Inflation in Berlin: Lebensmittelpreise rasen weiter nach oben

Während sich die Teuerungsrate im November insgesamt etwas abschwächte, muss für Mehl, Zucker, Fleisch und Gemüse noch tiefer in die Tasche gegriffen werden.

Zahlreiche Händler beobachten vor dem Hintergrund der steigenden Inflation ein verändertes Kaufverhalten ihrer Kunden.
Zahlreiche Händler beobachten vor dem Hintergrund der steigenden Inflation ein verändertes Kaufverhalten ihrer Kunden.dpa/Boris Roessler

Nachdem die Inflation im Oktober in Berlin bereits die 9,9-Prozent-Marke erreicht hatte, galt der Sprung auf über zehn Prozent fast schon als sicher. Tatsächlich aber ging es im November in die Gegenrichtung. „Die Teuerung hat sich etwas abgeschwächt“, sagt Katja Kirchner, Leiterin des Referats Preise und Verdienste beim Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Demnach kosten Waren und Dienstleistungen in der Stadt derzeit im Schnitt 9,1 Prozent mehr als im November vergangenen Jahres. In Brandenburg liegt die Inflation indes noch immer bei 10,5 Prozent. Im Oktober waren es 10,8 Prozent.

Befeuert wurde der weiterhin hohe Preisanstieg erneut vor allem durch die teurere Energie. Die Gaspreise liegen in Berlin derzeit wie schon im Oktober nahezu unverändert um etwa 85 Prozent über dem Vorjahresniveau. Heizöl kostet indes nur noch 54 Prozent mehr, während es sich im Oktober im Vorjahresvergleich noch um 92 Prozent verteuert hatte. Insgesamt stiegen die Energiepreise damit nicht mehr um 35 Prozent wie noch im Oktober. Dennoch ist Energie in Berlin noch immer 28,6 Prozent teurer als im November vergangenen Jahres.

In Brandenburg dagegen wurde Gas im November nochmals teurer. Dort kletterte die Teuerung gegenüber dem Vormonat von 111 auf 121 Prozent. Auch für Kohle oder Holzpellets muss wesentlich tiefer in die Tasche gegriffen werden. In Berlin stiegen die Preise dafür um 67,0 Prozent, in Brandenburg indes um 84,4 Prozent. Nur bei den Kraftstoffpreisen verlangsamte sich die Teuerung in beiden Ländern und ging von knapp 22 auf etwa 13 Prozent zurück.

Dafür setzten die Nahrungsmittelpreise ihre rasante Teuerung fort. Hatten diese bereits im Oktober mit 20,8 Prozent einen langjährigen Rekord markiert, so kosten Lebensmittel jetzt in Berlin 21,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. In Brandenburg stiegen die Preise um 22,2 Prozent. „Der Preisanstieg bei Lebensmitteln ist doppelt so hoch wie die Gesamtteuerung“, sagt Katja Kirchner. Und: „Es sind abermals die höchsten Preissteigerungen seit 1991.“

Erzeugerpreise in der Landschaft um fast 40 Prozent gestiegen

Dabei ist der ermittelte Preisanstieg um mehr als ein Fünftel innerhalb eines Jahres nur ein Durchschnittswert. Für Weizenmehl sind derzeit in Berlin 75,6 Prozent mehr zu zahlen. Butter kostet 41,2 Prozent extra, Margarine plus 35 Prozent. Der Aufschlag für Sonnenblumen- und Rapsöl liegt bei 81,9 Prozent. Fleisch wurde um 20,4 Prozent teurer. Nudeln kosten 42,2 Prozent mehr, Kaffee 23 Prozent. Für Zucker wird 55,9 Prozent mehr verlangt.

Auch Gemüse wurde deutlich teurer. In Berlin gingen die Preise um durchschnittlich 18 Prozent nach oben, wobei sich Produkte von hiesigen Feldern wie Zwiebeln, Weißkohl, Sellerie, Möhren oder Kartoffeln nach Angaben der Statistiker besonders stark verteuerten. Beim Deutschen Bauernverband wird das wiederum vor allem mit gestiegenen Kosten unter anderem für Energie und Düngemittel begründet.

Tatsächlich hatte das Statistische Bundesamt bereits vor wenigen Wochen deutlich gestiegene Erzeugerpreise auch für landwirtschaftliche Produkte gemeldet und in der Folge weiter steigende Verbraucherpreise für Lebensmittel erwartet. Laut dem Statischen Bundesamt waren die Erzeugerpreise im September um 39,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Im August lag das Plus noch bei 34,5 Prozent. 33,4 Prozent waren es im Juli.

Bundesweit hatte sich die Teuerung der Verbraucherpreise im November ebenfalls leicht abgeschwächt. Das Statistische Bundesamt bezifferte die Inflationsrate nach einer ersten Schätzung auf 10,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Oktober hatte die Teuerung noch bei 10,4 Prozent gelegen. Damit wird auch die Kaufkraft der Beschäftigten in Deutschland weiter schrumpfen. Bereits zwischen Juli und September waren die Reallöhne hierzulande um 5,7 Prozent geschrumpft. Seinerzeit betrug die Inflationsrate 8,4 Prozent.