Hoher Besuch im Nachbarschaftstreff „mittendrin“ in der Sonnenallee. Der ehemalige Premierminister von Frankreich, Jean-Marc Ayrault, ist mit einer achtköpfigen Delegation angereist. Er will sich ein Bild von den Integrationsmaßnahmen in der High-Deck-Siedlung machen. „Ich möchte sehen, wie hier Integration abläuft“, sagt Ayrault in perfektem Deutsch, denn vor seinem Politiker-Leben war er Deutsch-Lehrer. Er ist im Auftrag des französischen Staatspräsidenten François Hollande geschickt worden, um am Integrationskonzept zu feilen.

Stadtteilmütter als Türöffner

Mit am Tisch sitzen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die Quartiersmanagerin der High-Deck-Siedlung Ines Müller und Projektvertreter, die für die 6 700 Einwohner der Siedlung Angebote schaffen. Beispielsweise die Stadtteilmütter, ein Projekt das bereits 2004 mit der Idee gegründet wurde Migrantinnen zu qualifizieren, damit sie anderen Migrantenfamilien helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. „Die Stadtteilmütter sind unsere Türöffner“, sagt Giffey. Sie würden dort aufklären, wo der Bezirk nicht mehr weiterkomme. „Wir erklären den Familien, warum es wichtig ist, Kinder in die Kita zu schicken. Wir erklären ihnen, warum es wichtig ist, Deutsch zu lernen“, sagt Halla Osman, eine Stadtteilmutter.

Heike Hirth ist Leiterin des Jugendtreffs „The Corner“, einer Einrichtung des evangelischen Kirchenkreises Neukölln, aktiv im Bereich Integration und Gewaltprävention. Im „Corner“ würden sie den Jugendlichen Raum geben, eine Streitkultur zu entwickeln, denn bei vielen Jugendlichen in dem Bezirk, in dem über 70 Prozent einen Migrationshintergrund haben, sei diese nicht entwickelt. Sehr schnell würden Jugendliche zu Gewalt neigen und das als einzige Option sehen, sich zu behaupten. „Wir geben den Jugendlichen auch eine Chance sich über den Nahost-Konflikt zu informieren. Wir laden Experten ein.“

Hirth stellt den Antisemitismus in muslimischen Gemeinden in den Vordergrund, dem dringend entgegengearbeitet werden sollte. Auch um den Islam geht es. Eine Stadtteilmutter spricht von einem falschen und einem guten Islam. „Ich versuche, meinen Kindern Toleranz beizubringen, gegenüber Juden, Homosexuellen, einfach gegenüber jedem“, sagt sie. Da nicken alle.

Regelmäßige Delegationen

Polizeihauptkommissar Jens-Uwe Bartusch sagt: „Es ist großartig, was das Quartiersmanagement hier leistet.“ Die Siedlung sei sauber und sicher. Für Giffey ist diese Art von Besuch keine Neuheit: „Nach Neukölln kommen regelmäßig Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern. Wir setzen uns schon länger intensiv mit den Problemen der Integration auseinander. Wir haben Erfahrungen gesammelt und teilen diese gerne.“

Der Gast aus Frankreich scheint zufrieden. Er fragt oft. Besonders wenn es um die Praxis geht.