Die Fluggesellschaft Air Berlin hat Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte die Fluggesellschaft am Dienstag mit. Nach Angaben des Unternehmens bleiben alle gebuchten Tickets gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es am Dienstagnachmittag auf der Internet-Seite von Air Berlin.

Alle Flüge von Air Berlin und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar.

Etihad versagt Air Berlin weitere finanzielle Hilfen

Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man „zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, hieß es in einer Pflichtmitteilung der Fluggesellschaft an die Börse.

Vor diesem Hintergrund hätten sie beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, teilte Air Berlin mit. Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens würde das Management des Unternehmens weiter die Geschäfte führen.

Etihad überwies 50 Millionen nicht

Der Insolvenzantrag hat sich bereits in der vergangenen Woche abgezeichnet. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfuhr, überwies Etihad am Mittwoch eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht. Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, Air Berlin künftig nicht mehr zu unterstützen, hieß es. Die 50 Millionen Euro wären Teil eines Darlehens über 350 Millionen Euro gewesen, den der Großaktionär Etihad Air Berlin Ende April zugesagt hatte.

Etihad teilte am Dienstag mit, das Geschäft von Air Berlin habe sich zuletzt „rapide verschlechtert“. Deshalb hätten „entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden“ können.

„Unter diesen Gegebenheiten kann Etihad als Minderheitsgesellschafter keine weitere Finanzierung leisten, welche unsere Verbindlichkeiten erhöhen“, stellte der Staatskonzern aus Abu Dhabi fest. Man sei „weiterhin bereit dabei zu unterstützen, eine kommerziell gangbare Lösung für alle Beteiligten zu finden“.

Die neue Lage hatte die börsennotierte Air Berlin nach Darstellung aus unternehmensnahen Kreisen nicht sofort per Ad-hoc-Mitteilung melden müssen, weil sie sich damit selbst geschadet hätte. Ohne weitere Gespräche hätte das die sofortige Einstellung des Flugbetriebs bedeutet.

Bundesregierung unterstützt Air Berlin mit Übergangskredit

„Es werden Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Beteiligten zur Veräußerung von Betriebsteilen geführt“, teilte Air Berlin weiter mit. Die Bundesregierung unterstütze Air Berlin mit einem Übergangskredit abgesichert durch eine Bundesbürgschaft, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die Bundesregierung stellte nach eigenen Angaben einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung. „Der Flugbetrieb von Air Berlin kann in vollem Umfang fortgeführt werden. Eine Einstellung des Flugbetriebs wird so vermieden“, teilte Air Berlin mit. Der Übergangskredit sichere den Flugbetrieb für ungefähr drei Monate, so Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Lufthansa will Teile übernehmen

Die Lufthansa teilte mit, sie unterstütze gemeinsam mit der Bundesregierung die Restrukturierungsbemühungen der Fluggesellschaft. „Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von Air Berlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können.“

Die Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air-Berlin-Gruppe böten auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal. „Lufthansa beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen.“

Eine Übernahme wäre aus Sicht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kartellrechtlich unproblematisch. Die Kartellfrage stelle sich nicht, weil es sich nicht um eine Komplettübernahme handele, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Es gebe Gespräche mit mehreren Airlines für die Übernahme von Teilen der insolventen Fluggesellschaft. „Die Verhandlungen sind weit fortgeschritten, gerade auch mit der Lufthansa“, sagte Dobrindt. Sie könnten in absehbarer Zeit abgeschlossen werden.

Die Bundesregierung sei Freitagnacht darüber informiert worden, dass der Großaktionär Etihad Air Berlin nicht mehr unterstützen wolle. Das Auswärtige Amt und die Ministerien für Finanzen, Wirtschaft und Verkehr sowie das Bundeskanzleramt hätten daraufhin das Vorgehen der Bundesregierung untereinander abgestimmt. Das Luftfahrtbundesamt erhalte die Betriebsgenehmigung für Air Berlin aufrecht, zusammen mit dem 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes sichere das den Flugbetrieb bis Ende November, sagte Dobrindt. 

Arbeitsplätze in Gefahr

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht sei „für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock“. Etihad lasse Air Berlin „fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben“, kritisierte VC. „Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht.“ 

Die Gewerkschaft Verdi will in der Insolvenz möglichst viele Arbeitsplätze retten. Innerhalb von drei Monaten müsse eine Lösung gefunden werden, sagte das Bundesvorstandsmitglied Chritine Behle. Es brauche Transparenz und Einbeziehung der Gewerkschaften in die weiteren Planungen. Der Gang in die Insolvenz sei ein harter Schlag für die Beschäftigten von Air Berlin.

Berliner Senat reagiert mit Bedauern auf Insolvenzantrag

Der Berliner Senat hat „mit Bedauern“ auf den Insolvenzantrag reagiert. „Der Senat ist sehr interessiert daran, dass die Arbeitsplätze so weit wie möglich erhalten bleiben“, sagte Vize-Senatssprecher Julian Mieth. Er verwies in dem Zusammenhang auf Gespräche zwischen der Fluglinie und der Lufthansa zur Übernahme von Teilbereichen des Unternehmens.

Positiv sei, dass der Flugbetrieb dank eines Übergangskredits des Bundes vorerst weitergehen könne. „Menschen, die im Urlaub sind und mit Air Berlin zurückfliegen wollen, müssen sich also keine Sorgen machen, dass sie nicht mehr nach Hause kommen.“

Nach Mifa übernimmt Insolvenzverwalter Flöther bei Air Berlin

Der Jurist Lucas Flöther übernimmt nach eigenen Angaben als vorläufiger Sachwalter bei der insolventen Fluggesellschaft. Der erfahrene Insolvenzverwalter aus Halle werde ab sofort die Interesse der Gläubiger vertreten, sagte sein Sprecher.

Flöther wurde am Dienstag vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestellt. Er hatte zuletzt unter anderem den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt gerettet und bei der Pleite des Internetriesen Unister in Leipzig übernommen.

Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ online über die Personalie berichtet. Für die Information des Blattes, wonach der Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter bei Air Berlin eingesetzt werden soll, gab es zunächst keine Bestätigung. (dpa/BLZ)