Die Bereitschaft des Senats, von der geplanten Änderung des Tempelhofgesetzes in großen Teilen abzurücken, hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Christiane Bongartz, Mitglied der Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld, äußerte sich am Freitag skeptisch zur Ankündigung von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), sich beim Bau temporärer Unterkünfte auf die Flächen rechts und links des Vorfeldes zu konzentrieren. Die Frage sei, ob das Vorfeld für den Bau der Unterkünfte nicht völlig ausreichend sei, sagte Bongartz. Dann müsste das Tempelhof-Gesetz auch nicht geändert werden. Das Vorfeld vor den Hangars habe immerhin eine Größe von 23 Hektar, so Bongartz. Sie zeigte sich aber zugleich gesprächsbereit. „Wir möchten mit Herrn Geisel reden, aber wir verhandeln nicht über das Gesetz.“

Geisel will, wie berichtet, das Tempelhof-Gesetz ändern, um auf dem riesigen Areal bei Bedarf bis zum Jahr 2019 Bauten zur Unterbringung von Flüchtlingen errichten zu können. Als mögliche Standorte werden im vorliegenden Gesetzentwurf Flächen am Tempelhofer Damm, an der Oderstraße und südlich des Columbiadamms aufgeführt. Die Pläne für Bauten an der Oderstraße würden nicht weiter verfolgt, weil dort nicht ausreichend Platz sei, sagte Geisel jetzt. Auch der Standort am Tempelhofer Damm werde nicht mehr prioritär verfolgt.

Die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld, die das Tempelhof-Gesetz per Volksentscheid im Mai vergangenen Jahres in Kraft setzte, lehnt eine Gesetzesänderung ab. Tilmann Heuser, der vom Senat eingesetzte Koordinator für die Erarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplans für das Tempelhofer Feld, sagte, es sei gut, wenn der Senator feststelle, dass die Flächen an der Oderstraße und am Tempelhofer Damm als Standorte für temporäre Bauten ungeeignet seien. Dies deckt sich mit der Einschätzung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dessen Landesgeschäftsführer Heuser ist. Heuser sagte, jetzt sollte geprüft werden, ob das Vorfeld nicht ausreichend groß sei, um dort die temporären Bauten aufzustellen.

Zirkuszelte für Freizeitaktivitäten

„Es ist toll, dass sich die Bürger mit dem Vorschlag für die Nutzung des Vorfeldes in die Diskussion eingebracht haben“, lobte Heuser. Gemeinsames Ziel sei es, die Situation der Flüchtlinge zu verbessern. Das sei auf dem Tempelhofer Feld möglich. So könnten an verschiedenen Orten Integrationsprojekte realisiert werden. In fliegenden Bauten wie Zirkuszelten könnten am Rand des Feldes Freizeitaktivitäten wie gemeinsames Kochen und Sprachunterricht angeboten werden. Dadurch könnte es gelingen, Tempelhof zum Symbol für eine gelungene Integration und eine Willkommenskultur zu machen.

Areal wird als Logistikfläche gebraucht

Stadtentwicklungssenator Geisel hält es bisher noch nicht für möglich, das Vorfeld für die temporäre Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Dieses Areal werde als Logistikfläche benötigt, sagte der Senator. Hintergrund: Noch werden nur drei der sieben Hangars des stillgelegten Airports durch Flüchtlinge belegt – 2160 Menschen leben dort. Geplant ist aber, dass Flüchtlinge in sämtliche Hangars einziehen. Dann werden gut 5000 Menschen dort leben. So viele wie in einer Kleinstadt.

Das Vorfeld werde dann dafür benötigt, um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen und Schulunterricht für die Kinder anzubieten, so Geisel. Zwar werden die Flüchtlinge nach Angaben der Sozialverwaltung schon jetzt in Tempelhof ärztlich versorgt. Dies soll aber noch verbessert werden. Derzeit werde über einen entsprechenden Vertrag mit dem Sankt-Joseph-Krankenhaus und dem Klinikkonzern Vivantes verhandelt, so Gesundheits-Behördensprecherin Regina Kneiding.