Berlin - Mit einem Autokorso wollen Freunde des in der Türkei in Gewahrsam genommenen Berliner Journalisten Deniz Yücel am Sonntag in Berlin für dessen Freilassung demonstrieren. 

Der Autokorso startet unter dem Motto "Free Deniz" um 15 Uhr vor dem Kino International in der Karl-Marx-Allee. Die Route führt über Alexanderplatz, Bundeskanzleramt, Potsdamer Platz, Rudi-Dutschke-Straße zum Oranienplatz in Kreuzberg.

Unter #Korso4Deniz wird in den sozialen Medien zu der Solidaritätsaktion aufgerufen. Mit der Veranstaltung solle ein Zeichen für Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gesetzt werden, heißt es in einem entsprechenden Aufruf auf Facebook. 

Der Türkei-Korrespondent der Welt befindet sich seit Dienstag in türkischem Polizeigewahrsam. Die Behörden werfen ihm Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Terrorpropaganda und Datenmissbrauch vor. Wie andere Reporter auch hatte Yücel im Oktober über E-Mails geschrieben, die das türkische Hacker-Kollektiv RedHack aus dem privaten Mail-Konto von Energieminister Berat Albayrak, dem Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan, beschafft hatte.

Deniz Yücel  besitzt deutsche und türkische Staatsbürgerschaft

Yücel ist der erste deutsche Journalist, der seit Verhängung des Ausnahmezustandes in der Türkei in Polizeigewahrsam genommen wurde. Der 43-Jährige besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Aus Sicht der türkischen Behörden ist er damit ein einheimischer und kein ausländischer Journalist.

Der Fall Deniz Yücel war am Samstag auch Thema bei der Berlinale. Der Direktor des Filmfestivals, Dieter Kosslick, solidarisierte sich bei der Gala mit dem Korrespondenten. Er hoffe, dass Yücel bald wieder freigelassen werde, sagte Kosslick und reckte kämpferisch die Faust in die Luft.

Angela Merkel: rechtsstaatliche Regeln einhalten

Kanzlerin Angela Merkel verlangt indes von der Türkei, im Ermittlungsverfahren gegen Yücel rechtsstaatliche Regeln einzuhalten. Bei einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim am Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz habe Merkel den Fall ausführlich angesprochen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. „Sie hat darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass Herr Yücel durch die deutsche Botschaft umfassend konsularisch betreut werden kann. Die Bundeskanzlerin drückte die Erwartung der Bundesregierung aus, dass Deniz Yücel eine faire und rechtsstaatliche Behandlung erfährt.“

Auch SPD-Generalsekretärin Katarina Barley forderte für den Journalisten ein rechtsstaatliches und schnelles Verfahren. „Mit Terror-Vorwürfen macht Erdogan seine Gegner und die Kritiker der AKP-Regierung mundtot“, kritisierte sie. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: „Das Notstandsdekret erlaubt Erdogan nicht nur kritische türkische Journalisten zu inhaftieren, sondern nun auch Druck auf ausländische Journalisten auszuüben.“

Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, forderte „ein faires und rechtsstaatliches Verfahren“. Die Journalistengewerkschaft dju verlangte die Freilassung Yücels. „Er hat (...) über einen Hackerangriff auf den türkischen Energieminister Albayrak recherchiert“, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß. „Das ist kein Verbrechen, sondern seine Arbeit.“ (mit dpa)