Berlin - In der dunklen Aula sitzen gut 30 Schulleiter auf kleinen Stühlen im Halbkreis vor ihrer Dienstherrin, der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Direktoren sind meist gut 50 Jahre alt und wollen in der Charlottenburger Friedensburg-Sekundarschule mit der Senatorin über die Lage an ihren Schulen reden. Auf Einladung der GEW-Schulleitervereinigung. Vor allem ein Wort sorgt für Unsicherheit: Inklusion. Kinder mit Behinderungen sollen verstärkt an Regelschulen unterrichtet werden, viele Förderschulen gerade für lern- und sprachbehinderte sowie verhaltensauffällige Kinder sollen aufgegeben werden.

„Wir nehmen bereits seit 2007 solche Kinder auf“, sagt Schulleiter Robert Giese von der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule. Aber weder die personelle Ausstattung noch die baulichen Voraussetzungen – etwa Aufzüge für die Barrierefreiheit – seien seither geschaffen worden. Das sei nicht zu verantworten, sagt Giese. Die Inklusion dürfe die Schulen nicht beschädigen, sagt ein anderer Schulleiter.

Deutlich weniger Förderstunden

Es geht um die Ausstattung mit Sonderpädagogen, die behinderten Schülern helfen und sie auf Abschlüsse vorbereiten sollen. Tempelhof-Schöneberg war bisher vorbildlich, was die Integration von behinderten Kindern an Regelschulen anging. „Doch nun stehen wir schlechter da als vor ein paar Jahren“, sagt Ellen Hansen von der Werbellinsee-Grundschule.

Ein zentrales Problem: Die Mittel für sonderpädagogische Förderstunden sind gedeckelt. Aber es haben immer mehr Kinder Anspruch auf zusätzliche Betreuung. Deshalb erhält nun jede Schule deutlich weniger Förderstunden als früher. Ein Schulleiter aus Wilhelmsruh beschwert sich über die seitenlangen Formulare, mit denen nun Förderanträge gestellt werden müssen. Zum Ausfüllen brauche man gut drei Stunden. Senatorin Scheeres sagt, dass dies vereinfacht werden soll.

Im Übrigen sei ihr klar, dass bei den Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2014/15 zusätzliches Geld für die Inklusion bereit gestellt werden müsse. Sie werde sich da mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum fetzen, so Scheeres wörtlich. Wie viel Geld sie mehr haben will, lässt sie offen. Verhandlungssache. „Wichtig ist, dass das Geld auch bei den Kindern ankommt“, sagt Sabine Scholze von der Grünauer Schule.

Lehrer meiden Problemschulen

Im Beirat für Inklusion, der sich auf ein Gesamtkonzept einigen soll, ist von einem sehr hohen zweistelligen Millionenbetrag die Rede – für zusätzliches Personal und Umbauten. Dort ist auch ein weiterer folgenreicher Beschluss gefasst worden: Vor der Einschulung soll gar nicht mehr festgestellt werden, ob ein Schüler lern-, sprachbehindert oder verhaltensauffällig ist. „Die Defizite der Kinder sind uns dann erst mal unbekannt“, kritisieren Schulleiter gegenüber der Senatorin. Förderschulen fühlen sich bereits jetzt benachteiligt. Denn Grundschul-Konrektoren dürfen künftig weniger unterrichten, um sich stärker um die Schulorganisation zu kümmern. Wir bleiben außen vor“, kritisiert der Leiter einer Förderschule.

Andere drängende Themen sind die hohe Zahl der dauerkranken Lehrer, der Erziehermangel und die Furcht vieler Lehrer, an Schulen in sozialen Brennpunkten zu arbeiten. Cynthia Segner, Leiterin des Gymnasiums in Tiergarten, weist noch auf zunehmende Gegensätze zwischen älteren, noch verbeamteten und jüngeren angestellten Lehrern hin. Statt nur ältere Pädagogen zu entlasten, sollten alle eine Stunde weniger unterrichten, wünscht sie sich. Der Senatorin attestierten die Schulleiter abschließend, sich im ersten Amtsjahr gut eingearbeitet zu haben. Immerhin.