bau besteht deswegen darin, die künftigen Bewohner vor dem Lärm von S-Bahnzügen und Autos zu schützen.

Das soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass Nebenräume wie Küchen und Bäder zur Lärm-Seite angeordnet werden, Wohn- und Schlafräume hingegen zur lärmabgewandten Seite entstehen.

Veränderter Wohnungsmix

„Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass das Projekt genehmigungsfähig ist“, sagte Uwe Klotz, Referent von Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne), am Dienstag. Die höhere Zahl an Wohnungen führe nicht dazu, dass mehr Fläche errichtet werde. Die Wohnungen würden kleiner gebaut.

„Durch eine optimierte Planung konnten zusätzliche Wohnungen gewonnen werden, ohne die Bebauungsdichte zu erhöhen“, heißt es in der Erklärung der Investoren. Der veränderte Wohnungsmix bilde „die Struktur der Berliner Haushaltsgrößen ideal ab, bei der über 80 Prozent der Einwohner in Ein- bis Zweipersonenhaushalten leben“.

Angesichts steigender Mieten sind kleinere Wohnungen ohnehin gefragt, weil sie den Geldbeutel der Mieter weniger stark strapazieren. Die geplanten Unterkünfte sollen ein bis vier Zimmer haben und je nach Lage über einen Balkon, eine Dachterrasse oder einen Mietergarten verfügen.

Mehr als 30 Prozent der Wohnungen sollen barrierefrei sein. 25 Prozent der Unterkünfte sind als Sozialwohnungen geplant. Mit welchen Mietpreisen kalkuliert werde, wollten die Bauherren auf Anfrage derzeit noch nicht mitteilen. Auch zur Höhe der Investitionskosten äußerten sie sich nicht.

Innenbereich soll weitestgehend autofrei sein

Auf den ehemaligen Bahnflächen, die im Jahr 2010 privatisiert wurden, entstehen nicht nur Wohnungen. Vorgesehen sind darüber hinaus ungefähr 20.000 Quadratmeter Gewerbeflächen sowie viel Grün. So sollen 6900 Quadratmeter öffentliche Parkanlagen entstehen.

Neben zwei Quartiersplätzen, die als Nachbarschaftstreffpunkte gedacht sind, ist ein öffentlicher Fahrradweg und ein zentraler Spielplatz geplant. Der gesamte Innenbereich soll weitestgehend autofrei gehalten werden. Damit die Kinder in dem neuen Quartier betreut werden können, ist außerdem eine Kita geplant.

Fertigstellung 2023 geplant

Für rund 1300 Wohnungen wurden nach Angaben der Investoren bereits die Bauanträge eingereicht. Die Bauherren erwarten die Baugenehmigungen „in den nächsten Wochen“. Das Gelände sei für den Bau bereits vorbereitet, eine Baustraße angelegt.

Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2019 im Westen des Areals beginnen. Bis Ende 2023 soll das gesamte Quartier fertiggestellt sein. Die Baustellenzufahrt ist an der Hauptstraße geplant. So soll die Belastung der Anwohner durch den Baustellenverkehr laut Investoren minimiert werden.

In Friedenau gibt es indes Kritik an dem Projekt. So notierte das Internetblatt Friedenau-Aktuell anlässlich des Spatenstichs 2016: „Grünflächen werden zugebaut, Luftschneisen zerstört und zukünftiges Verkehrschaos provoziert.“