Berlin - Die zur Augsburger Bahnergruppe gehörende Kette hat Anträge auf Einleitung eines Insolvenzplanverfahrens sowie auf Eigenverwaltung gestellt, wie das Unternehmen am Freitag bestätigte. Das Amtsgericht Augsburg hat den Anträgen stattgegeben. Das bedeutet, dass die bisherige Geschäftsführung weiter im Amt bleibt, doch wird sie von einem eingesetzten Sachverwalter kontrolliert. Die Geschäftsführung hat nun drei Monate Zeit, um einen Plan vorzulegen, wie das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich weitergeführt werden kann. „Wir sind guter Hoffnung, dass uns das gelingt“, verlautete aus der Unternehmenszentrale. Eine Garantie zum Fortbestand der Arbeitsplätze könne man jedoch nicht geben.

Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind in Berlin und Brandenburg insgesamt rund 400 Beschäftigte betroffen. Zurzeit betreibt Leiser 21 Geschäfte in Berlin, dazu kommen elf Filialen der Schwestermarke Schuhhof. In Brandenburg gibt es zwei Leiser- und vier Schuhhof-Läden. Bundesweit beschäftigt das Unternehmen rund 1 400 Mitarbeiter in 130 Filialen. „Wir hoffen, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Petra Ringer.

Zuversichtlich in die Zukunft

Die Löhne und Gehälter sind ihren Angaben zufolge für die Monate März, April und Mai gesichert. Das Unternehmen habe Insolvenzausfallgeld bei der Arbeitsagentur beantragt. Leiser-Mitarbeiter in Berlin zeigen sich optimistisch. „Wir sind zuversichtlich für die Zukunft“, erklärte eine Mitarbeiterin am Freitag. „Wir stehen zu Leiser“, sagten Verkäuferinnen in mehreren Filialen der Stadt.

Über die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Leiser ist nach Gewerkschaftsangaben wenig bekannt. Seit einigen Jahren versucht das Unternehmen, die Ausgaben zu verringern. Nach Angaben des Branchenblatts „Schuhkurier“ hatte es zuletzt Verhandlungen mit potenziellen Investoren gegeben. Nachdem die letzten beiden potenziellen Geldgeber ausgestiegen seien, habe die Kette das Insolvenzplanverfahren eingeleitet.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, sagte am Freitag, die Schuhbranche sehe sich einem „massivem Wettbewerbsdruck“ ausgesetzt. Zum einen gebe es die Internet-Firmen, die Schuhe anbieten, zum anderen gebe es Seiteneinsteiger, die ihr Sortiment um Schuhe erweitern. Dazu gehöre auch die Firma Innova, die nun in Pankow auch in den Verkauf von Markenschuhen einsteige.

Online-Konkurrent eröffnet Laden

Einer der Konkurrenten von Leiser, das Online-Versandhaus Zalando, hat am Donnerstag einen Laden an der Köpenicker Straße 20 in Kreuzberg eröffnet. Auf 800 Quadratmetern können dort Kunden aus 10 000 Artikeln wählen. Um Zutritt zu dem Fabrikverkauf zu bekommen, müssen sich die Kunden vorab im Internet registrieren. Mehrere Tausend taten dies bereits. Am Eröffnungstag seien mehr Kunden gekommen als man erwartet habe, sagte Zalando-Mitarbeiter Tobias Schulz.

Dass der Name Leiser aus dem Berliner Stadtbild verschwindet, kann sich Handelsverbandschef Busch-Petersen schwer vorstellen. „Das ist eine Legende“, sagte er. Das erste Leisergeschäft war 1891 an der Oranienstraße eröffnet worden. Anfang der 20er-Jahre entwickelte sich Leiser zu Berlins größtem Schuhhandelsunternehmen.