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Vor diesem Film hatte man doch Angst. Der teuerste Hollywood-Star dieser Tage gibt sein Regiedebüt, und alle schauen zu. Wohlwollen ist dabei eher nicht im Spiel, wohl aber Skepsis und Häme: Muss Angelina Jolie das jetzt auch noch machen? Reicht es diesen Tinseltown-Legenden denn nicht, weltberühmt, superreich und wunderschön zu sein? Warum wollen sie unbedingt noch Anerkennung als Künstler?

Wer so fragt, weiß nichts vom Gefängnis einer Mega-Prominenten-Existenz und dem gelegentlich auftretenden Bedürfnis nach Entwicklung durch neue Herausforderungen und nach Anerkennung durch eine im Kunstbetrieb als seriös geltende Leistung. Man nehme den Fall Madonna, die Frau erweist sich leider als glücklos im Regiefach. Wird Angelina Jolie ihr darin folgen?

Besser als Madonna - aber nicht gut

Die gute Nachricht ist, dass Jolies „In the Land of Blood and Honey“ besser ist, als es Madonnas Filme vermutlich je sein werden und gelungener auch als viele andere Regiedebüts.

Die schlechtere Nachricht lautet, dass dieser Film nicht gut genug, durchdacht genug ist – besonders darin, wie die Regisseurin mit dem hochsensiblen Thema der Massenvergewaltigung bosnischer Frauen durch serbische Militärs umgeht.

Zu Beginn zeigt Jolie, wie die Gewalt einbricht in den Alltag einer jungen Malerin, Ajla, und deren Schwester, die ein Baby hat. Eine Detonation später ist alles anders, unvorstellbar entsetzlich. Serbische Soldaten holen die bosnischen Männer ab, um sie – wie man seit Srebrenica weiß – zu erschießen, und sie deportieren die bosnischen Frauen, um diese dann in Lagern sexuell und anderweitig zu missbrauchen.

Einzelschicksal als roter Faden

Ajla (Zana Marjanovic) führt durch diesen Film; ihr Schicksal ist der rote Faden. Die schöne Bosnierin kennt den Serben Danijel (Goran Kostic) aus Vorkriegszeiten. Auf der Tanzfläche kamen sich beide näher, der Flirt wurde durch einen Bombenanschlag beendet. Nun ist Krieg, und Danijel kommandiert eine serbische Einheit. Er bemüht sich, Ajla, der er verfallen ist, zu schützen, indem er die Muslima vor den anderen serbischen Soldaten als sein Eigentum deklariert.
Diese Beziehung versucht Angelina Jolie nun in all ihrer Unmöglichkeit und Komplexität zu inszenieren: Ein serbischer Offizier, der seinen Status riskiert für eine bosnische Gefangene! Wo es derer doch unzählige gibt. Ajlas Skepsis gegenüber dem Geliebten spiegelt sich in Danijels Zweifeln an den sogenannten ethnischen Säuberungen, aber der Mann muss ja seinem Vater gehorchen, dem serbischen General Vukojevic.

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