Entlang der Grenze zu Polen werden Zäune aufgestellt.
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PotsdamDie bereits in Westpolen grassierende Afrikanische Schweinepest (ASP) ist nur etwa 20 Kilometer von der südbrandenburgischen Grenze entfernt. Deshalb will der Landkreis Elbe-Elster erreichen, dass die Jäger noch mehr Wildschweine jagen – vor allem Frischlinge, die wegen des geringen Gewichts schlecht zu vermarkten sind. 

Bislang muss ein Jäger für jedes erlegte Schwein, das für den Verzehr vorgesehen ist, eine Untersuchung machen lassen, ob das Tier von Trichinen befallen ist. Das sind Fadenwürmer, die beim Menschen für Krankheiten sorgen können. „Die Gebühr für diese Untersuchung wird ab dem 1. Februar für Tiere, die leichter als 30 Kilo sind, nicht mehr erlassen“, sagte eine Sprecherin des Veterinäramtes der Berliner Zeitung.

Die Untersuchung einer Probe kostet im Landkreis 7,70 Euro. Die Gebühr wird nun nur noch für große Wildschweine erhoben. Im vergangenen Jahr wurden bis Ende November im Kreis 4100 Schweine erlegt.

Das Ziel: Den Bestand schnell reduzieren

Es wird befürchtet, dass die für Menschen ungefährliche, für Wild- und Hausschweine aber meist tödliche Krankheit in den nächsten Wochen von Polen nach Brandenburg oder Sachsen eingeschleppt wird. Die Landesregierung und die Jäger setzen alles daran, den Bestand der Wildschweine möglichst schnell zu minimieren, damit sich die Krankheit – im Falle einer Einschleppung – nicht so schnell ausbreiten kann.

Das Problem ist, dass für Wildschweinfleisch durch das derzeitige Überangebot nicht mehr viel Geld zu bekommen ist. Die Landesregierung zahlt erhöhte bereits im April 2018 die Abschussprämie pro Tier von 30 auf 50 Euro.

In Grenznähe wurden auch Zäune errichtet. Das Flatterband soll sie optisch irritieren oder Elektrozäune solle sie abschrecken. Auch wurden vielerorts Duftstoffen ausgebracht, die die Schweine nicht mögen: Dort riecht es nach Bären, nach Pumas oder Menschen.

Auch "Drückjagden" sind nun im Kampf gegen die Schweinepest erlaubt

„Die Jäger sind aufgefordert, weiterhin alle jagdlichen Möglichkeiten auszunutzen, um die Wildschweine zu erlegen“, heißt es in einer Aufforderung der Landesregierung. Das von den Grünen geführte Umweltministerium erlaubt auch sogenannte Drückjagden. Dabei wartet der Jäger nicht im Hochstand, bis mal ein Wildschwein vorbeikommt, sondern Treiber und Hunde laufen lärmend durch den Wald und treiben die Tiere vor den Gewehre der Jäger. So können in kurzer Zeit viele Schweine erlegt werden.

Damit werden allerdings alle anderen Tiere gestört, für die ab 16. Januar eine alljähliche Schonzeit gilt, also Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild. Ihre Schonzeit kann nun bis 31. Januar aufgehoben werden.

Kritik kommt vom Verein Wildtierschutz. „Deutschland kennt im Hinblick auf die Wildschweinjagd seit langem kaum noch Tabus“, sagt Sprecher Lovis Kauertz. „Was aber die Grünen in Brandenburg zulassen, setzt dem Ganzen doch die Krone auf: die gesamte Fauna wird zum Freiwild.“