Integrationslotsin Simran Sodhi: Zu qualifiziert für Berlin

Sie hat einen Hochschulabschluss, einen interessanten Job und dafür viele Ideen: Simran Sodhi könnte zufrieden sein. Seit Anfang des Jahres arbeitet die 27-jährige Inderin für den Verein offensiv ’91 als erste Integrationslotsin in Treptow-Köpenick. Sodhi ist eine von rund 60 solcher Lotsen in Berlin, die im Auftrag des Senats Migranten und Asylsuchenden helfen. Gerade in Treptow-Köpenick, wo es wenig Erfahrung mit Ausländern gibt, ist dies ein wichtiger Job. Doch Simran Sodhi soll aus Deutschland ausgewiesen werden. Die Ausländerbehörde teilte ihr Anfang Mai mit, dass ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert wird. Es bestehe kein öffentliches Interesse an ihrem Job, für den sie überdies überqualifiziert sei.

„Ich war komplett schockiert, damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt die junge Frau mit der wilden Lockenmähne. Gerade habe sie einige Projekte angeschoben. Sie will eine Frauengruppe im Asylbewerberheim in Grünau gründen und Schulen bei der Gründung von „Willkommensklassen“ für Flüchtlingskinder helfen. Täglich ist sie im Bezirk unterwegs, um Flüchtlinge bei Behördengängen oder bei der Wohnungssuche zu unterstützen.

Simran Sodhi kam vor vier Jahren nach Berlin. An der Humboldt-Universität studierte sie Europäische Ethnologie. „Obwohl ich schnell Deutsch konnte, war vieles hier fremd für mich“, sagt sie. So wie ihr damals geht es auch vielen Flüchtlingen heute. Die Integrationslotsin erklärt ihnen, wo sie eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen müssen, welche Krankenversicherungen es gibt oder was ein Wohnberechtigungsschein ist. Dass sie Deutschland nun womöglich verlassen muss, stößt im Bezirk Treptow-Köpenick auf Unverständnis. Die amtierende Bürgermeisterin Ines Feierabend (Linke) sagt, Simran Sodhi leiste Pionierarbeit: „Immerhin haben wir im Bezirk bereits gut 600 Flüchtlinge. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe für gut qualifizierte Menschen.“

Feierabend hat ihr Unverständnis in Briefen auch Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU), dem die Ausländerbehörde untersteht, mitgeteilt. Beide Behörden wollten sich auf Anfrage der Berliner Zeitung am Freitag nicht äußern. Im Internet wurde auf der Plattform Change.org eine Petition für Simran Sodhi gestartet.