Es ist der achte Tag der Quarantäne für Eleonora Roldán Mendívil.
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BerlinHeute bin ich sehr früh aufgestanden, es ist mein achter Tag in Quarantäne. Die Frühlingssonne dringt selbst durch die dicken Vorhänge unserer Neuköllner Wohnung. Krass, dass es jetzt schon so warm ist – die globale Erderwärmung ist auch hier spürbar.

Ähnlich wie die Klimakatastrophe kennt die aktuelle Corona-Pandemie keine nationalen Grenzen. Ich bekomme mit, wie in Brasilien zum Beispiel Hausangestellte bei positiv getesteten, reichen Familien weiter arbeiten müssen. Viele dieser Arbeiterinnen und Arbeiter haben jedoch kaum oder keinen Zugang zum brasilianischem Gesundheitssystem und tragen das Virus direkt in die dicht bewohnten Favelas.

Die Informationen erhalte ich von einer brasilianischen Freundin, denn in den gängigen Medien finde ich hierzu nichts. Ein Großteil meiner Familie lebt in Peru. Dort schießen nun die Preise von Lebensmitteln und Alltagsgütern in die Höhe. Eine Freundin aus Lima erzählt mir von den Sorgen, für sich und ihre Mutter bis zum Ende des Monats nicht täglich genügend Essen auf den Tisch bringen zu können. Geschweige denn durch die Gehaltseinbußen ab kommendem Monat überhaupt noch die Miete zahlen zu können. Die alltägliche und die medizinische Versorgung von Millionen von Menschen besonders von Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien ist viel unsicherer als in Deutschland.  Dann kommt die Nachricht, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) anscheinend gerade diesen Ländern neue Kredite anbietet. Der „Katastrophenkapitalismus“, wie ihn die US-amerikanische Autorin Naomi Klein nennt, kommt in Gang, um auch in Notzeiten weiter Geld zu machen.

Eleonora Roldán Mendívil.
Foto: privat

In unserer WG ist währenddessen eigentlich gute Stimmung. Wir haben uns alle an den Alltag miteinander gewöhnt, verfolgen in unterschiedlichem Maße nationale und internationale Medien. Wir streiten uns nicht, auch wenn wir uns immer mal wieder kurz auf die Nerven gehen. Eher ist Lachen unser täglicher Begleiter. Mein Mitbewohner und ich liegen öfters auf der Couch und gucken uns die letzten Corona-Hits und Satire-Videos an – angeregt durch meine Mutter und sein Instagram-Konto.

Aber wir sind weiterhin produktiv, lesen viel und philosophieren   über Sinn und Unsinn dieser Situation sowie darüber, wie es nach der Quarantäne weitergeht.