Ihren Hauptdarsteller kannten die Fahnder nicht nur aus Polizeiakten sondern auch aus dem Fernsehen. Der 23-jährige Yehya – wegen brutaler Gewalttaten als „Intensivtäter“ registriert – war dem Regisseur Christian Stahl einen anderthalbstündigen Dokumentarfilm wert. Der Sohn palästinensischer Einwanderer ist Protagonist im Film „Gangsterläufer“, der im August unter anderem im ZDF gezeigt wurde. Das Verständnis, das darin dem Neuköllner Intensivtäter entgegengebracht wird, nutzte nicht viel: Yehya sitzt nun wieder in Haft.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, nahm sie am Dienstag acht Männer fest. Zunächst fasste sie Yehya (der sich im Film „Boss von der Sonnenallee“ nennt), seinen 19-jährigen Bruder Abed und einen 20-Jährigen in der Urbanstraße. Sie sollen in einer Wohnung eine 19-Jährige überfallen und verletzt haben. Die Beute, eine Stahlkassette mit einem größeren Geldbetrag, hatten sie bei sich. Ein Richter erließ Haftbefehle gegen die Drei.

„Eigentlich ein lieber Kerl“

Dann vollstreckten Fahnder in insgesamt neun Wohnungen in Mitte, Neukölln, Kreuzberg und Reinickendorf Durchsuchungsbeschlüsse bei anderen mutmaßlichen Mitgliedern von Yehias krimineller Araber-Gang. Und sie nahmen weitere Verdächtige fest: zwei 20-Jährige sowie drei 24, 25 und 27 Jahre alte Komplizen. Ein 21-jähriges Bandenmitglied wurde nicht angetroffen. Ihnen allen werden diverse Raubtaten vorgeworfen, darunter zwei Überfälle auf Geldboten, ein Raub in einer Wohnung und ein versuchter schwerer Raub auf einen Juwelier. Gegen vier Verdächtige erließ ein Richter am Mittwoch Haftbefehle, zwei davon mit Haftverschonung. Der 25-Jährige wurde entlassen, nachdem er Fingerabdrücke abgab und vernommen wurde. Die Ermittlungen ergaben laut Polizei dass die Verdächtigen Pläne für weitere Raubtaten hatten.

An den Ermittlungen waren Kommissariate des LKA beteiligt und das Kommissariat „Täterorientierte Ermittlungen“ der Direktion 5, das für Neukölln und Kreuzberg zuständig ist. Diese Ermittler sind dicht an den Tätern dran und kennen viele seit langem persönlich. O-Ton Yehia: „Ich hab’ einen eigenen Staatsanwalt“. Allerdings haben die Ermittler eine andere Meinung über den Intensivtäter als offenbar Regisseur Stahl. Dieser sagt im Film über den 23-Jährigen: „Eigentlich ein lieber Kerl.“

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