Berlin. - Obwohl Migrantenvertreter das gesamte Auswahlverfahren kritisiert haben, hat der Senat am Dienstag Monika Lüke zur neuen Integrationsbeauftragten ernannt. Im blauen Sommerkleid und spürbar nervös stellte die 43-jährige Juristin sich anschließend der Öffentlichkeit vor. Sie wolle Fürsprecherin der hier lebenden Migranten sein, sagte Monika Lüke. Das schließe aber auch Kritik an bestimmten Phänomenen wie Antisemitismus mit ein. Generell verstehe sie sich als Türöffner für Migranten, damit diese stärker am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Dazu gehörten auch ärztliche Versorgung und Schulbesuch für alle.

Lüke für würdevollen Lebensabend von älteren Migranten

Wichtig sei die interkulturelle Öffnung der Berliner Verwaltung, der Anteil der Auszubildenden nichtdeutscher Herkunft im Landesdienst solle auf 25 Prozent erhöht werden, sagte Lüke, die als Tochter einer Pastorenfamilie in Dortmund aufgewachsen und nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren SPD-Mitglied ist. „Integrationspolitisch ist Berlin vielfach schon Vorreiter“, stellte sie fest. Aber es gebe viel zu tun: Ausländerbehörde und auch Bezirke könnten Zuwanderern noch stärker das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein.

Ein große Herausforderung sei es auch, für einen würdevollen Lebensabend von älteren Migranten zu sorgen. „In Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg sind heute schon 30 Prozent aller Migranten über 55 Jahre alt.“ Pflege und Betreuung würden zu einem wichtigen Thema.

Lüke setzte sich in dem von Arbeits- und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) geleiteten Auswahlverfahren gegen 62 Bewerber als Nachfolgerin von Günter Piening durch. „Doch der Start war suboptimal“, räumte die ehemalige Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, ein. Fast alle Migrantenvertreter im Landesbeirat für Integrationsfragen hatten die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung von Monika Lüke boykottiert. Sie sahen sich am Auswahlverfahren nicht beteiligt und kritisierten, dass Lüke als Abteilungsleiterin eingestellt werde und damit nicht mehr eine unabhängige Position auf Senatorenebenen bekleide.

Senatorin Kolat betonte, dass rechtlich alles streng nach dem neuen Integrationsgesetz gelaufen sei. Lüke habe nun eine „Doppelfunktion“: Als Beauftragte müsse sie in der Öffentlichkeit agieren und Kontakte zu den Migrantengruppen aufbauen. Und als Abteilungsleiterin mit 24 Mitarbeitern müsse sie dafür sorgen, dass die Integrationspolitik in alle Bereiche vordringe.

Kultureller Konflikt als Herausforderung

Tatsächlich steht hinter dem Konflikt im Migrationsbeirat auch der Gegensatz zwischen verschiedenen Migrantenorganisationen. Auf der einen Seite maßgeblich der laizistische, sozialdemokratisch orientierte Türkisch Bund, auf der einen Seite die muslimische Türkische Gemeinde zu Berlin, die erstmals den Beirat beherrscht. Am Freitag treffen sich Vertreter des Beirats mit Kolat. Dabei geht es auch um die Mittelvergabe. „Ich habe Respekt für eine so vielfältige Gruppe zu sprechen“, sagte Lüke.

Sie selbst wird erst im November ihre Arbeit aufnehmen. Zuvor müsse sie ihren Verpflichtungen als freiberufliche Gutachterin nachgehen. Erst im Juni hatte sich Lüke mit ihrem früheren Arbeitgeber Amnesty International auf eine Abfindungszahlung geeinigt.

Ein Jahr zuvor war sie kurz nach der Geburt ihrer Tochter als Generalsekretärin der deutschen Sektion freigestellt worden – wegen eines beschädigten Vertrauensverhältnisses. Zuvor hatte Lüke die Evangelische Kirche in Migrations- und Flüchtlingsfragen beraten. Bis 2009 koordinierte sie Projekte der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Kambodscha und Kenia. Dort hielt sie sich tagelang im größten Flüchtlingslager Afrikas an der Grenze zu Somalia auf.