Berlin - Ob die Begeisterung, mit der sich Christoph Schmidt über das „tolle Potenzial“ von Marzahn-Hellersdorf für die Ausrichtung der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2017 äußert, echt oder nur der Not geschuldet ist, lässt sich schwer sagen. Der Chef der Grün Berlin GmbH hatte eigentlich eine IGA für das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof planen sollen, eine einzigartige, innerstädtische, prominente Leerfläche, die die Phantasie aller Grünplaner beflügelt.

Senat will sparen

Aber der Senat beschloss am Dienstag, dass die IGA in Abänderung des ursprünglichen Konzepts am östlichen Stadtrand in Marzahn-Hellersdorf stattfinden soll.

Kernsatz der Senatsmitteilung ist, dass „aufgrund der Konzeptänderung eine finanzielle Einsparung erreicht werden“ kann. Da man eine Verlagerung aus Kostengründen weder dem Publikum noch der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) nahebringen kann, heben Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) und Christoph Schmidt die Vorzüge des Bezirks Marzahn-Hellersdorf hervor: Dort könne man die vorhandenen, beliebten Gärten der Welt für die IGA nutzen, der Bezirk unterstütze das Vorhaben sehr, die benötigten Flächen stünden zudem dem Land Berlin zur Verfügung.

Auch seien die Verkehrsanbindungen vorhanden oder könnten erweitert werden. Er sei „überrascht“, welche Möglichkeiten das vorgesehene IGA-Areal, das angrenzende Wuhletal und der nahegelegene Kienberg als mögliche Aussichtsplattform böten, schwärmte Schmidt. Der Berg nahe der Gärten der Welt werde sicher ein Touristenmagnet, so der Grünplaner.

Kein Sinn für künstliche Kletterfelsen

Er wies darauf hin, dass es angesichts der Lage auf dem Wohnungsmarkt, bei der Mieter aus der Innenstadt an den Stadtrand verdrängt werden, nicht falsch sein könne, das Image von Marzahn-Hellersdorf durch die IGA aufzuwerten. Erst einmal rechnet der Senat jedoch mit Einbußen bei der Zahl der erwarteten IGA-Besucher. Statt mit 3,5 Millionen in zentraler Lage in Tempelhof rechnet man mit 2,8 Millionen am Stadtrand.

Trotzdem wird laut Plan viel Geld gespart: Statt 50 Millionen Euro wie in Tempelhof sind am Ersatzstandort nur noch 40 Millionen Euro an Kosten geplant, davon sollen 35 Millionen Euro durch Eintrittsgelder, Sponsoring oder Verkauf von IGA-Artikeln gedeckt werden.

Die restlichen 5 Millionen Euro zahlt das Land als Zuschuss und kommt damit erheblich billiger weg als in Tempelhof. Die Umplanung kam auch auf Druck des Finanzsenators zustande, der wohl wenig Sinn für die auf dem Tempelhofer Feld geplanten Bauten, etwa für einen künstlichen Kletterfelsen hat.

Wasserbecken in Tempelhof

Seit der Berliner Bewerbung für die IGA, so Müller, hätten sich auch die Erfahrungen mit der riesigen Freifläche geändert, die von der Bevölkerung in unerwartetem Ausmaß genutzt und weitgehend so, wie sie ist, geliebt wird. Das habe man, wenn auch nicht ohne Mühe, dem Gartenschauverband DBG vermitteln können, der schließlich einer Verlagerung zustimmte.

In Tempelhof wird trotz Verlagerung der IGA das Notwendige gebaut, vor allem Wasserbecken, in denen sich das Regenwasser sammelt. Dadurch werden sechsstellige Gebühren zur Regenwasserableitung jährlich gespart. Auch schattenspendende Bäume, die bei Besucherbefragungen ganz oben auf der Wunschliste stehen, sollen 2013 gepflanzt werden. Bis 2016 sollen jährlich rund fünf Millionen Euro in Tempelhof ausgegeben werden.

Besucher der Gartenschau IGA in Marzahn-Hellersdorf sollen zwischen 10 und 20 Euro Eintritt zahlen, es solle ein gestaffeltes System geben, sagte Grün-Berlin-Chef Schmidt. Einzelheiten stehen noch nicht fest. Gedacht ist daran, Dauerkarteninhaber für die „Gärten der Welt“ günstiger zu stellen als Touristen von außerhalb. Keinesfalls sollten sozial schwache Einheimische während der 170 Tage IGA 2017 durch hohe Preise vom Besuch der Gärten abgehalten werden.