Die Berliner Sicherheitsbehörden gehen offenbar systematisch gegen kriminelle arabische Clanmitglieder vor. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen stürmten Polizisten am Montag die Wohnungen und Geschäftsräume der polizeibekannten Familie R.

Dieses Mal ist es der Handel von Drogen „in nicht geringer Menge“, der den Beschuldigten vorgeworfen wird. Fünf Männer wurden vorübergehend festgenommen. Die Durchsuchungen fanden in den Stadtteilen Tiergarten und Kreuzberg statt.

Nach Informationen der Berliner Zeitung wurden vier Wohnungen und ein Geschäft durchsucht: an der Pohlstraße, der Körnerstraße, der Graefestraße, der Eisenacherstraße und am Mehringplatz. Die Festgenommenen sind 18, 19 und 27 Jahre alt. Vier von ihnen gehören zur berüchtigten Großfamilie R., einer zur kurdisch-libanesischen Familie El-Z.

„Bunkerfahrzeug“ wurde beschlagnahmt

Bei der Razzia wurden die Polizisten vom SEK unterstützt. Alle Beschuldigten werden von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, große Mengen Rauschgift gehandelt zu haben. Ein 18-Jähriger wurde bei der Festnahme verletzt, weil er Widerstand geleistet haben soll. In seiner Wohnung in der Körnerstraße fanden die Polizisten scharfe Munition.

Beschlagnahmt wurde neben Computern und Datenträgern auch ein Porsche in Tiergarten. In dem Fahrzeug entdeckten die Fahnder nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Kilo Cannabis.

Das Fahrzeug, das als „Bunkerfahrzeug“ benutzt wurde, wurde beschlagnahmt. Seit einer Gesetzesnovelle vor einem Jahr können die Behörden leichter Vermögen einziehen, das mutmaßlich aus Straftaten stammt. Nach Angaben der Senatsjustizverwaltung gab es im vergangenen Jahr in 791 Verfahren rechtskräftige Einziehungsentscheidungen mit einem Gesamtwert von über 19 Millionen Euro.

In diesem Jahr kassierte das Land bis zum Stichtag 18. Juli bereits in 2066 Verfahren 22,5 Millionen Euro ein. So beschlagnahmten die Behörden im Juli im Rahmen eines Geldwäscheverfahrens 77 Immobilien der Familie R. Der Gesamtwert wird auf 9,3 Millionen Euro geschätzt. Darunter ist auch eine 6000 Quadratmeter große Kleingartenanlage in Treptow-Köpenick.

Ermittler des Landeskriminalamtes beobachten seit einiger Zeit, dass Clans und andere Banden die aus kriminellen Geschäften erlangten Vermögen im Immobilienmarkt investieren. Die Familie R. steht bei den Ermittlern besonders im Fokus.

Mitglieder sollen auch hinter dem Diebstahl einer 100 Kilo schweren Goldmünze im Bode-Museum stecken. Auch ein Sparkassenraub in Mariendorf soll auf das Konto der Familie gehen. Eines der Oberhäupter sagte vor einigen Tagen dem Berliner Kurier: „Ich weiß davon nichts. Ich toleriere keine Kriminellen.“

Nach der Razzia erklärte Norbert Cioma von der Gewerkschaft der Polizei, es sei im „Kampf gegen die Hydra der organisierten Kriminalität“ wichtig, regelmäßig Zeichen zu setzen. Und der SPD-Innenexperte Tom Schreiber begrüßte gegenüber dieser Zeitung die „gezielten Nadelstiche“ gegen kriminelle Clans. Es sei gut, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nun Hand in Hand arbeiteten, sagte Schreiber.

„Man hat den Eindruck, dass mehr passiert als in den Jahren zuvor. Das zeigt auch, dass wichtig es ist, das Personal in den entsprechenden Ermittlungsabteilungen zu verstärken.“

Die Staatsanwaltschaft wird am Dienstag entscheiden, ob die Festgenommenen einem Haftrichter vorgeführt werden.