Beim gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung – der sogenannten Inklusion – sind Berlin und Brandenburg weiter als viele andere Bundesländer. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge besucht jedes zweite Kind mit Förderbedarf in Berlin eine Regelschule. Mit einer Inklusionsquote von 54,5 Prozent liegt die Stadt damit deutlich über dem Bundesschnitt von 31,4 Prozent, teilte die Stiftung am Donnerstag mit. In Brandenburg besuchen fast 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Regelschule – ein hervorragendes Ergebnis für ein Flächenland.

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske dazu am Donnerstag: „In diesem Bereich haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel erreicht. Das ist dem starken Engagement unserer Lehrkräfte, aber auch der Schulträger zu verdanken.“ Noch besser als in Berlin und Brandenburg ist die Situation nur in Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg.

Inklusion klappt bei den Kleinen

Besonders hoch ist der Inklusionsanteil an den Grundschulen, aber auch Integrierte Sekundarschulen nehmen viele Schüler mit Förderbedarf auf. Zugleich besuchen immer weniger Kinder eine Förderschule. Die Chance auf einen Hauptschulabschluss an diesen Schulen ist in Berlin ebenfalls besser als im Bundesdurchschnitt.

2009 hat sich Deutschland mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, Schüler mit und ohne Handicap gemeinsam zu unterrichten. Seitdem steigen die Anteile inklusiven Unterrichts in deutschen Klassenzimmern. Von einem inklusiven Bildungssystem – vor allem an weiterführenden Schulen – ist man aber noch weit entfernt. Je höher die Bildungsstufe, desto geringer sind die Chancen auf Inklusion.

Die ist in Kitas bereits weit verbreitet. Und auch die Grundschulen nehmen immer mehr Förderschüler auf. Doch sobald Kinder mit und ohne Handicap eine weiterführende Schule besuchen, müssen sie in der Regel getrennt lernen. Von den 71.400 Förderschülern bundesweit in den Schulen der Sekundarstufe lernt nur jeder Zehnte an Realschulen oder Gymnasien. Auch in der Berufsausbildung ist Inklusion noch die Ausnahme.

„Das ist eine nächste große Aufgabe, die wir anpacken müssen“, sagte Minister Baaske. „Wir wollen, dass möglichst viele Jugendliche mit den unterschiedlichsten Lernbeeinträchtigungen einen bundesweit anerkannten Schulabschluss erhalten. Das verbessert ihre beruflichen Chancen ganz erheblich“.

Im Herbst 2015 werden die Universität Potsdam und das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Pilotprojekt „Inklusive Grundschule“ des Brandenburger Bildungsministeriums vorlegen. Diese seien laut Baaske mitentscheidend dafür, wie es mit der Inklusion – also der Schule für alle – im Land Brandenburg insgesamt weitergehe. „Wir wollen die Inklusion voranbringen, aber mit Augenmaß und immer mit einem Blick auf die tatsächlichen örtlichen Möglichkeiten“, sagte der Brandenburger Bildungsminister am Donnerstag.

Die 75 öffentlichen Pilotschulen setzen ihre Arbeit für zunächst zwei weitere Jahre unter den Bedingungen des Pilotprojekts fort. Zu ihrer Sonderausstattung gehören 109 Lehrkräfte zusätzlich. (dpa/ste.)