Berlin - Herr Bukowski, wann haben Sie das letzte Mal Wasser im Supermarkt eingekauft?

Das ist noch gar nicht so lange her, weil ich mit der Familie einkaufen war. Die haben wirklich Unmengen von diesen 1,5-Liter-PET-Flaschen gekauft. Und ich dachte: Was ist denn los, was soll das denn, diese ganze Schlepperei? Denn privat bin ich Leitungswassertrinker, auch aus Faulheit, weil ich überhaupt keine Lust habe, Kisten zu schleppen.

Und wie kamen Sie auf die Idee, Leitungswasser abzufüllen?

Ich habe mich mal mit dem Wassermarkt beschäftigt und einen satirischen Text im Internet veröffentlicht. Da habe ich auch über das Berliner Leitungswasser geschrieben, das man abfüllen sollte. Im April kam eine Dame auf mich zu, die einen Kongress ausgerichtete und Leitungswasser von mir wollte. Ich dachte: Wenn die denkt, dass das ernst gemeint war, dann mache ich das jetzt. Durch die Anfrage hat das jetzt einen komischen, spontanen Turbo bekommen. Ursprünglich dachte ich, es wäre einfach nur ein schöner Witz.

Aus meinem Hahn zu Hause kommt das gleiche Wasser, ich muss es gar nicht im Supermarkt kaufen?

Das ist ja das Absurde: Es gibt eine strake Präferenz für Flaschenwasser. Natürlich können Sie Ihr Leitungswasser auch zu Hause trinken. Das wollen viele aber nicht machen. Es gibt viele, die sagen: Egal in welchem Bezirk, das Leitungswasser schmeckt nicht. Das kann mit den Altbauleitungen zu tun haben, glaube ich aber nicht.

Dann sind Wasserfilter Ihre natürlichen Feinde?

Anscheinend haben sich Wasserfilter nicht durchgesetzt, warum sonst gibt es noch Tafelwasser im Supermarkt? Ich denke, das ist konditioniert. Dass man ein Wasser aus dem Supermarkt mit Premium-Etikett für wohlschmeckender hält.

Dürfen Sie eigentlich einfach so Wasser abfüllen und verkaufen?

Es gibt noch ein paar Dinge, mit denen ich mich beschäftigen muss, das Rechtliche zum Beispiel. Soweit ich weiß, ist es aber grundsätzlich kein Problem, Leitungswasser zu verkaufen. Bei den Wasserbetrieben will ich sowieso mal durchklingeln und fragen, ob die nicht Lust haben, als Partner mit ins Boot zu hopsen.

Ohne die Berliner Wasserbetriebe geht es doch ohnehin nicht, oder?

Wir wollen auf keinen Fall Wasser aus einer Altbauleitung, sondern möglichst nah ran ans Original. Wir sind dabei aber nicht zwingend auf die Wasserbetriebe angewiesen, es gibt ja diverse Abfüller in Berlin. Da sind wir auch in Verhandlung, mit welchem Abfüller wir das wie machen könnten.

Aber gibt es nicht schon genug Wassersorten zu kaufen?

Ja, aber wenn Sie Wasser im Supermarkt kaufen, wissen Sie nicht, wo es herkommt. Volvic mag toll sein, aber es muss 1 000 Kilometer von irgendwo rangekarrt werden. Ich sehe die Idee als interessantes Ausrufezeichen in diesem bizarren Markt: Ich kaufe Berlin – und ich habe gepeilt, wie meschugge der Wassermarkt ist. Es ist eine Grund-Beknacktheit drin in der Idee, das ist klar. Aber hey: Wir sind Berlin.

Interview: Alexander Tieg