Der Flughafen BER: fast fertig seit neun Jahren.
Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

BerlinDer Sekt liegt kalt. Es wird ein feuchter Abend werden, das auf jeden Fall. Egal, was die Flughafengesellschaft an diesem Freitag über den geplanten Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen (BER) sagen wird, als Berliner kann man sich an diesem Abend eigentlich nur betrinken. Oktober 2020, ja oder vielleicht doch wieder noch nicht? „Das muss endlich mal was werden“, sagt man sich in einer Art trotziger Erwartungshaltung, die in dieser Stadt und auch weit darüber hinaus sehr viele teilen. Dieser BER, dieses Dingsbums, soll endlich öffnen. Dabei ist es fast egal, wie ...

Es hat sich viel angestaut in den vergangenen neun Jahren, seit die geplante Eröffnung kurz vor dem Termin auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wurde. Unverdrossen zählen manche immer weiter: 2 736 Tage seit der Nichteröffnung sind es an diesem Freitag. Tegelanrainer prüfen gerade wieder einmal neu ihre Klagemöglichkeiten, weil sich im kommenden Jahr etwas beim Lärmschutz für den innerstädtischen Flughafen ändert und sie vielleicht Anspruch auf Entschädigungen haben. Aber es sind nicht nur sie, die zurzeit den Druck erhöhen.

Mehr Langstreckenflüge anbieten

Da ist vor allem die Berliner Wirtschaft zu nennen. In den meisten Gesprächen nutzen Unternehmer früher oder später die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie viel besser die Geschäfte laufen könnten, wenn der BER öffnen würde. Wie viele Arbeitsplätze neu entstehen könnten. Was sich alles für neue Firmen ansiedeln würden.

Die Industrie- und Handelskammer präsentierte vor einigen Tagen eine Umfrage unter 150 Unternehmen. Laut dieser sind drei von vier Firmen mit dem Langstreckenangebot beim Flugverkehr in Berlin unzufrieden. Sie beklagen, dass Berlin einfach am Ende der Welt und vollkommen abgehängt sei. Wer in Frankfurt am Main oder London umsteigen müsse, verliere viel Zeit. Märkte in Asien müssten einfach besser erreichbar sein von Berlin aus. Und dabei sieht die hiesige IHK Berlin als Wachstumstreiber für Deutschland und auch als Zentrum für Start-ups und die Forschung.  

Berlins Organisation für Tourismusmarketing Visit Berlin sagt, der Osten Deutschlands sei vom interkontinentalen Flugverkehr regelrecht abgeschnitten. Mit der Eröffnung des neuen Flughafens BER würden sich neue Chancen für die Hauptstadtregion ergeben, hört man von ihrem Geschäftsführer. Bereits vor einem Jahr haben sich Wirtschaftsvertreter, Gewerkschaften, Tourismus- und Handelsorganisationen zu einem Bündnis für eine bessere internationale Anbindung ausgesprochen und forderten Politik und Flugunternehmen zum Handeln auf. Aktuell wiederholten sie ihre Forderungen.

Aber auch der Bund macht Druck, indem er auf Medienberichte zu immer noch bestehenden Sicherheitsmängeln – ebenfalls in diesen Tagen – mit Zuversicht reagiert. Die Bundesregierung rechne weiter mit einer Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens im Oktober 2020, hieß es.

Was macht das Dübelproblem?

Als Berliner möchte man das gern glauben. Es ist nicht nur lustig, jedes Mal, „wie in einer Lagerhalle hier“ zu hören, wenn man jemanden vom Flughafen abholt. Und dabei variieren die Späße sogar. „Habt ihr immer noch ne Schraube locker?“ „Was macht eigentlich euer Dübelproblem?“ „Kriegt ihr in Berlin eigentlich auch irgendwas fertig?“ „Einfach fluten, macht doch ein großes Schwimmbad daraus.“ An dieser Stelle reicht leider der Platz nicht, die hämischen Sprüche alle aufzuzählen.

Ein  Kollege schrieb in dieser Zeitung vor zwei Tagen, die BER-Fertigstellung bleibe eine Zitterpartie. Noch immer werden Mängel beseitigt. Und das wird wohl noch eine Weile so weitergehen. Er schrieb, obwohl es noch nie so gut ausgesehen habe wie heute, bleibe es spannend. Er wollte keine Wette eingehen, dass es den Fachleuten gelingt, den BER in elf Monaten ans Netz zu bringen. Wie ernst sollen wir also einen Eröffnungstermin nehmen, wenn er jetzt verkündet wird? Sicher ist ja doch nur, dass vieles ungewiss ist. Es ist wie bei einer Plage. Wir schwanken zwischen Erwartung, Hoffnung und Resignation. Ein Glas Sekt kann man darauf schon mal trinken.