In Lima bedeutet Geld Sicherheit

Unsere Kolumnistin erreicht bei ihrer Reise um die Welt Peru, genießt die große Gastfreundschaft und wundert sich, dass sie den Berliner Verkehr vermisst.

Blick auf den peruanischen Dschungel.
Blick auf den peruanischen Dschungel.Mandy Tröger

Seit einem Monat reisen mein Mann und ich jetzt schon durch die Amerikas. Seit zwei Wochen sind wir in Peru im Westen Südamerikas unterwegs. Begleitet werden wir von Freunden aus den USA. Vier Jahre haben wir uns nicht gesehen. Jetzt entdecken wir Peru zusammen und lernen: Wo auch immer wir hingehen, wir kommen als Fremde, aber gehen als Freunde.

Unsere Reise beginnt in der Hauptstadt Lima. Die Megametropole mit elf Millionen Einwohner:innen überwältigt mich. Gleich bei Ankunft treibt mir der Verkehr den Stress-Schweiß auf die Stirn – Hupkonzerte, Rechtsabbieger in der Linksspur, überfüllte Busse. Das ist normal, lerne ich später und wünsche mir (wer glaubt’s) den Berliner Stadtverkehr herbei.

Hier treffen wir Sandra und Alex. Sie haben drei Kinder und vier Katzen – die sind nach Dostojewski-Figuren benannt. Sandra zeigt mir die Stadt und erklärt mir Dinge des Alltags, die ich nicht verstehe. Denn der Lima-Touristenführer liest sich wie ein „Survival Kit“: Wie erkenne ich Falschgeld? Wie werde ich vom Taxifahrer nicht abgezockt? Welche Buslinien sind sicher? Ich lerne: In Lima bedeutet Geld Sicherheit. Wer Geld hat, wohnt in sicheren Gegenden, nutzt sichere Taxis und isst Essen, das nicht krank macht.

In Lima treffe ich auch Monika und ihre Familie. Die gebürtige Peruanerin lebte 36 Jahre in München. Vor wenigen Monaten kam sie zurück nach Lima und kümmert sich um ihre alte Mutter. Die liebt Tiere – zeitweise 20 Katzen, aktuell fünf Hunde. Die sitzen auf meinem Schoß, als Monika mir von ihrem Tierschutzverein PeGa erzählt. Den gründete sie vor zehn Jahren. Er unterstützt Menschen, Organisationen und Tierheime in Peru, die sich um Straßentiere kümmern. „In Peru haben viele Menschen wenig, aber die Straßentiere haben nichts. Kaum jemand interessiert sich für sie“, sagt sie. Da musste sie etwas tun. Dann teilt Monika Geschichten von Menschen, die sich engagieren trotz Armut. Der Verein hilft ihnen mit Tierfutter. Der Abend ist voll solcher Erzählungen. Als wir uns verabschieden, umarmen wir uns herzlich und hoffen auf ein Wiedersehen.

Von Lima geht es nach Iquitos. Die 700.000-Einwohner:innen-Stadt liegt im Amazonasgebiet, im Norden des Landes. Es ist schwül und heiß, und auch hier empfängt uns ohrenbetäubender Straßenlärm. Wir treffen Walter Soplin. Seit Jahren bringt er Tourist:innen den Dschungel und indigene Gruppen näher. Vier Tage sind wir mit ihm, seinem Kollegen Juan und dessen Sohn Roslan unterwegs. Sie führen uns durch das Área de Conservación Regional Comunal Tamshiyacu Tahuayo – einen Nationalpark, gegründet von indigenen Gemeinden und Wissenschaftler:innen aus den USA. Das Ziel des Parkes ist Tierschutz. Der scheint zu funktionieren. Wir sehen Affen, Papageien und Jaguarspuren.

Im Nationalpark treffen wir Juans Familie. Sie lebt im kleinen Fischerdorf Nuevo Jerusalem (Neues Jerusalem). Juan zog dorthin, als er sich in Anna verliebte. Jetzt haben sie sieben Kinder. Die Familie lädt uns in ihre Holzhütte. Wir essen, reden und teilen Geschichten und sind beeindruckt von ihrer Warmherzigkeit. Als wir gehen, sind wir Teil der Familie. Sagt Anna. Wir umarmen uns, und Juan wünscht mir viel Glück im Leben. Mir wird klar: Glück bedeutet auch, Menschen wie sie zu treffen, die Herzlichkeit teilen und Gemeinschaft schaffen.