Berlin - Sollten alle Ausländer wieder in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden? Sind die vielen Ausländer wesentlich schuld an der hohen Arbeitslosigkeit? Und müssen die Deutschen ihre eigene Kultur gegen Einwanderer verteidigen, notfalls mit Gewalt? Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Info hat diese Fragen 1010 repräsentativ ausgewählten Berlinern gestellt. Jeder Vierte der Befragten (26 Prozent) hat mindestens zwei der drei Fragen ganz oder teilweise zugestimmt, woraus das Institut auf eine prinzipiell negative Einstellung dieser Gruppe gegenüber Ausländern und Migranten schließt.

Aus einer Reihe weiterer Antworten ergibt sich ebenfalls, dass ein nicht unerheblicher Teil der Hauptstädter Vorbehalte und teils offene Abneigung gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen hat. 18 Prozent sehen in der islamischen Religion eine Bedrohung für die deutsche Kultur, 10 Prozent halten auch die jüdische Religion für eine Bedrohung – und bekennen sich am Telefon gegenüber den Interviewern ganz offen dazu. 15 Prozent finden, dass zu viele Ausländer und Migranten in Berlin leben, 17 Prozent fänden es „sehr unangenehm“, wenn Ausländer in der Nachbarschaft wohnten.

Deutsche Sprache wichtig für Integration

Dabei wird nach genehmen und weniger genehmen Nationen unterschieden. In Steglitz-Zehlendorf beispielsweise fänden 77 Prozent einen Griechen als Nachbarn angenehm, aber nur 56 Prozent einen Araber. In Marzahn-Hellersdorf würden nur 41 Prozent einen arabischen Nachbarn akzeptieren. In diesem Bezirk sowie in Treptow-Köpenick ist die negative Einstellung gegenüber Fremden am stärksten ausgeprägt. Dass man Migranten, die kein Deutsch können, des Landes verweisen sollte: Solche und ähnliche Forderungen stoßen in Marzahn-Hellersdorf fast durchweg auf die höchste Zustimmung. Aber auch in Spandau und Reinickendorf liegt die Abneigung gegenüber Migranten über dem Berliner Schnitt.

Offenkundig spielt bei solchen Einstellungen weniger die Ost-West-, sondern die soziale Frage eine Rolle. Abneigung gegen Fremde haben meist ältere Personen mit einer schlechten Schulbildung und oft niedrigeren Einkommen – und solche, die wenig Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern haben. Das ist im Ostteil häufiger so als im Westen Berlins.

Dass die deutsche Sprache wichtig für die Integration ist, meinen fast alle in der Stadt. Verpflichtende Deutschkurse finden über 90 Prozent gut – Einheimische und Migranten. Jedenfalls die, die die Frage des Instituts dazu verstehen und beantworten können. Dazu ist aber laut Info-Institut im Schnitt nur jeder zweite Angerufene mit Migrationshintergrund in der Lage.