Integration: Die 20 wichtigsten Antworten zur Flüchtlingskrise in Berlin

Berlin - 1. Wie viele Flüchtlinge sind seit dem vergangenen Jahr nach Berlin gekommen? Wo leben sie inzwischen
(in Notunterkünften, Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften)?

Rund 80.000 Flüchtlinge kamen 2015 in die Stadt, etwa 55.000 sind geblieben.  Die Zahlen sind aktuell unter anderem aufgrund der geschlossenen Balkanroute drastisch gesunken. Zurzeit treffen täglich 20 bis 50 Geflüchtete ein. Knapp 41.000 Menschen  sind in Heimen untergebracht. Knapp 26.000 leben  immer noch in Notunterkünften, allein 10.500 in in 63 Turnhallen. In Erstaufnahmeeinrichtungen sind 2500 Asylsuchende untergekommen, 12.500  in Gemeinschaftsunterkünften, 13.000 leben in Wohnungen. (tt.)

2. Ist der Bearbeitungsstau am Lageso abgebaut worden? Wurden inzwischen alle Flüchtlinge registriert?

Nach Angaben der Senatssozialverwaltung sind mittlerweile die Daten aller Flüchtlinge erfasst. Während es mit der Aufnahme nicht zuletzt wegen der gesunken Zahlen gegenwärtig keine Problem gibt,  kommt seit Anfang des Jahres  die Leistungsstelle mit der Arbeit nicht mehr hinterher. Einige Flüchtlinge warten immer noch auf die Ausbezahlung von Leistungen und werden mit Abschlagzahlungen vertröstet.  Mittlerweile wird das Lageso durch die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter unterstützt. Ende Mai sollen alle Rückstände aufgeholt sein. (tt.)

3. Wie viele Flüchtlinge wurden abgeschoben oder reisten freiwillig aus?

Berlin schiebt abgelehnte Asylbewerber  inzwischen massiv ab. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt nur 806 Abschiebungen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es schon 521.  Zudem reisten im ersten Quartal 287 Personen freiwillig zurück. Die meisten waren Iraker, Iraner und Afghanen. „Enorm gestiegen“ ist laut Senat auch die Zahl der Syrer, die Berlin verlassen wollen. Wegen fehlender Flugerbindungen kommt es aber nicht zu Ausreisen. Inzwischen lassen sich monatlich im Durchschnitt  227 Personen zur freiwilligen Rückkehr beraten. Im November waren es nur 18. (kop.)

4. Auf welche Leistungen vom Staat haben die Flüchtlinge Anspruch? Wie hoch sind diese Leistungen?

Flüchtlinge haben sofort einen Anspruch auf Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Das können Geld und/oder Sachmittel sein. Etwa Fahrkarten, Verköstigung oder Taschengeld. Zusammengefasst erhält ein Erwachsener  je nach Lebenssituation Leistungen im Wert von bis zu 359 Euro im Monat. Sobald die Asylsuchenden anerkannt oder geduldet sind, wechseln sie von der Zuständigkeit des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in die der Bezirke und der Jobcenter und erhalten dieselben Leistungen wie jeder anderer Bürger, beispielsweise Hartz IV.  (tt.)

5. Wie werden die Flüchtlinge medizinisch versorgt? Wie viele haben inzwischen eine Gesundheitskarte? Wie wird traumatisierten Flüchtlingen geholfen?
Die Menschen werden inzwischen in der Erstaufnahmestelle in der Bundesallee von Ärzten der Charité erstuntersucht, um frühzeitig ernsthafte Erkrankungen festzustellen. Sie können sich auch impfen lassen. In elf Großunterkünften sind Mediziner vor Ort, die Flüchtlinge können aber auch zu jedem anderen Arzt gehen. 1574 Asylsuchende haben eine elektronische Gesundheitskarte, die 2016 eingeführt wurde. Alle anderen müssen sich beim Lageso Behandlungsscheine abholen. Für Traumatisierte gibt es eine Anlaufstelle am Lageso. (tt.)

6. Wo sollen die Flüchtlinge künftig wohnen, welche Pläne gibt es, wie weit sind sie vorangeschritten?
Wo sollen die Flüchtlinge künftig wohnen, welche Pläne gibt es, wie weit sind sie vorangeschritten?
In diesem Jahr baut der Senat an 30 Standorten Wohncontainer für insgesamt bis zu 15 000 Menschen auf. Die ersten Anlagen sollen im Juni fertig sein. Die Container dienen in erster Linie dazu, die  Turnhallen wieder frei zu machen. Zugleich sollen mittelfristig  60 Gemeinschaftsunterkünfte aus Betonfertigteilen für rund 24 000 Menschen errichtet werden, die ersten beiden sind im Bau. Geplant sind auch Stadtquartiere mit überwiegend Sozialwohnungen. Bis der Mangel an günstigen Wohnungen in der Stadt behoben ist, wovon nicht nur Flüchtlinge betroffen sind, dürfte es  noch Jahre dauern. (zy.)


7. Gibt es genügend Deutschkurse für alle?

Schwer zu sagen, denn es gibt viele Anbieter. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) kann die Nachfrage jedenfalls nicht decken. Daher bietet das Land in Volkshochschulen ergänzend Kurse  an. In diesem Jahr stehen 6750 Plätze zur Verfügung. Die Arbeitsagenturen haben Kurse mit 10.000 Plätzen geschaffen.   10.000 Kinder werden in Willkommensklassen unterrichtet, auch in Alphabetisierungsklassen. Es gibt Unterricht für Jugendliche an Berufsschulen, berufsbegleitende Kurse, Angebote für Analphabeten. Zudem vermitteln viele Ehrenamtliche den Menschen erste Sprachkenntnisse. (tt.)

8. Wie werden Flüchtlingskinder betreut? Reichen die Plätze in den Kitas und Schulen aus?
Viele Schulen und Kitas sind voll belegt. Schüler, die nicht Deutsch sprechen, werden zunächst in  einer der 805 Willkommensklassen mit 12 und mehr Kindern unterrichtet. Die Zahl dieser Klassen hat sich binnen neun Monaten verdoppelt. Spätestens nach einem Jahr sollen sie in Regelklassen wechseln. 14.000 weitere Kitaplätze für Einheimische und Flüchtlingskinder sollen bis 2018 entstehen, die Schulen ausgebaut werden. Wer als Teenager kam, tut sich schwer mit der deutschen Sprache. Schulleiter berichten, dass weit mehr als die Hälfte der Älteren wohl keinen Abschuss schaffen wird. An einigen Oberschulen bleiben sie auch in Regelklassen unter sich. (mak.)

9. Wie wird die berufliche Qualifikation der Flüchtlinge erfasst? Und welche berufliche Qualifikation haben sie?
Die berufliche Qualifikation der Geflüchteten wird erst seit kurzer Zeit in der Erstaufnahmestelle an der Bundesallee erfasst. Bislang wurde dieses sogenannte Profiling lediglich bei knapp 2 000 Menschen durchgeführt. Es obliegt nun den Jobcentern, die Kompetenzen zu ermitteln, sobald die Flüchtlinge Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Insofern können keine zuverlässigen Angaben zum Bildungsniveau und der beruflichen Qualifikation gemacht werden.  Gerechnet wird damit, dass es sieben bis zehn Jahre dauert, um die Menschen ins Berufsleben zu integrieren. (tt.)

10. Wie viele  Flüchtlinge belegen Praktika? Wie viele sind in Berufsvorbereitungskursen untergekommen?
500 Praktikumsplätze bietet die Ausbildungsinitiative Arrivo von Senat und Handwerkskammer an, hinzu kommen Angebote der Arbeitsagentur und der Jobcenter. Die beruflichen Schulen nehmen derzeit ebenfalls zahlreiche junge Männer und Frauen auf, ab dem kommenden Schuljahr sollen Flüchtlinge verstärkt in sogenannten BQL-Kursen auf eine Ausbildung vorbereitet werden und dabei weiter Deutsch lernen. Das dürfte nicht selten auf eine vollschulische Ausbildung herauslaufen, denn es fehlt an Praktikums- oder dualen Ausbildungsplätzen in Betrieben. Auch freie Träger sehen in Berufsvorbereitungskursen einen neuen Markt. (mak.)

11. Wie viele Flüchtlinge studieren?
An den drei großen Universitäten bereiten sich derzeit über 400 Flüchtlinge auf ein Studium vor. Viele stammen aus Syrien, Afghanistan, Iran und Irak und nutzen eine Kombination von Sprachkurs und Schnupperstudium. Das kostenlose Bildungsangebot, bei dem auch schon Scheine gemacht werden können, richtet sich auch an Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch laufen. Für ein reguläres Studium müssen Flüchtlinge – wie andere ausländische Studenten auch  – sehr gute Deutschkenntnisse, ein Abi-Zeugnis oder vergleichbare Leitungen nachweisen. Anerkannte Asylbewerber haben Anspruch auf BAföG. Allein an der TU haben sich bislang fast 400 geflüchtete Menschen zu Studienmöglichkeiten beraten lassen. (jk.)