Berlin - Nach dem Urteil zitterten Thorsten Willenbrock die Hände. „Ich könnte fast heulen“, sagte der Mitinhaber des Buchladens Kisch & Co. in Kreuzberg, dessen Räumung das Landgericht Berlin zuvor am Donnerstag angeordnet hatte. „Mit einem Urteil in dieser Klarheit hatte ich nicht gerechnet.“ Vor dem Fenster des Kriminalgerichts standen derweil gut 150 Demonstrierende und setzten sich lautstark für den Erhalt des für sie wichtigen Kulturortes nach über 23 Jahren im Kiez ein. Vorerst vergeblich.

„Der Beklagte wird verurteilt, die Räumlichkeiten in der Oranienstraße 25 zu räumen“, verkündeten die Richter um 10.33 Uhr, nach nur 20-minütiger Verhandlung und gerade mal drei Minuten Beratung. Damit gab das Gericht der Klage des Hauseigentümers statt, der „Victoria Immo Properties V S.a.r.l.“, einem Immobilienfonds mit Luxemburger Adresse. Der Mietvertrag des Buchladens war im Mai 2020 ausgelaufen, seither kämpften Inhaber und Aktivisten um einen Verbleib des Ladens, der in der linken Szene in Berlin als Symbol im Kampf gegen Gentrifizierung gilt. Auch Prominente wie die Schriftstellerin Elfriede Jelinek, die Schauspielerin Meret Becker oder der Politiker Gregor Gysi unterschrieben für Kisch & Co., benannt nach dem Journalisten und Schriftsteller Egon Erwin Kisch (1885–1948).

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