Berlin - Jetzt, da das ganze Theater um die Vorherrschaft im Hause Suhrkamp offenbar vorbei ist, können alle Verlagsmitarbeiter und Autoren nur glücklich sein. Und das aus mehreren Gründen. Das Landgericht Berlin gab dem Verlag, so meldete es am Freitag die dpa, „endgültig grünes Licht für die geplante Umwandlung von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft“. Es wies damit die letzte Beschwerde des Mitgesellschafters Hans Barlach gegen den Sanierungsplan der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz zurück.

Das bedeutet, erster Grund zur Freude, die Verlegerin kann ihre Vorhaben umsetzen, mit ihren Mitarbeitern längst vorliegende Pläne verwirklichen. Und Barlach, der seit Jahren dagegen stänkerte und versuchte, sie zu entmachten, ist nun seinerseits entmachtet. Denn die bisherigen Gesellschafter werden zu Aktionären, haben als solche weniger Einfluss.

Keine Entlassungen geplant

Vorausgegangen sind mehrere Gerichtsurteile in verschiedenen Instanzen. In diesem Jahr wurden reihenweise Entscheidungen zurückgenommen. Man konnte leicht den Überblick verlieren. So heißt es in der Mitteilung des Berliner Landgerichts von Freitag, der Bundesgerichtshof habe bereits im Juli zwei Beschlüsse des Landgerichtes aufgehoben, die dasselbe Verfahren betrafen.

Im August hob außerdem das Berliner Kammergericht ein Urteil des Landgerichts vom Dezember 2012 auf, in dem Hans Barlach und seine Medienholding Winterthur AG auf die Ablösung der Verlagsgeschäftsführung unter Ulla Unseld-Berkéwicz geklagt hatten. Die war sowieso im Amt geblieben, weil sie die Revision abwartete, arbeitete an dem Insolvenzplan, der zeitweise abgelehnt worden war, aber bereits seit Januar legal ist und demnächst wiederum formal beendet werden soll.

Die Suhrkamp-Pressesprecherin Tanja Postpischl hatte zwar den Freitag über reihenweise Anfragen zu dem Urteil zu beantworten, freut sich aber, bald das juristische Thema los zu sein. Die Umwandlung des Verlags ist vermutlich kompliziert genug. Es sollen keine Mitarbeiter entlassen, aber die Arbeitsgrundlagen neu geordnet werden. So sind ja auch die Teilverlage wie Insel offiziell in die Insolvenz gegangen, aber praktisch betrifft das nur deren Namen. „Insel hat kein eigenes Personal“, so Postpischl, „formal handelt es sich beim Insel-Insolvenzverfahren um ein separates Verfahren, ganz praktisch jedoch wird mit der Suhrkamp-Entscheidung nun auch der Insel Verlag das Insolvenzverfahren beenden können.“

Und es wurden auch in der Zeit, als der Verlag unter Insolvenzverwaltung stand, Gehälter und Honorare gezahlt. Zeitweise sprang ein privater Investor ein. Die auf der Suhrkamp-Seite mit dem Drama Befassten haben sicher einen Lieblingssatz im jüngsten Urteil: „Gegen den nun vorliegenden Beschluss des Landgerichts ist ein regulärer Rechtsbehelf nicht gegeben.“ Die Sache ist zu Ende.

Der seit 2010 Berliner Verlag Suhrkamp (auch den Umzug aus Frankfurt am Main hatte Barlach verhindern wollen) mit Sitz in Prenzlauer Berg wird sogar die Villa der Verlegerin in Nikolassee weiter für Verlagsveranstaltungen nutzen, versichert Postpischl. „Bereits in Frankfurt gab es öffentliche Lesungen in privaten Räumen, das ist auch eine Art sich zu öffnen.“ Aber die Bezahlung dieser Räume durch den Verlag war doch einer der Streitpunkte? Die Pressesprecherin stimmt zu, doch angreifbar sei nur die Differenz zwischen Warm- und Kaltmiete gewesen. „Das haben wir natürlich korrigiert.“

Kompliziertes juristisches Hickhack

Und so fragt man sich, ob die ganze Aufregung wirklich nötig war. Hans Barlach kann nicht mehr mit dem Geld rechnen, das er per Gericht erstreiten wollte, zweieinhalb Millionen Euro erhoffte er aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs. Das Gericht hielt die Nachteile für Barlach für geringer als den Nachteil, der dem Verlag durch eine weitere Verzögerung des Insolvenzplans entstanden wäre.

Doch jetzt, da Hans Barlach als Verlierer dasteht, können alle Suhrkamp-Autoren doch nur begeistert darüber sein, wie ihr Verlag in den Jahren des Streits durch die Medien ging. Landauf, landab wurde über die „Suhrkamp-Kultur“ geschrieben, es wurden Filme gedreht und Schnipsel in den Nachrichtensendungen gezeigt. Kein anderer Verlag war dermaßen in der Öffentlichkeit präsent.

Das juristische Hickhack war kompliziert. Die Vorgeschichte, welche Männer sich seit dem Tod des langjährigen Verlegers Siegfried Unselds in welcher Weise um das Haus und seinen fantastischen Buchbestand bemüht hatten, war lang und verworren. Die einzige Frau aber in dem Spiel, Ulla Unseld-Berkéwicz, blieb cool. Wäre Suhrkamp an dem Streit zugrunde gegangen, das war der Tenor der meisten Kommentare, wäre die Bundesrepublik ein Stück ärmer geworden. Nun strahlt der Verlag als Sieger, und mit ihm die jüngst mit Preisen geehrten Autoren wie Lutz Seiler, Marcel Beyer, Peter Handke und Gertrud Leutenegger.

Allerdings, darauf weist nun die dpa hin, liegt in Karlsruhe noch eine Verfassungsbeschwerde von Barlach, weil er sich durch die neuen Insolvenzregeln in seinen Grundrechten beschnitten sieht. Über die Zulassung ist noch nicht entschieden.