Gegen die Ausweisung der Integrationslotsin von Treptow-Köpenick, Simran Sodhi, rollt eine Welle von Protesten. Wie berichtet, verweigert die Ausländerbehörde der 27-jährigen Inderin eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis. Begründung: kein öffentliches Interesse. Der Job setze zudem eine für Akademiker zu geringe Qualifikation voraus und werde zu niedrig bezahlt. Bis Ende Mai soll Sodhi ausreisen, sonst droht ihr die Abschiebung.

Mehr als 20.000 Menschen hatten bis zum frühen Montagabend auf der Internetplattform change.org für den Verbleib der jungen Frau in Berlin unterschrieben. Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD), deren Behörde Sodhi und weitere rund 60 Integrationslotsen seit Jahresbeginn bezahlt, teilte mit, sie werde die Ausländerbehörde um eine Stellungnahme bitten. Eine Ablehnung könne nicht mit mangelndem öffentlichen Interesse an dieser Arbeit begründet werden.

"Ausweisung absurd"

Integrationslotsen helfen Migranten und Asylbewerbern, den Alltag zu meistern. Der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus Raed Saleh sagte: „Die geplante Ausweisung von Frau Simran Sodhi finde ich absurd.“ Gerade beim Thema Integration gebe es ein öffentliches Interesse, um von Einkommensgrenzen abzuweichen. Saleh bezieht sich damit auf ein Gesetz, nach dem ausländische Fachkräfte ab einem jährlichen Einkommen von 44?800 Euro automatisch eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Sodhis Gehalt liegt weit darunter. Was laut Jörg Niewöhner, Professor an der Humboldt-Universität, für Berufseinsteiger normal sei. Der Wissenschaftler kennt Sodhi, die bis 2012 an seinem Uni-Institut Europäische Ethnologie studiert hat. Er hält sie für außerordentlich engagiert in Sachen Integration. Niewöhner: „Die sprachlichen, kulturellen und fachlichen Kompetenzen in diesem Feld sind in Deutschland dünn gesät.“