Berlin - Seit Jahren gibt es Beschwerden über Lärm im Treptower Park. Vor allem Anwohner der Stralauer Halbinsel auf der gegenüber liegenden Spreeseite stören sich am Partykrach, der übers Wasser herüberweht. Betroffen ist das Restaurant Zenner, wo an lauen Sommerabenden gern Schlagerpartys gefeiert werden. Betroffen ist der Spreepark, wo sich zwar keine Karussells mehr drehen, aber regelmäßig Musikevents stattfinden. Vor allem betroffen ist aber die Insel der Jugend, wo seit zwei Jahren der Verein Kulturalarm die Jugendfreizeiteinrichtung des Bezirks Treptow-Köpenick wieder belebt hat. Mit Theater, Kino, Flohmarkt – und mit Konzerten.

Beschwerde von der Insel der Jugend selbst

Doch in diesem Jahr ist dort alles anders: Die Veranstaltungen im Park werden vom Umweltamt Treptow-Köpenick besonders aufmerksam beobachtet. 18 Mal dürfen (angemeldete) Events beim nächsten Nachbarn 70 Dezibel laut sein, so laut ist eine Hauptverkehrsstraße. Alle anderen Events dürfen 55 Dezibel beim Nachbarn nicht überschreiten, das entspricht in etwa einem normalen Gespräch.

Ausgangspunkt für die amtliche Aufmerksamkeit ist wieder mal eine Beschwerde – nur dass sie diesmal nicht von Stralau, sondern von der Insel der Jugend selbst kam. Dort gibt es seit Jahren ein Heim für betreutes Wohnen. Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Familien leben können, sind dort untergebracht. Seit zwei Jahren betreut das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk EJF dort auch Kleinkinder und Säuglinge. EJF-Betreuer hätten sich ans Umweltamt gewandt und sich über Lärm aus dem benachbarten Insel-Klub beschwert, teilt Bürgermeister Oliver Igel (SPD) mit. Weil Wohnen das höchste Schutzgut sei, wurde das Umweltamt sofort tätig. Igel: „Der Schallpegel muss laut Bundesemissionsschutzgesetz an der jeweils nächsten Wohnung gemessen werden.“ Und die liegt jetzt eben nicht mehr wie bisher auf Stralau, sondern im EJF-Heim, faktisch neben der Konzertbühne auf der Insel.

"Leise Konzerte weiterhin machbar"

Wie nun die 18 „lauten Konzerte“ in diesem Jahr verteilt werden, wie viele davon also auf der Insel stattfinden und wie viele an den anderen Party-Orten im Park, muss jetzt entschieden werden. Bau- und Umweltstadtrat Rainer Hölmer (SPD) sagt: „Leise Konzerte sind weiterhin machbar, das Problem ist elektronische Musik mit ihren tiefen Bässen.“ Er möchte eine weitere Eskalation verhindern und die Beteiligten an einen Tisch holen.

Schon mehrfach war Partylärm Thema im Bezirk. Weil man die Freilichtbühne Wuhlheide nicht gefährden wollte, verbot der Bezirk den Bau einer Jugendherberge in der Nachbarschaft. Und nach Beschwerden über ein zu lautes und zu langes Techno-Spektakel im Spreepark wurde im vergangenen Jahr gegen den Veranstalter ein Bußgeld verhängt. Der widersprach, demnächst trifft man sich vor Gericht.