Herzlichen Glückwunsch, Interflug! Die DDR-Fluggesellschaft wäre jetzt 60 Jahre alt geworden. Auch wenn die Flugzeuge der Airline seit 1991 vom Himmel verschwunden sind – der Name der Gesellschaft ist weiter da. Denn die Marke Interflug existiert noch heute.

Man staunt, wo die DDR-Airline überall noch Höhenflüge macht. Zum Beispiel in Kreuzberg, wo die Interflug bei der Turngemeinde Berlin 1848 abhebt. Der Sportverein am Columbiadamm hat sich 2013 das Logo der Fluggesellschaft als Marke für zehn Jahre sichern lassen – und zwar für die Sportart Ultimate Frisbee, bei der Mannschaften einer 175 Gramm schweren Kunststoffscheibe hinterherjagen, die auf einem Spielfeld durch die Luft geworfen wird.

„200 Mitglieder haben wir in dieser Sparte, führen seit Jahren internationale Wettkämpfe unter dem Titel Interflug durch“, sagt Vereinsmanager Edgar Grothkopp. „Dazu passt das Interflug-Logo am besten.“

Interflug war eine Notlösung

Ein Blick in das Register des Marken- und Patenrechtsamts in München verrät: Insgesamt zehnmal wurden der Interflug-Schriftzug und das Flugzeug-Logo, das am Leitwerk der DDR-Maschinen zu sehen war, in den vergangenen Jahren von Unternehmen gesichert.

Meistens sind das solche Firmen, wie sie auch ein Geschäftsmann aus Essen betreibt. Er handelt im Internet mit Ostalgie-Produkten und hat mit der Markensicherung die Rechte erworben, das Interflug-Zeichen in verschiedenen Varianten auf T-Shirts oder Tassen drucken zu lassen. Mit der DDR-Airline kann man heute anscheinend gutes Geld machen.

Dabei war die Geburt der Interflug vor 60 Jahren eher eine Notlösung. Die DDR hatte bereits 1955 die Deutsche Lufthansa Ost gegründet. Da es einen Rechtsstreit mit der Lufthansa in der Bundesrepublik gab, wurde am 18. September 1958 die Interflug gegründet, die zunächst den Luftfrachtverkehr abwickelte. Als 1963 die Lufthansa Ost für immer verschwand, ging die Interflug richtig an den Start.

Billige Flüge für Westberliner mit Interflug

Aufgebaut wurde die Airline mit sowjetischen Flugzeugen. Die ersten Inlandsflüge führten von Berlin-Schönefeld nach Leipzig (wegen der Messe) und an die Ostsee. International flog man zuerst die sozialistischen Bruderstaaten, Afrika und den Nahen Osten an. In den 80er-Jahren hatte die Interflug 40 Maschinen, jährlich 1,3 Millionen Passagiere, Verbindungen in über 50 Länder. Die Ziele legte oft die Staatsmacht fest.

„Wenn Honecker plötzlich Äthiopien liebte, musste eben nach Äthiopien geflogen werden. Oder Angola oder Mosambik. Während Wirtschaftslenker Mittag mehr daran interessiert war, nach Singapur zu fliegen oder nach den Emiraten – um dort Geld zu machen“, sagte der letzte Interflug-Chef, Klaus Henkes, der 2003 verstarb.

Für DDR-Bürger waren diese Ziele unerreichbar. Die Interflug setzte auch mehr auf Fluggäste aus dem Westen. Da die westdeutsche Lufthansa die DDR nicht überfliegen durfte, flog die Interflug vor allem Westberliner zu den Zielen. Und das zu Billigpreisen. Ein Flug nach Kairo kostete in den 80er-Jahren mit den West-Airlines 759 D-Mark. Die Interflug verlangte nur 290 D-Mark.

Interflug-Maschinen im Besitz der Stasi

Die Interflug beschäftigte etwa 8000 Mitarbeiter. Für viele Frauen in der DDR war Stewardess ein Traumberuf. Dafür mussten sie parteitreu und verheiratet sein, im Idealfall auch Kinder haben. Denn man ging davon aus, dass Stewardessen mit Familie bei einer Landung im Westen nicht abhauen würden.

Zwei Interflug-Maschinen vom Typ TU-134 A besaß die Stasi. Sie dienten zur Rückführung von in Osteuropa gefassten DDR-Flüchtlingen. Es gab einige Bulgarien-Urlauber, die versuchten, in die Türkei zu fliehen. Die Flieger nutzte auch Margot Honecker für ihre Dienstreisen.

Unglücke der veralteten Interflug-Flieger

Zu den traurigsten Kapiteln gehört der Absturz einer Interflug-Maschine. Im August 1972 krachte eine IL 62 nach dem Start in einen Wald bei Königs Wusterhausen. Alle 156 Menschen an Bord kamen ums Leben. Im Juni 1989 schoss eine IL 62 in Schönefeld über die Landebahn hinaus. Von den 113 Menschen an Bord kamen damals 21 ums Leben.

Viele der Interflug-Maschinen waren veraltet. Ausgerechnet der Klassenfeind in Person des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß sorgte mit viel Geld dafür, dass die Interflug 1989 drei Airbus-Flieger A 310 bekam. Mit einem fliegt heute Kanzlerin Angela Merkel.

1991 wurde die Interflug abgewickelt. Am 30. April flog die letzte Maschine von Wien nach Berlin.