Hier, am Standort einer früheren Textilfabrik, soll das Hostel errichtet werden.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin - In Berlin entstehen immer mehr Hostels, die preiswerte Übernachtungen möglich machen. Meist finden sie sich im Stadtzentrum, doch jetzt soll ein Riesen-Hostel mit mehr als 1300 Betten in Spandau entstehen, im gewerblich geprägten Gebiet an der Freiheit – nicht weit von einer Biogasanlage der Berliner Stadtreinigung (BSR), dem Klärwerk und der Müllverbrennungsanlage Ruhleben.

Bislang ist von den Plänen für die Riesen-Herberge wenig bekannt. Dass es das Projekt gibt, wurde jetzt durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts einer großen Öffentlichkeit bekannt. „Spandau: Groß-Hostel im reinen Arbeitsgebiet zulässig“, ist die Pressemitteilung des Gerichts vom Montagnachmittag überschrieben. Darin heißt es, dass das Hostel, das auf dem Areal einer ehemaligen Textilfabrik an der Freiheit 11 entstehen soll, „in der geplanten Form errichtet und betrieben werden“ könne. Das habe das Verwaltungsgericht in zwei Eilverfahren entschieden.

BSR klagt gegen Hostel-Bau in Spandau

Dagegen kann jedoch noch Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht eingelegt werden. Grund für den Rechtsstreit: Mehrere Betriebe aus der Nachbarschaft halten die Baugenehmigung für das Hostel für rechtswidrig und wollten diese mit den Eilanträgen außer Kraft setzen.  

Zu den Klägern gegen die Baugenehmigung gehört die Berliner Stadtreinigung. „Die BSR hält den geplanten Bau des Hostels für planungsrechtlich unzulässig und sieht ihre Nachbarrechte, insbesondere das Rücksichtnahmegebot verletzt“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. Die BSR befürchte, dass mit der Realisierung des Vorhabens der Betrieb der Biogasanlage eingeschränkt werde, „um Lärm- und Geruchsbeeinträchtigungen für das Hostel zu begrenzen“.

Verwaltungsgericht weist Anträge zurück

Einem weiteren Unternehmen, das sich gegen die Baugenehmigung wehrt, gehört ein Grundstück, auf dem eine Asphaltmischanlage betrieben wird. Den Betriebsstandort gibt es bereits seit 40 Jahren. Betrieben wird die Anlage von der Deutag Ost, die hier Asphalt in verschiedenen Sorten für den Straßenbau produziert.

Die Deutag, die an dem Standort in Spandau 77 Mitarbeiter beschäftige, habe ein großes und berechtigtes Interesse daran, dass die jetzige zulässige Nutzung nicht eingeschränkt werde, sagt Niederlassungsleiter René Meinert. Das Verwaltungsgericht ist den Einwänden der Betriebe bisher nicht gefolgt – und wies die eingereichten Eilanträge gegen die Baugenehmigung für das Hostel zurück. Begründung: Die Baugenehmigung verstoße nicht gegen Nachbarrechte.

Hostel-Projekt nicht rücksichtslos

So könne die BSR als Betreiberin der Biogasanlage eine Verletzung ihrer Rechte nicht geltend machen, weil ihr Grundstück in einem anderen Baugebiet liege, also zu weit entfernt sei. Die Ansprüche der anderen Kläger würden nicht verletzt, weil ihre Betriebe in einem Areal lägen, in dem „ausdrücklich Gewerbebetriebe aller Art zulässig“ seien.

Die Gefahr, dass das Gebiet durch das Hostel seine Prägung verliere, bestehe angesichts der „Überzahl großflächiger, stark emittierender Betriebe nicht“, erklärte das Gericht. Das Hostel-Projekt erweise sich auch nicht als rücksichtslos. Davon sei zwar dann auszugehen, wenn sich ein Vorhaben Störungen aussetze, die dazu führen könnten, dass störträchtige Unternehmen ihren Betrieb einschränken müssten.

Damit sei hier allerdings nicht zu rechnen. Denn das Hostel „schirme sich durch nicht zu öffnende Fenster gegenüber Lärm hinreichend ab“. Und: „Relevante Geruchsbelästigungen“ seien laut einem Gutachten nicht zu erwarten.

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Urteil wird geprüft

Ob die Betriebe die Gerichtsentscheidung akzeptieren, ist fraglich. So hat die Stadtreinigung seit Bekanntgabe der Baugenehmigung im Juli 2018 sämtliche denkbaren Rechtsmittel eingelegt, wie Unternehmenssprecherin Thümler sagt. Jetzt prüfe die BSR noch die Begründung des Gerichts, mit der die Eilanträge abgewiesen wurden. Deswegen könne die BSR derzeit noch keine Aussage zu weiteren Schritten machen.

Mit mehr als 1300 Betten dürfte das geplante Hostel in Spandau einer der größten Beherbergungsbetriebe in Berlin werden. Bis zu 16 Personen sollen sich dem Vernehmen nach ein Zimmer teilen. Zum Vergleich: Bisher gilt das Hostel One 80 in der Nähe des Alexanderplatzes mit 150 Zimmern und einer Belegung von bis zu acht Betten pro Zimmer als eines der größten Hostels

Hostel entspricht Tourismuskonzept

Das Aletto am Kudamm nennt sich zwar Hotel, wird aber auch schon mal als Hostel bezeichnet. Die 232 Zimmer bieten bis zu je sechs Betten Platz. Das geplante Hostel in Spandau ist mit seinen mehr als 1300 Betten sogar noch größer als die 2016 eröffnete Jugendherberge am Ostkreuz. Sie kommt auf 445 Betten.

Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin, beurteilt die Hostel-Pläne positiv. „Wenn in Spandau so ein Haus errichtet wird, entspricht das dem Tourismuskonzept des Senats, dass nicht alles im Zentrum ist“, sagt er. Und: Der Bau des Hotels Estrel in Neukölln mit mehr als 1000 Zimmern habe vor Jahren bewiesen, wie sich ein Standort durch ein solches Projekt komplett verändern kann.